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Der Marktplatz ist als solcher nicht mehr zu erkennen. Er ist eigentlich eine Straße und ein Verkehrsknoten mit Bushaltestellen und S-Bahn-Station.

Offenbach

Neuer Anlauf für Marktplatzumbau in Offenbachs Mitte

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Anderthalb Jahren nach dem vorläufigen Aus einigt sich die Koalition auf eine stufenweise Realisierung des Projekts. Am 19. Dezember stimmen die Stadtdverordneten ab.

Im Juni 2018 hatte die Koalition aus CDU, Grünen, FDP und Freien Wählern den lange geplanten Marktplatzumbau wegen drastischer Kostensteigerung gestoppt, mit dem ein hässlicher Schandfleck in der City beseitigt und die Innenstadt attraktiver gestaltet werden sollte. Anderthalb Jahre später unternimmt das Bündnis einen neuen Anlauf, um das Projekt zu retten.

Es handelt sich allerdings um eine abgespeckte Version der ursprünglichen Pläne und nicht mehr um den einstigen großen Wurf. Am 19. Dezember sollen die Stadtverordneten über die kleine Umbauvariante entscheiden. Eine Mehrheit für den Antrag ist sicher, da sich die Koalition laut einer Mitteilung „nach intensiven Beratungen mit den Fachabteilungen“ auf einen stufenweisen Umbau des Marktplatzes geeinigt hat. Dieser ist eigentlich ein Verkehrsknoten und eine vielbefahrene Straße aus Zeiten, als die autogerechte Stadt noch Leitbild war. Der Magistrat hat der neuen Planung zugestimmt.

Das vorläufige Aus für das nach Angaben der Stadt „wichtigste Infrastrukturprojekt zur Aufwertung der Offenbacher Innenstadt“ war vor anderthalb Jahren nicht nur der Kostenexplosion geschuldet, sondern auch dem Umstand, dass bei höheren Baukosten die Anliegerbeiträge nach Angaben der Stadt von 1,4 Millionen Euro auf 3,1 Millionen Euro gestiegen wären. Bei 34 Anliegern hätte das zu einer Durchschnittsbelastung von fast 100 000 Euro je Anwohner geführt.

La ut Beschussvorlage fallen 1,3 Millionen Euro Anliegerbeiträge an. Möglicherweise müssen diese Summe aber weniger Bürger stemmen, da das Projektgebiet verkleinert wurde.

Das Projekt Die ersten Plänefür den Marktplatzumbau stammen noch aus der Zeit von Ex-OB Horst Schneider (SPD). Er wollte die Bushaltestelle verlegen und Autos verbannen, um die Aufenthaltsqualität des wenig einladenden Platzes zu erhöhen und die trennende Wirkung zwischen Fußgängerzone und Wilhelmsplatz zu beseitigen. Nach der Kommunalwahl 2016 und der neuen Koalition aus CDU, Grünen, FDP und Freien Wählern gab es dafür keine Mehrheit mehr.

Der Projektbeschlussstammt von November 2017, im Juli 2018 sollten die Bagger anrücken. Doch im Juni kam das vorläufige Aus für den Umbau. Der Grund: Auf die Ausschreibung hatte es nur ein Angebot über 8,5 Millionen Euro gegeben, das 70 Prozent über den veranschlagten Kosten lag. ags

Na ch den vorgelegen Plänen soll zunächst nur der etwa 100 Meter lange Abschnitt zwischen Frankfurter Straße und Bieberer Straße in Angriff genommen werden. Die Bieberer Straße, eine wichtige Verbindung zwischen Fußgängerzone und Wilhelmsplatz, bleibt vorerst außen vor. Ob weitere Abschnitte später realisiert werden, dürfte eine Frage des Geldes sein. Allein die Schulen und der Kaiserleiumbau schlagen in den nächsten Jahren mit 140 Millionen Euro zu Buche.

Di e Kosten für den Marktplatzumbau werden auf „voraussichtlich“ 5,4 Millionen Euro veranschlagt. Ob diese Summe reichen wird, ist offen. „Die weiteren Ausbaustufen werden auch noch zu Kosten führen“, teilte das Bündnis mit. Vom Land werden Zuschüsse in Höhe von 2,2 Millionen Euro erwartet.

Na ch Koalitionsangaben bleiben wesentliche Elemente der Planung mit Aufwertung der Freiflächen und der Modernisierung der Bushaltestellen bestehen. Zwischen Frankfurter und Bieberer Straße ist ein verkehrsberuhigter Geschäftsbereich mit Tempo 20 geplant. Radfahrer dürfen künftig am Marktplatz von Süden nach Norden fahren. In der Bieberer Straße soll Radeln entgegen der Einbahnstraße erlaubt sein.

Es sind zehn Bauphasen vorgesehen und es wird mit einer Bauzeit von rund 22 Monaten gerechnet. Baubeginn könnte im Herbst 2020 sein. Die Bündnispartner sind sich bewusst, dass der Marktplatzumbau Risiken birgt, weil in unmittelbarer Nähe weitere wichtige Großprojekte wie der Umbau des City-Centers mit Abriss der zweiten Ebene oder der Neubaukomplex (früher Toys’R’Us) anstehen. Die Arbeiten für den nördlichen Teil des Marktplatzes sollen deshalb erst später beginnen.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach begrüßte es, „dass die Stadt einen weiteren Anlauf unternimmt, „um diesen zentralen Ort in Offenbachs Mitte attraktiver zu machen“. Dies wird als Bekenntnis der Politik für die Weiterentwicklung der Innenstadt gesehen. Die IHK fordert, den Umbau „kommunikativ“ gut zu begleiten. Dies ist auch geplant. Es soll ein Baustellenmanagement mit festen Ansprechpartnern für Anwohner und Gewerbetreibende geben.

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