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Offenbach: Einigung mit Clariant über Gewerbefläche

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Die Stadt Offenbach wird das Areal für 6,95 Millionen Euro kaufen und anschließend selbst entwickeln.

Nach zweijährigen, schwierigen Verhandlungen über einen Erwerb des östlich der Innenstadt gelegenen Industriegeländes der Firma Clariant haben sich die Stadt Offenbach und das Spezialchemie-Unternehmen auf einen Preis für die rund 35 Hektar große Brache am Main geeinigt. Die Kommune wird das Areal für 6,95 Millionen Euro kaufen und anschließend selbst entwickeln. Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) sprach von einer „historischen Chance“ für die Standortentwicklung Offenbachs. Das 2010 stillgelegte Gelände ist nach seinen Worten die größte zusammenhängende Gewerbefläche in der Rhein-Main-Region.

Nach dem Willen der Stadt soll die gewerbliche Nutzung beibehalten werden. Wohnungen werde es dort nicht geben, betonte Schwenke. Er warnte vor kurzfristiger Euphorie. Bevor die Offenbacher von der wirtschaftlichen Entwicklung durch das neue Gewerbegebiet profitieren könnten, würden mindestens zehn Jahre vergehen.

Dennoch war er sich mit Bürgermeister Peter Freier (CDU) und Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) einig, dass der am vergangenen Freitag mit Clariant gefundene Kompromiss Anlass zur Freude sei, weil die Stadt neben dem Kaiserlei und dem ehemaligen Güterbahnhof nun das dritte große Gewerbegebiet neuen Nutzungen zuführen könne.

Die Geschichte des Clariant-Geländes beginnt mit dem Bau einer chemischen Fabrik zum Destillieren von Teer. Gründer Ernst Sell baut in Offenbach, weil Frankfurt produzierendes Gewerbe ablehnte.

Ziel der finanzschwachen Kommune ist es, die einstige Industriestadt Offenbach zu einem Zentrum für Dienstleistung, Forschung und Innovation weiterzuentwickeln. Schwenke zufolge steht die riesige Brache am Mainbogen symbolisch wie keine andere Fläche für den Strukturwandel Offenbachs. Im Masterplan von 2016 ist auf dem Clariant-Gelände unter anderem die Entwicklung eines Innovations-Campus vorgesehen. Bereits jetzt werde am Aufbau eines Design-Parks gearbeitet, so der OB.

Der Kaufpreis von rund 20 Euro je Quadratmeter liegt weit unter den üblichen Preisen, weil das Areal nach 170 Jahren Chemieproduktion verseucht ist und die Stadt die Kosten der Altlastensanierung übernimmt. Nach Angaben von Stadtsprecher Fabian El Cheikh wären gemäß den Bodenrichtwerten für das Industrieareal 160 Euro je Quadratmeter fällig. Dieser Wert sei vergleichsweise niedrig, weil es dort seit langem keine Nutzung gegeben habe. Im Schnitt koste der Quadratmeter im Gewerbegebiet 200 bis 240 Euro. Je nach Quadratmeterpreis ergäbe sich für das Areal ein Betrag von 56 beziehungsweise 70 Millionen Euro.

Der Niedergang des Chemiestandorts Offenbach begann bereits mit dem Umbau des Hoechst-Konzerns 1994 und dem Verkauf einiger Betriebsanlagen an Clariant. Letzter Besitzer war Allessa, das sich 2010 aus Offenbach zurückzog.

Lange Zeit hatten die Preisvorstellungen von Stadt und Unternehmen weit auseinandergelegen. Clariant habe ein achtstelliger Betrag vorgeschwebt, Offenbach sei bei seinen Berechnungen eher im Minusbereich gelandet, sagte der Oberbürgermeister. Den Kaufpreis von knapp sieben Millionen Euro hält er wegen des Zeitgewinns für gerechtfertigt, weil die Stadt die Entwicklung und Neuprofilierung des Areals nun selbst vorantreiben könne.

Freier betonte, die Risiken der Altlastensanierung seien von vier Gutachtern ermittelt und in die Kaufsumme „eingepreist“ worden. Dabei sei die Expertise, die die Stadt bei der Entwicklung des Hafens erworben habe, wichtig gewesen. Das Risiko sei vertretbar, weil mit dem Erwerb eine jahrelange Hängepartie verhindert worden sei.

Die Verhandlungen mit Clariant, das ursprünglich über ein offenes Bieterverfahren einen möglichst hohen Erlös erzielen wollte, waren konkreter geworden, nachdem die Stadtverordneten 2017 für den Fall eines Scheiterns der Gespräche eine städtebauliche Entwicklungsmaßnahme beschlossen hatten. Die Firma wäre zwar nicht enteignet worden, aber sie hätte das Grundstück an die Stadt zu einem von einem unabhängigen Gutachter ermittelten Preis verkaufen müssen.

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