+
Steinmetzmeister Martin Mikulas zeigt den Krankenhausseelsorgern Angelika Habicht-Preis und Bernhard Brentzen das neue Grabfeld, das momentan angelegt wird. Foto: Renate Hoyer

Offenbach

Offenbach: Ein Ort für Sternenkinder

  • schließen

Ein Grabfeld auf dem Neuen Friedhof in Offenbach soll verwaisten Eltern nach Fehl-- oder Totgeburten einen würdigen Abschied von ihrem verstorbenen Baby ermöglichen.

Manchmal sterben Kinder lange vor der Geburt. Für Mütter und Väter, die sich auf das Kind und die gemeinsame Zukunft gefreut haben, bricht eine Welt zusammen. Verzweiflung, Leere und Hoffnungslosigkeit brechen über sie herein. Damit verwaiste Eltern und Angehörige Abschied nehmen und ihr verstorbenes Baby bestatten können, soll auf dem Neuen Friedhof in Offenbach bis Anfang 2020 ein sogenanntes Sternenkinderfeld eröffnet werden. Die Pläne für das neue Grabfeld wurden gestern vorgestellt.

Als Sternenkinder werden Fehl- oder Totgeburten unter 500 Gramm bezeichnet, die vor Vollendung der 24. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen. Für sie besteht in Deutschland ebenso wie für Föten und Embryonen aus Schwangerschaftsabbrüchen keine Bestattungspflicht. Peter Baier, Chefarzt der Frauenklinik am Ketteler-Krankenhaus, erinnerte daran, was früher mit diesen totgeborenen Kindern geschah. Sie waren als „Kliniksondermüll“ verbrannt worden.

Diese unwürdige Praxis fand erst 2013 ein Ende. Seitdem können Eltern dem Standesamt die Geburt anzeigen, die dann beurkundet wird. Rechtlich hat das Kind damit existiert, Mutter und Vater sind als Eltern anerkannt.

Selbsthilfegruppen
Der Verein Sternenkinder Rhein-Main bietet Selbsthilfegruppen, Geschwistergruppen, Rückbildungskurse mit Gesprächskreis für verwaiste Mütter, Trauerbegleitung und eine individuelle Begleitung für Trauernde an.

In Offenbach findet das Selbsthilfegruppentreffen jeden letzten Mittwoch im Monat und in Frankfurt jeden zweiten Freitag im Monat statt. In Wehrheim gibt es eine Trauergruppe, die sich jeden dritten Mittwoch im Monat trifft.

Nähere Infos gibt es unter www.unsere-sternenkinder-rhein-main.de.

In Offenbach war eine Bestattung der Sternenkinder schon seit 2001 möglich. Die Stadt hatte in Zusammenarbeit mit den Krankenhäusern und den dort tätigen Seelsorgern auf dem Neuen Friedhof einen „Hain der Ungeborenen“ eingerichtet. Jährlich seien rund 250 totgeborene Kinder bestattet worden. Jetzt sei dort kein Platz mehr, sagte Christian Loose, stellvertretender Leiter des ESO Eigenbetriebs im Geschäftsfeld Stadtservice, der für die Stele und den Leuchtturm auf dem Grabfeld 4500 Euro gespendet hat.

Die Finanzierung für die Anlage übernehmen erneut das Sana-Klinikum, das Ketteler-Krankenhaus und die städtischen Friedhöfe. Aber man sei auch auf Spenden angewiesen, sagte der Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Sana-Klinikum, Christian Jackisch. Er wie auch sein Kollege Baier betonten, dass das Angebot für betroffene Eltern extrem wichtig sei, weil sie einen Ort zum Trauern und Abschiednehmen bräuchten.

Jackisch meinte, der Umgang mit Tot- und Fehlgeburten sei über viele Jahre ein Tabuthema gewesen. Die Frage sei auch, worüber man rede: von einem Fötus oder von einem Kind? Nach seinen Worten sind Eltern, die früh ihr Kind verlieren, häufig langfristig traumatisiert. Die Trauerarbeit sei ein langer Prozess.

Das 500 Quadratmeter große Sternenkinderfeld befindet sich in der Nähe der zentralen Trauerhalle. Der Leuchtturm als zentrale Skulptur wurde von Steinmetzmeister Martin Mikulas aus abgeräumten und aufgearbeiteten alten Grabsteinen geschaffen. An einer Basaltstele können Eltern ein Namensschild für ihr totgeborenes Kind anbringen lassen. Diese Möglichkeit gab es bisher nicht. Bürgermeister und Friedhofsdezernent Peter Freier (CDU) nannte es eine Selbstverständlichkeit, dass Eltern einen Raum erhielten, um ihr Totgeborenes in Würde zu Grabe tragen und seiner gedenken zu können.

Die Krankenhausseelsorge Offenbach bietet an jedem ersten Dienstag eines Quartals um 14 Uhr in der Trauerhalle des Neuen Friedhofs eine Bestattungsfeier an. Nächster Termin ist der 7. Januar. Pfarrerin Angelika Habicht-Preis begleitet gemeinsam mit Diakon Bernhard Brantzen viele Gedenkfeiern. Dazu werden Eltern, Angehörige und stets auch ein Imam eingeladen. Bei Bedarf können sich die Angehörigen im Anschluss mit den Seelsorgern austauschen. Das Angebot ist kostenfrei. Es steht allen Betroffenen unabhängig von Religion oder Herkunft zur Verfügung.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare