Offenbach

Künstler aus Offenbach droht mit rechtlichen Schritten

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Der Streit über den Abriss der Friedhofshalle in Offenbach geht weiter.

Im Streit um einen möglichen Abriss der maroden Trauerhalle auf dem Neuen Friedhof hat der aus Offenbach stammende Künstler Bernd Rosenheim, von dem die Glasfenster in den Flügeltüren und unter dem Dach stammen, die Entlassung der für den „verheerenden Zustand“ des Gebäudes Verantwortlichen gefordert. Der 87-jährige Museumsgründer, Bildhauer und Maler spricht von „skandalösen Vorgängen“, da Friedhofsverwaltung und Stadtwerke-Geschäftsführung die Verwahrlosung der 1968 errichteten Halle zugelassen hätten.

Ein Ortstermin für die Presse Anfang Juli offenbarte massive Schäden wie Feuchtigkeit, Schimmel und gefährliche Risse in der Decke. Die Betriebskommission des Friedhofs plädierte angesichts des baulichen Zustands für Abriss und Neubau der Trauerhalle. Dem schloss sich die Koalition an. Die SPD forderte dagegen, die Planungen für einen Abriss zu stoppen, da eine Sanierung nicht ausreichend geprüft worden sei. Ihr Antrag fand in der Stadtverordnetensitzung aber keine Mehrheit.

Nach Angaben des Eso-Eigenbetriebs würden Abriss und Neubau rund 3,3 Millionen Euro kosten, eine Renovierung drei Millionen. Eine Sanierung der Glasfenster ist in der Kostenschätzung nicht berücksichtigt.

Der Künstler hat mit rechtlichen Konsequenzen gedroht, sollte die Halle abgerissen werden. Das von ihm gestaltete Portal mit den Glasfenstern sei eines seiner Hauptwerke. Stadtsprecher Fabian El Cheikh sagte, man werde auf Rosenheim zugehen, allerdings erst, wenn klar sei, was mit den Fenstern geschehen solle. Es werde geprüft, ob sie in einen Neubau integriert werden könnten.

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat im Februar, abweichend von der bisherigen Auffassung, geurteilt, dass auch das Entfernen oder die Vernichtung eines Kunstwerks (also nicht nur das „Entstellen“) den Integritätsschutz des Künstlers verletze. In jedem Fall sei aber eine „umfassende“ Abwägung der Interessen von Urhebern und Eigentümern vorzunehmen. Wenn das Kunstwerk unlösbar mit dem Bauwerk verbunden ist, soll laut BGH das Eigentümerinteresse in der Regel vorgehen.

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