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Freiwillige Polizisten laufen Streife. 

Offenbach

Offenbach: Bürger gehen seitgestern auf Streife

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Freiwillige Polizeihelfer sollen für Sicherheit und Ordnung sorgen. Die Wiedereinführung des Dienstes war umstritten gewesen.

Eine Uniform schafft Respekt“, ist Offenbachs Ordnungsdezernent Peter Freier (CDU) überzeugt. Der Stadtrat hatte sich deshalb schon kurz nach Bildung der neuen Koalition mit Grünen, FDP und Freien Wählern für die Wiedereinführung des „Freiwilligen Polizeidienstes“ eingesetzt. Mit Erfolg. Seit gestern laufen die ersten vier von künftig 20 Polizeihelferinnen und -helfern Streife. Ihr erster Einsatzort war der Weihnachtsmarkt in der Innenstadt.

In Offenbach sind zunächst vier uniformierte Freiwillige unterwegs, drei weitere verteilen sich auf die Städte Rodgau, Rödermark und Obertshausen. Unter dem Motto „Präsenz zeigen, beobachten, melden“ sollen die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer zusätzlich zu den Polizeibeamten für Sicherheit und Ordnung sorgen und Ansprechpartner für die Bürger sein.

Marko Marosevic gehört zu den Freiwilligen, die gestern in Anwesenheit von Stefan Heck, Staatssekretär im hessischen Innenministerium, und Roland Ullmann, Präsident des Polizeipräsidiums Südosthessen, ihre Dienstausweise und Ausbildungsurkunden erhielten. Der 21-Jährige war im Internet zufällig auf die Anzeige gestoßen, mit der Frauen und Männer für den Job eines Hilfspolizisten gesucht wurden.

Der gelernte Pfleger erhofft sich von seiner ehrenamtlichen Tätigkeit einen Einblick in die Polizeiarbeit. „Denn ich wollte schon immer zur Polizei.“ Doch bisher habe das nicht geklappt. Auch Dimitar Kasim möchte Erfahrungen sammeln und später ebenfalls gerne Polizist werden. Der 21-Jährige, der am Flughafen arbeitet, engagiert sich bereits ehrenamtlich in einem bulgarischen Verein in Offenbach und bei der Volkshochschule als Dolmetscher.

Aufgaben und Ziele
Die uniformierten Polizeihelfer dürfen Personalausweise kontrollieren, Gegenstände sicherstellen, Platzverweise erteilen oder personenbezogene Daten erheben. Sie dürfen aber keinen „unmittelbaren Zwang“ etwa durch körperliche Gewalt anwenden. Waffen, Schlagstöcke und Elektroschocker sind für sie tabu. Der Einsatz von Pfefferspray ist aber zum Selbstschutz in Notsituationen erlaubt.

In Hessen gibt es rund 380 Polizeihelfer in 91 Kommunen, in Südosthessen sind es nun 76 in 14 von 42 Gemeinden.

In Offenbach sollen sie die Polizei bei Veranstaltungen wie Stadtläufen, Märkten und Faschingsumzügen unterstützen. Haupteinsatzgebiete sind Lauterborn, das Mathilden- und Hafenviertel, das Nordend und das Senefelder-Quartier sowie Spielplätze und Parks.

Geplant sind Doppelstreifen werktags für mindestens zwei Stunden in den fünf Quartieren. Da ein Helfer maximal 20 Stunden im Monat tätig sein darf, soll die Zahl der Polizeihelfer auf bis zu 20 erhöht werden.

Freier erinnerte daran, dass die Wiedereinführung der freiwilligen Polizeihelfer in Offenbach politisch umstritten gewesen war. Dabei hatte die Stadt im Jahr 2000 zu den vier Modellkommunen in Hessen gehört, in denen ein solcher Dienst eingerichtet worden war. Doch Ende 2004 beendete die damalige Koalition (mit SPD, aber ohne CDU) die Zusammenarbeit mit dem Land.

Grundlage für den erneuten Einsatz ist ein Stadtverordnetenschluss vom November 2017, dem das neue Bündnis die Mehrheit verschaffte. Die Grünen hatten dem Antrag zugestimmt, obwohl er in der Fraktion nach eigenen Angaben nicht „auf ungetrübte Begeisterung gestoßen“ war. Die SPD hatte den freiwilligen Polizeidienst kritisiert, weil der Eindruck von Sicherheit nur trügerisch sei. Verbesserungen seien nur durch mehr echte Polizisten zu erreichen.

Die Offenbacher Landtagsabgeordnete der Linken, Saadet Sönmez, hatte ähnlich argumentiert. Wo Polizei draufstehe, müsse auch Polizei drin sein. Um das Sicherheitsgefühl der Menschen zu stärken, bedürfe es einer gut ausgebildeten Landes- und Stadtpolizei. Die Polizeigewerkschaft hatte aus diesen Gründen den Dienst ebenfalls abgelehnt.

Sogar der Offenbacher Feuerwehrverband hatte sich zu Wort gemeldet. Er hatte allerdings nichts gegen die Helfer, sondern gegen die Bezeichnung „Freiwilliger“ Polizeidienst. Dies sei falsch, weil die Helfer eine Aufwandsentschädigung von sieben Euro je Stunde erhielten. Dagegen handele es sich bei der Freiwilligen Feuerwehr tatsächlich um ein Ehrenamt ohne jede Vergütung.

Freier nannte den Freiwilligen Polizeidienst einen wichtigen Baustein für Sicherheit und Ordnung im öffentlichen Raum. Doch dabei soll es nicht bleiben. Nach seinen Angaben wird auch die Stadtpolizei personell verstärkt werden. Spätestens im Juli 2020 werde sie an sieben Tagen rund um die Uhr im Einsatz sein. Bisher ist sie täglich außer Sonntag von 6 bis 1 Uhr im Dienst.

Für den Polizeidienst hatten sich 16 Personen beworben. Die sieben, die die Ausbildung absolviert haben, sind nach Angaben des Ministeriums zwischen 21 und 35 Jahre alt.

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