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Auf der Mathildenschule wird seit 2009 Strom erzeugt.

Offenbach

Offenbach: Ausbau der Solarenergie stockt

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Trotz einem Energiewende-Beschluss der Offenbacher Stadtverordneten errichtet die Kommune seit Jahren kaum noch neue Fotovoltaikanlagen.

Rund 2000 Quadratmeter groß wird das Flachdach auf dem geplanten Neubau der Offenbacher Geschwister-Scholl-Schule – eine Fläche wie gemacht für eine Photovoltaikanlage. Doch Solarstrom wird auf dem neuen Dach auf absehbare Zeit nicht produziert: Trotz eines Grundsatzbeschlusses der Stadtverordneten von 2007, „alle geeigneten Dachflächen städtischer Liegenschaften“ mit Photovoltaikanlagen auszustatten. Damals hieß es, dass der Ausbau wegen der Einspeisevergütung und guter Angebotslage zu „keinen Belastungen für den städtischen Haushalt“ führe. Heute heißt es bei der Stadtplanung, der Ausbau sei „ein zusätzliches Invest“ – und es sei derzeit schwierig, externe Betreiber für die Anlagen zu finden.

Seit der Ausstattung des Stadions am Bieberer Berg mit Solarmodulen 2012 wurden laut Auskunft der Stadt nur auf einem einzigen öffentlichen Gebäude weitere Solarpaneele verlegt, und zwar 2019 auf dem städtischen Altenheim. Betrieben wird die Anlage, die mindestens 20 Prozent des Strombedarfs der Einrichtung decken soll, von der Energieversorgung Offenbach (EVO): Deren zweitgrößter Anteilseigner sind mit rund 48 Prozent die Offenbacher Stadtwerke. Warum die EVO nicht auch auf neuen Schuldächern Solaranlagen betreiben kann, ließ sich bis Redaktionsschluss nicht klären. Insgesamt befinden sich derzeit in Offenbach auf 14 städtischen Gebäuden 19 Photovoltaikanlagen, die nach Auskunft der Stadt rund 14 300 Euro im Jahr erwirtschaften.

Sonniges Offenbach

1903 Stundenschien in Offenbach laut Stadt im vorigen Jahr die Sonne – das ist deutlich mehr als im Durchschnitt der vergangenen Jahrzehnte.

Nur im Jahr 2018schien die Sonne über Offenbach noch häufiger – und zwar 2133 Stunden.

Eine Auflistungder Stadtverordnetenbeschlüsse zum Thema Klimaschutz findet sich hier: bit.ly/37AWX97

Bei den Offenbacher Stadtwerken und deren Tochtergesellschaften sind nach Auskunft einer Sprecherin derzeit sechs Dächer mit Photovoltaikanlagen bestückt – darunter das Ledermuseum, zwei Wohngebäude der Gemeinnützigen Baugesellschaft Offenbach (GBO) sowie das Busdepot in der Hebestraße. Alle diese Anlagen sind vor 2010 entstanden. Danach habe sich der Ausbau der Solarenergie verteuert, heißt es zur Begründung der Ausbaupause bei den Stadtwerken – die Module für Solaranlagen werden zwar immer günstiger, doch der im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) garantierte Abnahmepreis für Solarstrom ist in den vergangenen Jahren immer weiter gesunken.

Die Stadt begründet den Nahezustillstand beim kommunalen Ausbau der Solarenergie aber vor allem damit, dass nach 2010 „zunächst keine größeren, neuen oder sanierten Dächer zur Verfügung standen“. Allerdings wurden auch neue Schulgebäude wie die Hafenschule oder die neue Sporthalle in Bieber-Waldhof ohne Solarkraftwerk auf dem Dach errichtet.

Auch auf dem Busdepot an der Hebestraße liegen seit 2009 Solarplatten. 

Die Pressestelle der Stadt betont auf Nachfrage, dass man bei Neubauten darauf achte, dass Statik und technische Vorrichtungen auf den Dächern so angelegt seien, dass man dort in Zukunft durchaus einmal Solarmodule installieren könne. „Wenn die Geschwister-Scholl-Schule fertig ist, wird versucht, einen Anbieter für die Solaranlage zu finden“, sagte eine Sprecherin der Stadt der FR.

Vielleicht kommt dann ja auch die EVO zum Zug: Das Offenbacher Unternehmen setzt in den vergangenen Jahren verstärkt auf erneuerbare Energien, die mittlerweile über 55 Prozent des selbst erzeugten Stroms ausmachen. Unter anderem hat die EVO bei Schlüchtern und Gelnhausen große Solaranlagen auf Deponien errichtet. In Offenbach betreibt die EVO aber auch noch ein mit Kohle betriebenes Heizkraftwerk.

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