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Eine Stadtbibliothek mitten in der Offenbacher City könnte laut OB zur „dringend benötigten Aufwertung der Innenstadt“ beitragen. 

Offenbach

Offenbach: Bibliothek als Frequenzbringer für die Innenstadt

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Die Stadtbibliothek soll verlegt werden, um die Innenstadt zu beleben. Der Oberbürgermeister verweist auf das Beispiel Hanau und ist für den Umzug.

Wie kann die Offenbacher Innenstadt vor dem Niedergang gerettet und attraktiver werden? So lautet zugespitzt die Frage, die Politiker, Geschäftsleute, Bürger und seit 2018 auch die Planer des Hamburger Büros Urbanista beschäftigt. Das von ihnen entwickelte Zukunftskonzept soll demnächst vorgestellt werden. Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) hat sich aber schon jetzt positioniert.

Vor Kulturschaffenden sagte er jüngst, er befürworte einen Umzug der Stadtbibliothek ins Zentrum als Beitrag zur „dringend benötigten Aufwertung der Innenstadt“, wenn er finanziell darstellbar sei. Diese Idee stehe übrigens auch im Konzept der Urbanista-Fachleute, sagte er.

Eine Verlegung ist nach seinen Worten aber auch eine Chance für die Bibliothek, die derzeit beengt in einem Flügel des Büsingpalais untergebracht ist. Sie entspreche nicht mehr den heutigen Anforderungen. Bei der Bibliotheksleiterin Nicole Köster rennt der OB mit seinem Vorstoß offene Türen ein. Sie sieht einen Umzug positiv. Die Publikumsfläche sei mit 1100 Quadratmeter viel zu klein; es würden 4500 benötigt, so Köster.

Als Vorbild sieht Schwenke den Stadtumbau in Hanau mit dem 2015 eröffneten, von einem Investor für 160 Millionen Euro gebauten Einkaufs- und Kulturzentrum, das zum Herzen der Stadt werden sollte. „Ohne wirklich viel Geld wird es auch bei uns nicht gehen“, sagte er.

Schwenke zufolge braucht es zur Belebung des Zentrums etwas „Großes. Wir retten die Innenstadt nicht nur mit Festen. Wir brauchen mehr.“ Und das soll die Stadtbibliothek leisten, weil sie laut OB ein „enormer Frequenzbringer“ wäre.

vorbild hanau

Die Stadtbibliothekist 2015 von der Altstadt ins neue Forum Hanau gezogen, einem Einkaufs- und Kulturzentrum. Auf einer 6300 Quadratmeter großen Fläche sind dort auch Stadtarchiv, Medienzentrum, Geschichtsverein und Wetterauische Gesellschaft untergebracht. Die Stadt zahlt dem Eigentümer der Immobilie eine Jahreskaltmiete von 1,5 Millionen Euro, der Vertrag hat eine Laufzeit von 30 Jahren.

Die Besuchszahlender Bibliothek haben sich am neuen Standort verdreifacht, die Nutzerschaft hat sich drastisch verjüngt. 2019: 440 000 Besucher (täglich 1200 bis 1400), Veranstaltungen: 436. Die Publikumsfläche beträgt 4200 Quadratmeter (früher: 1300). Es stehen insgesamt 344 000 Medien (Print und online) zur Verfügung.

Das Kulturforummit Veranstaltungsraum und Lesecafé hat sich als Begegnungs- und Lernort für Schüler, Studierende und Erwachsene etabliert. In der Bibliothek gibt es 150 Lernplätze plus 16 PCs und kostenloses WLAN. ags

Die Bibliothek ist zwar Teil der City, aber von ihr durch die vielbefahrene Berliner Straße getrennt. Als neuer Standort „in der engeren Innenstadt“ schwebt dem Oberbürgermeister das Areal zwischen Marktplatz, Kaiserstraße, Aliceplatz und Stadthof mit der Einkaufsmeile Frankfurter Straße vor.

Was würde nach einer Verlagerung aus dem sogenannten Kulturkarree werden, wo sich heute die Bibliothek, Museen und die Hochschule für Gestaltung befinden? Bedenken wegen des Umzugs könne man nicht „weglächeln“, räumte Schwenke ein. Er meinte aber auch, die Situation dort sei heute schon schwierig, auch weil die Bibliothek an dem Standort keine Zukunft habe.

Köster teilt die Bedenken. Das Gebäude stehe unter Denkmalschutz, eine Erweiterung dort sei kaum möglich. Schwenke betonte, er wolle sich dafür einsetzen, dass der Bücherturm als Ort der Kultur im Büsingpalais erhalten bleibe. Die übrigen Räume müssten bei einem Umzug aber „wirtschaftlich optimal genutzt“ werden. Gemeint ist damit eine Vermietung.

CDU-Fraktionschef Roland Walter äußerte sich auf FR-Anfrage zurückhaltend zu dem OB-Vorstoß: „Wir alle wollen eine Aufwertung der Innenstadt. Aber wir wollen das möglichst mit einer Stimme machen, sonst bringt es nichts.“ Nach seinen Worten hat sich die Koalition noch nicht abschließend über das dem Magistrat vor zwei Wochen vorgelegte Zukunftskonzept verständigt.

Walter hält den Zeitpunkt von Schwenkes Äußerungen für „etwas unglücklich“. Es gehe schließlich um ein Gesamtkonzept; ein Umzug der Bibliothek wäre deshalb nur einer von mehreren möglichen „Bausteinen“. Erst müsse man sich auf die Ziele einigen, erst danach könne man sich positionieren.

Er gab zu bedenken, dass das Zukunftskonzept nicht das Kulturkarree umfasse. „Aber jetzt will man sich dort bedienen, um ein Problem in der Innenstadt zu lösen.“ Die Folgen eines Umzugs müssten bedacht werden. Er sei dafür, eine Modernisierung der Bibliothek am Standort zu prüfen.

In Hanau gehen die Meinungen darüber auseinander, was die Konzentration von Shoppingcenter und Kultur in einem Neubau gebracht hat. Unbestritten ist, dass die Bibliothek und die anderen Kultureinrichtungen von der zentralen Lage mit Laufkundschaft und attraktiven Räumen profitieren. Aber der Leerstand in der City ist nicht deutlich kleiner geworden, vor allem hochwertige Läden fehlen. Ein Teil der Hanauer Einzelhändler sieht das Forum kritisch. Vor allem Geschäftsleute, deren Läden weiter entfernt liegen, klagen, die Kundenströme hätten enorm nachgelassen. Die Stadt spricht von einem Erfolg. Ohne das Forum sähe es deutlich schlechter aus. Es habe dazu beigetragen, den Abwärtstrend zu stoppen. 

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