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Hier hängen immer ordentlich Abgase in der Luft: Offenbachs Busknotenpunkt am Marktplatz.  

Offenbach

Offenbach: Ausbau der E-Mobilität steht zur Diskussion

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Kostensteigerungen lösen in Offenbach eine Debatte über die Elektrifizierung der städtischen Busflotte aus. Dezernentin Groß äußert sich diese Woche nicht zu den Vorgängen.

Siebenundachtzig städtische Busse rollen derzeit durch Offenbach – allesamt Dieselbusse, die dazu beitragen, dass die Grenzwerte des giftigen Gases Stickstoffdioxid an mehreren Messstationen im Stadtgebiet regelmäßig überschritten werden. Die Stadt hat sich deshalb vor einigen Jahren das Ziel gesetzt, den Busverkehr nach und nach zu elektrifizieren und hat 2018 einen Ausbau-Zeitplan vorgelegt, der die E-Bus-Ambitionen vieler vergleichbarer Kommunen in den Schatten stellte: Bis 2023 sollen über 40 Prozent der Busflotte der Offenbacher Verkehrs-Betriebe (OVB) elektrisch angetrieben werden. Doch der Plan einer sauberen E-Bus-Zukunft für Offenbach gerät gerade ins Wanken: Nach dem Bekanntwerden von Kostensteigerungen wird über den Ausbau wieder öffentlich diskutiert.

„Man muss feststellen, dass sich die Menschen unserer Stadt bei diesem Thema nicht abgeholt fühlen“, findet zum Beispiel Dennis Lehmann von den Freien Wählern. Er sagt auch: „Die Beteiligten müssen sich die Frage stellen, ob Offenbach sich das (den Ausbau, Anm. d. Red.) überhaupt leisten kann.“ Lehmann hat diese Aussagen zwar im Rahmen seiner Tätigkeit für den Verein der Freien Wähler und nicht als Stadtverordneter getroffen. Die Freien Wähler sind in Offenbach aber auch Koalitionspartner von CDU, Grünen und FDP – und haben somit bei der Zukunft der OVB ein Wörtchen mitzureden.

Ursprünglich sollte die Elektrifizierung der Offenbacher Busflotte in der ersten Ausbaustufe Mehrkosten in Höhe von 16,5 Millionen Euro im Vergleich zur Anschaffung neuer Dieselfahrzeuge verursachen – wobei ein Teil davon mit Landes- und Bundesmitteln finanziert wird. Nach einer Ausweitung des Ausbauziels und Kostensteigerungen ist nun von 40 Millionen Euro die Rede. Alleine die Ausrüstung des Busbetriebshofs in der Hebestraße mit zusätzlicher Ladeinfrastruktur und Stromleitungen schlägt laut OVB mit elf Millionen Euro zu Buche.

Die oppositionelle SPD fragt nun öffentlich, ob der Umstieg auf alternative Antriebsstoffe wie Wasserstoff geprüft worden sei und ob der Magistrat überhaupt den Bau eines komplett neuen Betriebshofs für E-Busse in Betracht gezogen habe. Das Problem ist hier: Der Umbau des bestehenden Betriebshofs hat schon vor einigen Wochen begonnen und die Ausschreibungen für die neuen E-Busse laufen schon lange. Wie die Freien Wähler fordert die SPD wegen der besagten Kostensprünge aber vor allem eines: mehr Transparenz: „Wir sind der Meinung, dass die mit der Verkehrswende entstehenden Kosten aufgrund ihrer Höhe unbedingt im Parlament und nicht nur in den Aufsichtsräten der zuständigen Gesellschaften diskutiert werden müssen“, kritisiert der Fraktionsvorsitzende der Sozialdemokraten, Martin Wilhelm.

Offenbachs Mobilitätsdezernentin Sabine Groß (Grüne) äußerte sich auf Nachfrage der FR nicht zu dem Thema – sie möchte als Aufsichtsratsvorsitzende der OVB die nächste Sitzung in der kommenden Woche abwarten, bevor sie wieder öffentlich Stellung bezieht. Anscheinend gilt es dort einige Wogen zu glätten.

Die Fraktionsgeschäftsführerin der Offenbacher CDU, Anja Fröhlich, sagt, man befinde sich mit den Dezernenten und Koalitionspartnern in einem „konstruktiven Dialog“ – man wolle die E-Mobilität unterstützen – aber auch den Haushalt schonen. Beide Aspekte „werden in eine Lösung einfließen“, so Fröhlich. Nicht für eine Stellungnahme zu erreichen waren gestern die Fraktionen von Grünen und FDP. Die Offenbacher Linke stellt sich indes voll hinter die bisherigen Pläne der Stadt: Wenn man auf kommunaler Ebene nicht in Klimaschutz investiere, werde sich „die Klimakatastrophe beschleunigen“, sagt der Stadtverordnete Sven Malsy. Und: „Die Energiewende ist nicht gratis zu haben“.

Komplexe Pläne

Der Betriebshof der Offenbacher Verkehrs-Betriebe (OVB) wird derzeit fit gemacht für die ersten E-Busse, die dort ab Spätsommer 2020 nachts geladen werden sollen. 

Sowohl Land als auch Bund fördern den Ausbau. Im Juli hat die OVB vom Bund einen Förderbescheid über acht Millionen Euro für die Anschaffung von E-Bussen bekommen: Damit lassen sich bei 29 E-Bussen 80 Prozent der Mehrkosten im Vergleich zum Erwerb von Dieselbussen finanzieren. 

Kostensteigerungen gegenüber Plan hat es auch bei der OVB-Tochter Main Mobil Offenbach (MMO) gegeben, nachdem die Taktzeiten verkürzt und neue Fahrerinnen und Fahrer eingestellt wurden (die FR berichtete). 

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