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Junge Frauen und Männer zwischen 15 und 25 Jahren engagieren sich im Theaterprojekt „Meschugge“, in dem über Antisemitismus, Verschwörungstheorien und Vorurteile gestritten wird. 

Offenbach

Meschugge in Offenbach

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DRK stellt sein Theaterprojekt zu Antisemitismus vor: Es gibt zwar viel Lob, aber die Sorge über zunehmenden Hass und Aggressionen überwiegt.

Vor einer Woche wurde das Theaterprojekt „Meschugge – Der Hass, der uns spaltet, geht uns alle etwas an“ mit dem hessischen Integrationspreis ausgezeichnet. Die Freude darüber war groß beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) Offenbach, das mit jungen Leuten ein Theaterstück gegen Antisemitismus und Rassismus erarbeiten will. Bei der Vorstellung des Projekts am Montagabend war aber weniger Stolz über den mit 8500 Euro dotierten Preis zu spüren, als die Sorge vor der Zunahme des Antisemitismus.

Zu der Veranstaltung waren auch der hessische Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker und Henryk Fridman vom Vorstand der jüdischen Gemeinde Offenbach gekommen. Fridman, Sohn eines Auschwitzüberlebenden, erklärte, inzwischen überlege er, Deutschland zu verlassen. Früher habe es geheißen, Juden müssten keine gepackten Koffer haben. Da sei er sich heute nicht mehr so sicher. Ein wenig hoffnungsvoll stimmte ihn das Theaterprojekt, dessen Titel das jiddische Worte für verrückt (meschugge) ist.

Becker sagte, der Antisemitismus wachse, wie er sich das vor 15 Jahren nicht hätte vorstellen können. „Es gab ihn immer, aber er hatte sich in die Hinterzimmer zurückgezogen.“ Heute äußere er sich aggressiv und laut. Er sprach von „denen da draußen“, die Angst und Hass säten. „Die wollen nicht den ‚Regenbogen‘, sondern einen braunen Einheitsbrei.“

Becker nannte das Projekt „unglaublich wichtig“, weil es auf diese Generation ankomme. Man dürfe nicht weghören, wenn jemand „Du Jude“ als Schimpfwort sage. Er erinnerte an den versuchten Anschlag auf die Synagoge in Halle. Eine Tür habe das größte Blutvergießen an Juden nach 1945 verhindert. „Wir alle sollten eine Tür für die jüdischen Bürger sein“, meinte er. Fridman fragte: „Wieso muss uns eine Tür schützen?“ Auch ein jüdischer Mensch sei nichts anderes als ein Mensch.

Fatmagül Tuncay, die beim DRK auch für das Gewaltpräventionsprojekt „Heroes“ zuständig ist, betonte, man müsse auch über Antisemitismus in der Mitte der Gesellschaft reden. Nach ihren Worten muss Veränderung beim Individuum anfangen. Zum Konzept von „Meschugge“ gehört, dass die jungen Leute ihre Diskriminierungserfahrungen in das Stück einbringen. Antisemitismus wird so zum Thema aus dem realen Leben.

Auslöser für das interaktive Theaterprojekt waren erneute Attacken Jugendlicher auf den Offenbacher Rabbiner Mendel Gurewitz im vergangenen Sommer gewesen. Per Crowdfunding wurden 10 000 Euro gesammelt. Es gibt schon eine Kerngruppe, neue Mitstreiter sind aber willkommen.

Anfang nächsten Jahres sollen Workshops zu jüdischem Leben, Verschwörungstheorien und Antisemitismus in der Popkultur angeboten werden. Erst danach wird das Ensemble gebildet. Am 14. Mai soll die Premiere des Stücks im Titania-Theater in Frankfurt sein. Anschließend folgen Aufführungen in Schulen und Jugendtreffs.

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