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Die im 3-D-Druck gefertigte Büste wird bei jeder Veranstaltung zu sehen sein. Sie entspricht dem Original auf dem Grabmal in Paris.

Offenbach

Offenbach feiert den Erfinder der Operette

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Er war kein Offenbacher und dennoch: Die Stadt ehrt Jacques Offenbach zum 200. Geburtstag.

Der berühmte Operettenkomponist Jacques Offenbach war kein Offenbacher. Trotzdem feiert die Stadt „ihren musikalischsten Enkel“ ab dem 20. September drei Monate lang mit einem anspruchsvollen und unterhaltsamen Programm. Das Festival will neue Facetten des vor 200 Jahren geborenen Musikers zeigen, der zu seiner Zeit auch als „Paganini am Cello“ verehrt wurde.

Die eingängigen Melodien der Tanznummern „Cancan“ und „Barcarole“ kennt wahrscheinlich jeder, aber nicht unbedingt ihren Erfinder: den 1819 in Köln geborenen Jakob (später Jacques) Offenbach. Wenig bekannt ist wahrscheinlich auch, dass der Ursprung der berühmten Musikerfamilie in der Stadt Offenbach lag. Vater Isaak Eberst war 1779 in Bürgel (das 1908 nach Offenbach eingemeindet wurde) geboren worden und Kantor der dortigen jüdischen Gemeinde gewesen.

Nach dem Umzug nach Köln Anfang des 19. Jahrhunderts nahm er den Namen Isaac Offenbach an, „wohl aus Begeisterung für die Stadt“, vermutet OB Felix Schwenke (SPD). Sein Sohn Jacques soll später in Bürgel seinen Onkel und seine Tante besucht haben, die Inhaber des Café Schlesinger an der Mainstraße waren.

Ralf-Olivier Schwarz, Autor der aktuellen Jacques-Offenbach-Biografie, betonte bei der Vorstellung des Jubiläumsprogramms, dass die Stadt das Recht habe, den Erfinder der Operette zu feiern. „Schließlich hatte er hier Familie.“ Schwarz wird sich in einem Vortrag auch dem musikalischen Vater und dessen Herkunft aus Bürgel widmen.

Jacques Offenbach.

Geplant sind zwölf Veranstaltungen, vier Mal steht mit Michael Quast ein Frankfurter Multitalent auf der Bühne. Weil sich die für September geplante Eröffnung seiner Spielstätte in Frankfurt verzögert, wurden die Premiere seiner Inszenierung „Hoffmanns Erzählungen à trois“ und auch die Aufführung der Geburtstagssoiree „Was für ein Pariser Leben“ nach Offenbach verlegt. „Die Stadt hilft Frankfurt aus der Patsche“, sagte Quast dazu.

Das Programm beinhaltet Konzerte, Lesungen, Theater, aber auch Vorträge zum Leben von Sohn und Vater Offenbach sowie Opern- und Operettenaufführungen. Eröffnet wird das Festival am 20. September mit den „Olimpia Codes“, einer modernen Produktion zum Thema künstliche Intelligenz. Ein weiterer Höhepunkt dürfte das Sinfoniekonzert mit Hörspiel, Operette und einem Stummfilm am 10. November sein. Dabei tritt mit Lydia Kavina eine der weltweit führenden Interpretinnen auf dem 1919 erfundenen Theremin (einem elektromagnetischen Musikinstrument) auf.

Kulturamtsleiter Ralph Ziegler dankte dem Kulturfonds, ohne dessen Förderung durch mehr als 50 000 Euro das Festival nicht möglich gewesen wäre. Nach seinen Worten setzt das Programm nicht ausschließlich auf die berühmten Klassiker und große Inszenierungen. Das „Offenbacheske“ stehe im Vordergrund.

Auch der Komponist selbst wird nach Offenbach zurückkehren. Zwar nicht lebendig, aber dennoch zum Anfassen. Mervyn Bienek, Ex-Student der Hochschule für Gestaltung (HfG), reiste im November 2018 nach Paris, um mit einem 3-D-Scanner auf dem Friedhof Montmartre eine Kopie der Grabbüste Offenbachs anzufertigen. Begleitet wurde er vom Filmstudenten Tim Seger, der die Arbeit in einem rasanten Trailer festgehalten hat (www.offenbach.de/jacques200). Die Büste soll bei jeder Veranstaltung vor dem Publikum stehen.

Das Programm

Das Festival „Jacques OF-200“ wird am 20. September mit der Musiktheater-Produktion „Olimpia Codes“ eröffnet, die sich auf musikalisch experimentelle Weise mit der Künstliche Intelligenz-Thematik befasst.

Weitere musikalische Highlights sind das Kammerkonzert „Cello & Cello“ (16. Oktober), das Chor- und Orgelkonzert „Vater & Sohn“ (27. Oktober) und das Sinfoniekonzert m it Operette, Hörspiel und Stummfilm (10. November).

Michael Quast singt, tanzt und spielt in der Solo-Operette „Pariser Leben“ (15. Oktober), in der Premiere seiner Inszenierung „Hoffmanns Erzählungen“ (mit Sabine Fischmann/23. Oktober), in der Geburtstagssoiree „Was für ein Pariser Leben“ (26. Oktober) und in „ Orpheus in der Unterwelt“ (5. November).

J acques Offenbach-Biograf Ralf-Olivier Schwarz wird am 1. Oktober den Komponisten porträtieren und sich am 4. November dessen Vater widmen.

Tickets sind im OF-Infocenter, Salzgässchen 1, Telefon 069 84004 170, erhältlich, Infos zum Programm unter www.offenbach.de/jacques200.

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