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Volle Busse gibt es in Offenbach trotz Verbesserungen beim Takt viele.  

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Offenbach: E-Busse kommen, aber Fahrplan verschlechtert sich

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Die Stadt Offenbach wird wegen Kostensteigerungen wohl weniger Busse fahren lassen, hält aber am Ausbau der E-Mobilität fest. Auch, um Dieselfahrverbote zu verhindern.

Ein Jahr nach der groß angelegten Ausweitung des Offenbacher Busverkehrs samt 7,5-Minuten-Takt zu den Hauptverkehrszeiten diskutiert die Koalition aus CDU, Grünen, FDP und Freien Wählern nun darüber, wie der ÖPNV wieder zusammengeschrumpft werden kann. Denn die Offenbacher Busbetriebe haben mit Kostensteigerungen zu kämpfen – und die Koalition ist nicht gewillt, die wachsenden Fehlbeträge komplett mit Haushaltsmitteln auszugleichen. Während das Minus der Verkehrsbetriebe 2019 bei zehn Milionen Euro liegt – davon stemmen die Stadtwerke acht und die Stadt zwei Millionen – steigt das Defizit bis 2023 vermutlich auf über 15 Millionen Euro.

„Der städtische Anteil muss erhöht werden, aber ohne Einsparungen im ÖPNV wird das nicht gehen“, fasste Mobilitätsdezernentin Sabine Groß (Grüne) am Mittwoch bei einem kurzfristig anberaumten Pressetermin den Stand der Dinge zusammen. Nun gehe es in den koalitionsinternen Diskussionen darum, wo gespart werden könne: Also zum Beispiel auf welchen Linien der Takt ausgedünnt werden kann. „Das muss man sich ohne Scheuklappen angucken“, sagt Verkehrs- und Planungsdezernent Paul Gerhard Weiß (FDP).

58.267 Autos waren im Frühjahr in Offenbach angemeldet, das sind 9252 mehr als vor zehn Jahren – ein satter Zuwachs um 19 Prozent. 2009 waren 49.015 Autos in Offenbach angemeldet.

10,6 Millionen Fahrgäste wurden 2018 in Offenbachs Bussen gezählt. 2019 sollen es rund 10,8 Millionen werden.

Vielen Menschen pendeln von und nach Offenbach: In die Stadt fahren regelmäßig 32.810 Menschen – aus der Stadt hinaus pendeln 38.077.

In den letzten Wochen gab es inner und außerhalb der Koalition Kritik an den Kostensteigerungen im Busbereich – vereinzelt wurden auch Rufe nach einem Ende der teuren Elektrifizierungspläne laut: Bis 2023 sollen in Offenbach von 87 Bussen 36 elektrisch betrieben werden. Dafür sind Umbauten am Betriebshof notwendig, zudem werden zwei Ladestationen errichtet, wo Busse zwischendurch aufladen können. Sieben E-Busse, die ausgeschrieben sind, sollen im Herbst 2020 fahren.

Die erhöhten Kosten ergeben sich zum einen aus Steigerungen bei Bau- und Anschaffungskosten. Ein großer Teil entfällt auf den Mehrbedarf beim Personal wegen der Taktverdichtung 2018. Statt wie geplant 50 zusätzlichen Fahrerinnen und Fahrern mussten 63 eingestellt werden – plus Schulungen für ausländische Fachkräfte. So entstanden Mehrkosten von 2,5 Millionen Euro. Um solche Fehlkalkulationen künftig zu vermeiden, haben die Offenbacher Verkehrs-Betriebe (OVB) mit Heiko Linne nun einen kaufmännischen Geschäftsführer, der die Gesellschaft auf Spur halten soll.

Gleichzeitig sind enorme Investitionen in die E-Mobilität geplant: 43 Millionen Euro kostet der Ausbau bis 2024. Nach Abzug von Bundes- und Landesförderungen und den Geldern für nicht benötigte Dieselbusse bleibt ein Betrag von 17,8 Millionen Euro, den die Busbetriebe für die Umstellung ausgeben. Eine komplette Elektrifizierung der Busflotte ist zwar vorerst vom Tisch – an der geplanten Anschaffung der 36 E-Bussen will der Magistrat aber nicht rütteln. Auch, weil man sonst Fahrverbote für Diesel riskiere, wie Paul-Gerhard Weiß, der auch Umweltdezernent ist, klarmacht. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) klagt auch im Fall Offenbachs, wo an einigen Straßen die Grenzwerte des giftigen Gases Stickstioffdioxid überschritten werden, gegen das Land Hessen. Die Verhandlung ist für Anfang 2020 angesetzt. Mit Blick auf die Pläne Wiesbadens, wo bis 2022 alle Busse elektrisch fahren sollen, sagt Weiß: „Dort war der Umstieg auf E-Mobilität ein wichtiger Grund, dass das Verfahren fallen gelassen wurde.“

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