Stadtentwicklung

Natur und Wohnen im Einklang

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Die Stadt Offenbach schreibt einen Wettbewerb zur Gestaltung des Baugebiets in Waldhof-West aus.

Offenbach wächst und braucht neue Wohngebiete. Viele Flächen stehen dafür nicht mehr zur Verfügung, zumal längst in der ganzen Region kritische Stimmen laut werden und die Versiegelung von Flächen für neue Wohngebiete beklagen. Mit dem neuen Wohngebiet Waldhof-West möchte die Stadt den Spagat zwischen der Schaffung einer hoher Wohnungsdichte und dem Erhalt der Natur schaffen.

Dafür soll ab dem Sommer ein „freiraumplanerischer und städtebaulicher Ideenwettbewerb“ sorgen: Bis zum Jahresende soll ein Siegerentwurf nicht nur für ein neues Wohngebiet, sondern auch für den Übergang zum Landschaftsschutzgebiet gekürt werden. 205 000 Euro stellt die Stadt dafür zur Verfügung, davon werden 100 000 Euro über eine Förderung des Hessischen Umweltministeriums übernommen.

Das Gebiet zwischen Bieber und Waldhof, im Norden von der B 448 begrenzt, wird in drei Abschnitte gegliedert: Der westliche, größte Teil des Areals bleibt als Landschaftsschutzgebiet unangetastet. Der östliche, an die Goldbergstraße grenzende Teil von knapp zehn Hektar Größe ist vorrangig für Wohnbebauung vorgesehen. Auf der rund 15 Hektar umfassenden Fläche zwischen beiden Gebieten soll der Übergang von Wohnen zur Natur gestaltet werden.

Sah der Masterplan noch eine Bebauung des mittleren wie des östlichen Teils vor, hat sich die Viererkoalition darauf verständigt, nur zehn Hektar zu bebauen. Im restlichen Gebiet haben Natur und Landschaft Vorrang. Es ist davon auszugehen, dass dies in der Stadtverordnetenversammlung Ende Juni bei manchen Fraktionen auf Kritik stoßen wird. „Wir können aber nicht auch noch die letzte Parzelle zubauen, wir brauchen ein ausgewogenes Verhältnis“, sagt Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP).

Entwurf bis Jahresende

Dass man nun bis Jahresende einen Entwurf präsentieren möchte, liege auch an der aktuellen Festschreibung des Regionalflächenplanes, räumt Simon Valerius, Leiter der Stadtplanung, ein. „Der Regionalverband möchte besonders viel Wohnraum ausweisen - deshalb müssen wir jetzt selbst planen, um nichts übergestülpt zu bekommen.“

Dass nur ein Teil der ursprünglich vorgesehenen Fläche für Bebauung vorgesehen ist, wird durch die hohe Wohnungsdichte kompensiert. Hier hält sich die Stadt an die Empfehlung des Landesentwicklungsplans von 60 Wohneinheiten pro Hektar. Das sind deutlich mehr Wohneinheiten als noch bei anderen neuen Wohngebieten in der Stadt oder im Umland: So sind etwa in Rodgau-West 50 Wohnungen pro Hektar geplant und im Neu-Isenburger Birkengewann liegt der Wert gar bei knapp 30.

Der Ideenwettbewerb sieht für Planer eine interessante Möglichkeit vor: Um etwa den Baumbestand im Norden des Wohngebiets zu schützen, können Wohnungen auch im Übergangsgebiet geplant werden. „So können wir bestehende Grünstrukturen erhalten“, sagt Valerius. Allerdings dürfe, egal ob im Wohn- oder Übergangsgebiet, die Baufläche von insgesamt zehn Hektar nicht überschritten werden.

Für die Planer dürfte auch die infrastrukturelle Erschließung des Gebiets eine Herausforderung sein. „Die Anbindung zur S-Bahn ist allerdings sehr gut“, sagt Weiß, nur wenige Gehminuten entfernt liege die Station Bieber.

Eine Herausforderung wird das Gebiet auch für die bisherigen Bewohner von Waldhof: Vor Jahren galten die dortigen Hochhäuser als sozialer Brennpunkt, heute ist das Gebiet eher unauffällig. Dass die Besitzer der Einfamilienhäuser an der Goldbergstraße wenig begeistert sein dürften, wenn ihnen Geschossbauten den Blick in die Natur versperren, hat Weiß schon bei Ortsterminen erfahren. Auch der Plan der Stadt, die Grundstückseigentümer über Wohnwertabschöpfung an den Kosten zu beteiligen, dürfte auch wenig Gegenliebe stoßen. So bleibt für die Stadt noch einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten.

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