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Die „Kurkonzerte“ haben manchmal Festivalatmosphäre.

Offenbach

Kultur in Offenbach soll barrierefrei werden

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Die Stadt Offenbach plant künftig  mehr inklusive Veranstaltungen. Los geht es an diesem Sonntag mit einem Konzert im Dreieichpark.

Wenn an diesem Sonntag die Hamburger Band „Station 17“ im Offenbacher Dreieichpark aufspielt, dann können auch Menschen entspannt dabei sein, die sich wegen der vielen Hindernisse manchmal nicht auf Konzerte wagen. Denn die Stadt sorgt dafür, dass das Open-Air-Konzert mit anschließendem DJ-Set mitten im Grünen so barrierearm wie nur möglich sein wird: So soll eigens eine Straße gesperrt werden, um genügend Behindertenparkplätze bereitzustellen. Daneben finden temporäre barrierefreie Toiletten Platz. Und vor Ort ist speziell geschultes Personal unterwegs, das blinden Musikfans oder solchen im Rollstuhl weiterhelfen kann – und sei es nur, um sich für die Person mit Handicap durchs Menschengewirr zu schlängeln und Getränke zu holen.

„Wir versuchen alles sensibel zu gestalten“, sagt Sabine-Lydia Schmidt, die als Referentin im Amt für Kulturmanagement die Freiluftkonzerte im Offenbacher Dreieichpark 2016 ins Leben gerufen hat und seitdem organisiert: Die Idee hinter der Veranstaltungsreihe ist, dass Menschen wie bei einem Picknick in einem der schönsten Offenbacher Stadtparks zusammenkommen sollen – und dabei Musik, oft aus dem Independent-Bereich, geboten wird.

Die Offenbacher Kurkonzerte finden seit 2016 im historischen Pavillon im Dreieichpark statt. „Picknickkörbe, Rollis, Hängematten und Blindenhunde sind willkommen“, schreibt das Kulturamt über das nächste Konzert.

Das inklusive Open Air beginnt an diesem Sonntag, 28. Juli, um 13 Uhr und endet um 18 Uhr. Es spielen Hamburgs Pioniere der inklusiven Musikproduktion, die Band „Station 17“. Danach legen DJs auf. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten. Mehr Infos gibt es hier: bit.ly/2Zh5PfW. fab

Nun kommt das Thema Inklusion dazu. Das barrierearme Konzert am Sonntag sei Teil einer großangelegten Offensive der Stadt Offenbach, die eigene Kulturarbeit inklusiver zu gestalten, erzählt Anna-Fee Neugebauer, die im Kulturamt für Verwaltung und Technik zuständig ist. So liege dem künftigen Handeln der 2018 von der Stadt beschlossene „Aktionsplan Inklusion“ zugrunde. Darin steht: „Bislang gibt es zu wenige Orte, an denen kulturelle Angebote durchgängig barrierefrei zugänglich und erlebbar sind.“ Um das zu verändern, hat das Kulturamt im vergangenen Jahr fünf Arbeitsgruppentreffen organisiert, zu denen Sehbehinderte, Rollstuhlfahrerinnen und -fahrer und Vertreter des Gehörlosenbunds eingeladen wurden. „Wir müssen miteinander reden und nicht übereinander“, betont Neugebauer. Nach den Treffen beginne nun am Sonntag die „Erprobungsphase“ – man werde „mal sehen, was geht“.

Bei allen möglichen Veranstaltungen kommen in Zukunft die mobilen Rampen und Rollstühle zum Einsatz, die das Kulturamt bereits im Februar angeschafft hat. Dass Rollstuhlfahrerinnen und -fahrer über Treppen hinweg getragen werden müssen, soll künftig die Ausnahme von der Regel sein.

Auch sollen bei einzelnen Veranstaltungen – zum Beispiel bei Theateraufführungen – Simultandolmetschende für Gebärdensprache anwesend sein. Aufgrund der begrenzten finanziellen Möglichkeiten der Stadt würden das aber wohl Ausnahmen bleiben, betont Schmidt: Simultandolmetschende seien teuer und häufig lange im Voraus ausgebucht.

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