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Noch eine große Brache – bald schon Baugebiet des Gustavshofs.  

Offenbach

Offenbach baut beim Wohnen aufs Land

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Die Nassauische Heimstätte errichtet in der Stadt über 900 Wohnungen - die landesweit angestrebte Förderquote von 30 Prozent wird in Offenbach aber nicht erreicht.

Eine der letzten großen Industriebrachen nahe der Offenbacher Innenstadt wird nun bebaut: Das ehemalige Parkplatzgelände des Druckmaschinenherstellers MAN Roland im Senefelderquartier. Die Nassauische Heimstätte (NH) errichtet auf dem sich fast über einen ganzen Straßenblock erstreckenden Hinterhof in sechs Gebäuden 70 Wohnungen. Dazu entstehen Gärten, 48 Parkplätze, ein Spielplatz und eine Boulebahn. Baubeginn für den vom Büro Ffm-Architekten entworfenen und nach der angrenzenden Straße benannten „Gustavshof“ ist im September, Fertigstellung ist Ende 2021 geplant.

Keine andere Baugesellschaft errichtet in Offenbach derzeit so viele Wohnungen wie die zum Land gehörende NH: In Bau und geplant sind, auf vier Projekte verteilt, 902 Wohnungen, der Großteil davon Mietwohnungen. Beim größten Projekt – dem Goethequartier an der Berliner Straße – wurde diese Woche Richtfest gefeiert. Dort entstehen auch eine Kita und ein Supermarkt. In Bezug auf die Bevölkerungsanzahl sei die NH beim Neubau von Wohnungen in Offenbach wohl der größte Player, lobte Hessens Wohnungsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) dieser Tage die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft.

Der GBO-Neubau in der Geleitsstraße.

Und es ist auch die NH, die im schnell wachsenden Offenbach, wo auch die Mieten schnell steigen, dringend benötigten günstigen Wohnraum schafft. Wobei freilich Auslegungssache ist, was günstig ist: Im Goethequartier etwa sollen die Mieten der geförderten Wohnungen, die rund 25 Prozent des Gesamtprojekts ausmachen, bei etwa 8,50 Euro liegen, die der restlichen Mietwohnungen bei 12 bis 13 Euro. Und im Gustavshof entstehen nur acht geförderte Wohnungen – das ist eine Quote von elf Prozent.

Doch weder Offenbachs Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) noch Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) wollen die Baugesellschaft des Landes dafür kritisieren, dass sie die landesweit angestrebte Quote von 30 Prozent geförderten Wohnraums in Offenbach unterschreitet – auch wenn dort der Bedarf nach günstigen Mietwohnungen besonders hoch ist, wie der gerade vorgelegte städtische Sozialbericht wieder einmal gezeigt hat (die FR berichtete). „Da die NH Mietwohnungen baut und ihre Mietpreise sich in Grenzen halten, entlastet sie auch mit den nicht geförderten Wohnungen unseren Wohnungsmarkt“, sagt Dezernent Weiß. Ähnlich äußert sich OB Schwenke.

GBO erhöht die Mieten

Das Land, zu dem die NH gehört, greift auch der städtischen Wohnungsbaugesellschaft GBO unter die Arme. Denn die kann wegen der schlechten Finanzlage der Stadt nur in sehr geringem Umfang neue Wohnungen bauen. Die 32 geförderten Wohnungen, die derzeit als Teil des Bauprojekts Kappus-Höfe an der Geleitsstraße in der Innenstadt entstehen, werden vom Land mit einem zinslosen Darlehen im Umfang von 4,5 Millionen Euro unterstützt. Die GBO will dafür Mieten von 7,50 Euro pro Quadratmeter anbieten – zumindest einige Jahre lang, wie es heißt.

Generell steigen die Mieten bei der GBO. Bei Neuvermietungen passt die Gesellschaft die Mieten zum Beispiel an den (steigenden) Mietspiegel der Stadt an. „Die Neuvermietungen tragen zur Steigerung der Umsatzerlöse bei“, heißt es dazu im aktuellen Beteiligungsbericht der Stadt. Das Geld wird unter anderem in Sanierungen und Neubau investiert. 2019 baut die GBO zusätzlich zu dem Ankauf auf dem Kappus-Areal allerdings nur 19 weitere Wohnungen – frei finanziert und nicht gefördert, heißt es auf Nachfrage.

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