Die Fällarbeiten kündigen sich an: Markierungen an einem erkrankten Offenbacher Ahorn.  
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Die Fällarbeiten kündigen sich an: Markierungen an einem erkrankten Offenbacher Ahorn.  

Offenbach

Offenbach: Baumsterben im Rumpenheimer Schlosspark geht weiter

  • Fabian Scheuermann
    vonFabian Scheuermann
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Von Hitze und Trockenheit gebeutelte Bäume im Rumpenheimer Schlosspark in Offenbach werden gefällt. Schon im vergangenen Jahr mussten 400 Bäume weichen. Die Stadt will deshalb ein Wasserleitungsnetz installieren.

Leuchtend gelbe und pinkfarbene Markierungen weisen im Rumpenheimer Schlosspark jene Bäume aus, die dieser Tage von einer Baumpflegefirma zu Boden gebracht werden. 46 Bäume sind laut Stadt Offenbach in der denkmalgeschützten Parkanlage nahe des Mains zur Fällung vorgesehen – die meisten, weil sie von der Rußrindenkrankheit befallen sind. Betroffen sind vor allem Bäume, die durch die heißen und trockenen Sommer der letzten Jahre geschwächt sind. Fast hundert weitere Bäume müssen beschnitten werden, damit keine abgestorbenen Äste herunterkrachen.

Wie in vielen anderen Parks und Wäldern der Region macht sich der Klimawandel auch im Rumpenheimer Schlosspark bemerkbar. Wieder einmal: Denn von den rund 1500 Bäumen, die dort 2018 noch standen, mussten 2019 ebenfalls wegen der Rußrindenkrankheit rund 400 Bäume – also fast ein Drittel des Parkbestands – gefällt werden.

Die Rußrindenkrankheit

Ein Pilz verursacht die Rußrindenkrankheit, die der Pflanzenschutzdienst Hessen bei Bäumen im Rumpenheimer Schlosspark diagnostiziert hat. Bei den befallenen Bäumen welken die Blätter und sterben Äste ab. Der Pilz infiziert Bäume, die durch Wassermangel und große Hitze geschwächt sind.

Die Sporen können zu schweren Atemwegsreaktionen führen. Deshalb musste der Park im letzten Jahr teilweise abgesperrt werden, weil viele Baumpflegeunternehmen ausgelastet waren und die kranken Bäume nicht sofort gefällt werden konnten. fab

Dass nach den großen Fällaktionen von 2019 nun schon wieder Bäume fallen, sei „sehr außergewöhnlich“, sagt Johannes Irgel, der beim Stadtservice die Abteilung Grünwesen leitet. Er sagt auch: „Es wird langsam dramatisch“. Die schon erarbeiteten Sanierungspläne für den Park müssten nun aktualisiert werden.

Damit die Anlage nicht noch mehr Bäume verliert, will die Stadt für rund 150 000 Euro eine Bewässerungsleitung durch den Park legen. So soll vor allem sichergestellt werden, dass neue Bäume – 120 Neupflanzungen sind für Herbst geplant – genug Wasser bekommen und sie somit widerstandsfähiger gegenüber Krankheiten sind. Derzeit laufen noch Abstimmungen mit dem Zweckverband Wasserversorgung Stadt und Kreis Offenbach. Die Bewässerungsleitung ist Teil eines Sanierungskonzeptes, das auch neue Parkwege vorsieht.

Klar ist, dass sich die Zusammensetzung der Baumarten im Schlosspark – wie auch in anderen Grünanlagen der Region – verändern wird. „Wir werden definitiv keinen Bergahorn mehr in den Park setzen“, sagt Johannes Irgel. Zu anfällig sei der Baum für die Rußrindenkrankheit. Andere Ahornarten seien resistenter. Und es werden wohl auch Baumsorten gepflanzt, die man bislang eher aus südlicheren Gefilden kannte. Zum Beispiel der Tulpenbaum, der zwar in Baden schon vor Jahrzehnten gepflanzt wurde, aber eigentlich im Osten und Südosten der Vereinigten Staaten beheimatet ist. Der Baum komme für den Schlosspark laut Irgel aber nicht nur wegen dessen Hitzeverträglichkeit infrage, sondern auch, weil er prächtig aussehe. „Es ist ja ein Park. Und da wollen wir natürlich auch Arten pflanzen, die einen optischen Mehrwert haben“, sagt er. Das gehe auch in Zeiten des Klimawandels – aber mit anderen Bäumen als bisher.

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