+
Das 2. Polizeirevier an der Berliner Straße. 

Offenbach

Das Land will Polizeireviere in der Offenbacher Innenstadt schließen

  • schließen

Die Offenbacher SPD fordert den Erhalt einer vollständigen Wache in der City und mehr Personal. Die Polizei verspricht eine „erhöhte Präsenz“ nach dem Umzug ins neue Polizeipräsidium.

Wenn im Frühjahr nächsten Jahres das für 162 Millionen Euro errichtete neue Polizeipräsidium Südosthessen am Spessartring eröffnet wird, sollen die beiden Innenstadtreviere an der Berliner Straße und der Mathildenstraße geschlossen werden. Die SPD will dies möglichst verhindern. „Die Innenstadt braucht auch in Zukunft ein vollständiges Polizeirevier“, fordern die Landtagsabgeordnete Nadine Gersberg und Parteichef Christian Grünewald.

Sie befürchten „größere Sicherheitsprobleme“, wenn sich die Polizei aus einem Gebiet zurückzieht. Dies gelte es für die City, das Nordend und das Hafengebiet zu verhindern, so Grünewald. Als mahnendes Beispiel nennt er den Stadtteil Connewitz in Leipzig, wo es in der Silvesternacht zu Krawallen gekommen war.

Tatsächlich will das Land die bestehenden Standorte aufgeben, aber die beiden Wachen zu einem Großstadtrevier im neuen Polizeipräsidium zusammenlegen. Damit verfolge man das Ziel, die Präsenz in der Innenstadt zu erhöhen und die Zusammenarbeit mit der Stadt zu intensivieren, teilte ein Präsidiumssprecher auf FR-Anfrage mit. „Die Polizei zieht sich keineswegs aus der Innenstadt zurück, sondern verbessert durch eine gemeinsam von Stadt und Polizei im Stadthaus an der Berliner Straße betriebene Wache rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche ihren Bürgerservice.“ Damit blieben zwei Anlaufstellen für die Bürgerinnen und Bürger erhalten, heißt es in der Mitteilung.

Die SPD hatte von einer „Minimalvariante“ mit lediglich zwei oder drei Arbeitsplätzen in der City gesprochen und gemeint, der dort vorgesehene Posten werde keinen Wachbetrieb haben und keine Streife fahren. Dem hält der Polizeisprecher entgegen: Durch die Bündelung der Personalressourcen werde die Zahl der ständig verfügbaren Streifen im Stadtgebiet sogar „deutlich“ erhöht.

Nach seinen Angaben wird die gemeinsame Wache im Stadthaus mit sechs Beamtinnen und Beamten besetzt sein, die Anzeigen aufnehmen und Ansprechpartner für alle polizeilichen Belange sein werden. Außerdem sollen sie den Freiwilligen Polizeidienst koordinieren, der ebenfalls im Stadthaus untergebracht ist. Geplant sei zudem der Umzug des Polizeiladens in das Stadthaus.

Stefan Wagner, Vorsitzender der Kreisgruppe Offenbach der Gewerkschaft der Polizei (GdP), meinte, für die Beschäftigten sei der Umzug aus maroden Gebäuden „ein Segen“. Die Häuser, in denen die Polizeireviere untergebracht seien, befänden sich in einem desolaten Zustand. Ihre Sanierung sei „fast aussichtslos“.

Wagner sagte, ihm sei versichert worden, es werde durch die Zusammenführung des Personals aus elf Liegenschaften in den Neubau zu keinem Personalabbau kommen. Dort sollen 900 Beschäftigte arbeiten. Er meinte, die Bürger müssten sich keine Sorgen machen. Der Polizeisprecher betonte, die Sicherheitslage in Offenbach sei gut. Von 2010 bis 2019 sei die Zahl der erfassten Straftaten um 31 Prozent gesunken.

Die SPD hatte auch beklagt, dass sich die Personalsituation bei der Polizei trotz des rasanten Bevölkerungswachstums in Offenbach seit 30 Jahren nicht geändert habe. Tatsächlich hatte die Regierung unter Ministerpräsident Roland Koch (CDU) bis 2008 massiv Polizeistellen abgebaut. Doch Schwarz-Grün hat mehr als 2200 Polizeistellen beschlossen. Von diesem Personalzuwachs würden auch das Polizeipräsidium und Offenbach in den nächsten Jahren profitieren, sagte der Sprecher.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare