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Offenbach: Antisemitismus im Klassenraum

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Mutter will Sohn nach Vorfällen aus dem Offenbacher Gymnasium nehmen. Sie kritisiert, dass Schule und Lehrer nicht auf antisemitische Sprüche reagiert hätten.

Alina R. lebt seit 23 Jahren in Offenbach. Sie ist hier zur Schule gegangen und weiß, dass das Miteinander von 160 Nationen und vielen Religionen nicht immer einfach ist. Doch nach antisemitischen Sprüchen an einem Gymnasium hat die Mutter von fünf Kindern, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, jetzt die Konsequenzen gezogen.

Ihr 16-jähriger Sohn soll die Schule verlassen und wieder eine Privatschule besuchen. In privaten Einrichtungen, so sagt sie, habe es diese Problematik nicht gegeben, obwohl auch dort Schüler aus aller Welt und aller Glaubensrichtungen gewesen seien.

Nach ihren Worten sind im Klassenzimmer Bemerkungen wie „Hier ist es so stickig und warm wie in Auschwitz“ gefallen. Auch „Du Jude“ und schlimmere Ausdrücke würden häufig als Schimpfwort gebraucht. Das gehöre wohl zur Alltagssprache.

Alina R. betont, dass sich die Beleidigungen nicht direkt gegen ihren Sohn gerichtet hätten, weil nicht bekannt gewesen sei, dass er jüdisch ist. Nach einem weiteren Vorfall nach den Herbstferien ermunterte sie ihn, mit dem Klassenlehrer zu reden. Der griff das Thema aber nicht selbst auf, sondern überließ das ihrem Sohn.

Die Mutter kritisiert das. Nach ihren Worten hat der Lehrer eingeräumt, „am Rande“ schon früher antisemitische Sprüche gehört zu haben. Sie meint deshalb, die Schule hätte viel früher darauf reagieren müssen. Alina R. sagt, sie sage immer gleich, dass sie Jüdin ist. Beleidigungen blieben dann aus, „weil die Leute hellhöriger sind und sich überlegen, ob sie ‚Jude‘ als Schimpfwort benutzen“. Sie vermutet, viele Menschen hätten Vorurteile, weil sie keine Juden kennen würden.

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