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Hausbesitzer im Neubaugebiet An den Eichen, vorne links Sprecher Rafael Sartowski.

EVO

Kritik an „überhöhten Preisen“ für Nahwärme in Offenbach

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Nahwärme aus Pellets ist ökologisch, aber teuer. Hausbesitzer im Offenbacher Baugebiet „An den Eichen“ beklagen ein Monopol der EVO.

Unsere Nahwärme schont das Klima und Ihr Budget“: Mit diesen Worten wirbt die Energieversorgung Offenbach (EVO) für eine umweltfreundliche Wärmeversorgung. Neue Bewohner im Baugebiet An den Eichen empfinden das Versprechen als Hohn. Sie sind geschockt über die Jahresabrechnung für Warmwasser und Heizung, weil sie zwischen 1800 und 8000 Euro zahlen sollen.

Was die Hauseigentümer besonders ärgert: Im übrigen Tarifgebiet sind die EVO-Preise für Nah- und Fernwärme nur halb so hoch. Rafael Sartowski ist Besitzer eines Hauses mit sehr hoher Energieeffizienz von 40 KfW. Für 7800 Kilowattstunden zahlt er rund 1750 Euro brutto. „Für Öko-Erdgas, das laut EVO zu 100 Prozent CO2-neutral ist, müsste ich bei gleichem Verbrauch nur 571 Euro zahlen, für die Komfort-Fernwärme wären es 833 Euro“, sagt er. Dem Versorger wirft er vor, seine Marktmacht rigoros auszunutzen.

„Wir haben unsere Ersparnisse in Niedrigenergiehäuser investiert und haben Energiepreise von unrenovierten Altbauten“, klagt Antonio Rodrigues. Er hat sich gemeinsam mit fast 60 Nachbarn wegen der „überhöhten Preise der EVO“ an den Magistrat gewandt.

Anschlusszwang an das EVO-Wärmenetz

Schuld an den hohen Rechnungen ist nach Ansicht der Hausbesitzer die Monopolstellung der EVO. Für Bauherren im nördlichen Teil des Wohngebiets An den Eichen besteht ein Anschlusszwang an das EVO-Wärmenetz. Sie betreibt dort ein Pellets-Heizkraftwerk mit ölbetriebenem Kessel für Spitzenlasten. Ziel der Stadt war es, dort ein ökologisch hochwertiges Wohngebiet mit KfW-55-Energiestandard zu realisieren.

Die Anwohner betonen, sie hätten bewusst in Niedrigenergiehäuser investiert und so erhöhte Kosten für Dämmung und Bauweise in Kauf genommen. Tatiana Wrona kritisiert, sie könne nicht viel einsparen, weil der Grundpreis extrem hoch sei. Für die 120-Quadratmeter-Doppelhaushälfte zahle sie von knapp 2000 Euro Jahresrechnung fast die Hälfte fix.

Betroffen von den hohen Preisen sind nur die Bewohner des nördlichen Teils des Wohngebiets. Im zuerst entwickelten Bauabschnitt basiert die Wärmeversorgung auf Erdgas. Anlieger des zweiten Abschnitts wollten mit der EVO über einen günstigeren Tarif verhandeln. Das lehnte der Versorger ab. Gemeinsam überlegen die Anwohner deshalb, die Kartellbehörde und die Verbraucherzentrale einzuschalten. „Zur Not müssen wir klagen“, sagt Sartowski.

Nahwärme für 180 Wohneinheiten

EVO-Sprecher Harald Hofmann nennt mehrere Gründe, weshalb der zweite Bauabschnitt Spitzenreiter bei den Energiepreisen ist. Zum einen handle es sich mit 180 Wohneinheiten um ein kleines Areal, die Kosten von 1,3 Millionen Euro für den Aufbau von Netz und Anlage würden auf relativ wenige Verbraucher umgelegt. Für das Gebiet hätten die Stadtverordneten 2015 zudem einen besonders hohen Energieeffizienzfaktor beschlossen. „Und der hat seinen Preis“, sagt er.

Die Rechnung über 8000 Euro, ein „extremer Ausreißer“, sei wohl damit zu erklären, dass es sich um ein sehr großes Haus handle. Zudem erfasse sie 15 statt zwölf Monate. Das-Pellets-Heizkraftwerk ist das erste seiner Art in Offenbach und es wird es wohl auch bleiben. Im Neubaugebiet Bieber-Nord kommt wieder Erdgas zum Einsatz.

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Die Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft OPG hat das Gebiet An den Eichen im Auftrag der Stadt entwickelt. Sie habe die Entscheidung für die Pelletanlage zwar getroffen, sagt OPG-Sprecher Jörg Muthorst. Dies sei nicht nach eigenem Gutdünken geschehen, sondern in Absprache mit Umwelt- sowie Planungsamt und nach einer gutachterlichen Empfehlung.

Hofmann zufolge waren die Nahwärmepreise Teil des Kaufvertrags, den die Bauherren freiwillig unterzeichnet hätten. Sartowski sagt, dies sei falsch. Preise seien im Kaufvertrag mit der Stadt nicht vereinbart worden. Man habe sich aber verpflichten müssen, mit der EVO den Wärmelieferungsvertrag abzuschließen. Der EVO-Sprecher und OPG-Chefin Daniela Matha betonten, aufgrund der klimafreundlichen Wärme aus Pellets wäre die massive Dämmung nicht mehr nötig gewesen, um den KfW-55-Standard einzuhalten. 

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