Nahverkehr

Kostenexplosion beim Nahverkehr in Offenbach zu spät erkannt

  • schließen

Die Grünen-Dezernentin Groß räumt in Offenbach Fehler bei Ausbau des Busangebots ein.

Offenbachs Mobilitätsdezernentin Sabine Groß (Grüne), die auch als Aufsichtsratsvorsitzende der Offenbacher Verkehrsbetriebe (OVB) Verantwortung trägt, hat Fehler bei der Bewältigung der Verkehrswende eingeräumt. „Ja“, sagte Groß, „die Kostensteigerung hätte früher auffallen müssen.“ Manches sei nicht richtig gelaufen.

Die Kosten für den Busverkehr der OVB-Tochter Main Mobil Offenbach (MMO) GmbH sind, wie berichtet, von 600 000 auf 2,8 Millionen Euro regelrecht explodiert. Die SPD sprach von einem „Finanzdebakel“ und forderte Aufklärung, wie es zu den „eklatanten Kalkulationsfehlern kommen konnte“. Ihr Fraktionsvorsitzender Martin Wilhelm hat einen Fragenkatalog an den Magistrat gerichtet. Unter anderem will er wissen, ob Groß über die Mehrkosten früh Bescheid wusste „oder ob sie an der Nase herumgeführt wurde“.

Vor einer Woche hatte die Stadträtin die Fehlkalkulation in dem städtischen Betrieb öffentlich gemacht und angekündigt, dass sich OVB und MMO mit einem kaufmännischen Geschäftsführer verstärken würden. Er habe die Aufgabe, die wirtschaftliche Entwicklung „mit einem stringenten Controlling“ auf Plan zu halten.

Die Mehrkosten von 2,2 Millionen Euro gegenüber den veranschlagten 600 000 Euro im Wirtschaftsplan beziehen sich nach ihren Worten nur auf das Personal. Es ist eine Folge der von den Stadtverordneten beschlossenen Ausweitung des Busverkehrs um rund ein Drittel mit dichteren Taktzeiten und längerem Betrieb.

Groß zufolge sollten für das verbesserte Busangebot zusätzlich 40 bis 50 Fahrer eingestellt werden. Tatsächlich seien nun 74 im Einsatz. Die Stellenmehrung ist aber nicht der einzige Grund für die drastische Überschreitung des Jahresbudgets. Weil die OVB wegen des leergefegten Arbeitsmarktes nur vereinzelt heimische Busfahrer fand, war sie auf ausländisches Personal einer Offenbacher Leiharbeitsfirma angewiesen.

Fahrer  aus Polen und Griechenland

Diese Fahrer kommen nach Angaben der Stadträtin überwiegend aus Polen und Griechenland. Für sie hätten Deutschkurse sowie Schulungen bezahlt werden müssen. Finanziell bemerkbar habe sich auch die hohe Abbrecherquote gemacht. Sie lag laut Groß bei 40 Prozent. Die neuen Busfahrer werden, wie bei MMO üblich, nach dem Tarif des Landesverbands Hessischer Omnibusunternehmen bezahlt. Dies war auch so kalkuliert worden. Allerdings fallen Groß zufolge zusätzliche Zahlungen an die Zeitarbeitsfirma an, die erst enden, wenn MMO die Fahrer übernimmt.

Groß zufolge musste ein zweiter Betriebshof an der Daimlerstraße eingerichtet werden, dies sei bei den Planungen nicht berücksichtigt worden. Dort stünden nun 15 Busse. Die Fahrer müssten dorthin gebracht und dort auch abgeholt werden. Diese Fahrten würden als Arbeitszeit gelten, so dass man weiteres Personal habe einstellen müssen.

Welche Mehrkosten auf die Stadt sonst noch zukommen, ist unklar. Groß ist zuversichtlich, die Probleme in den Griff zu bekommen. Die Abbrecherquote werde ebenso sinken wie die Zahlungen an die Leiharbeitsfirma. Auch der zweite Betriebshof werde nicht auf Dauer gebraucht.

Die Stadträtin ist optimistisch, die prognostizierten Kostenüberschreitungen für 2019 zumindest teilweise kompensieren zu können. Konkret wurde sie nicht. Die OVB-Geschäftsführung habe bereits zahlreiche Möglichkeiten vorgeschlagen, die nun geprüft würden, sagte sie.

Groß ist nach eigenen Angaben Anfang Mai über die Mehrkosten informiert worden. Diese seien nach der ersten Quartalsabrechnung aufgefallen. Sie habe daraufhin die innere Revision der Stadtwerke Offenbach Holding (SOH) eingeschaltet und am 20. Mai den Aufsichtsrat informiert. Der Magistrat sei noch nicht in Kenntnis gesetzt worden, das solle nächste Woche geschehen.

Befragt nach der Stimmung in der Koalition, meinte die Stadträtin: Keiner freue sich über die Mehrkosten. Aber man habe den Sachverhalt sachlich besprochen und gemeinsam als Konsequenz die Einstellung eines weiteren Geschäftsführers für ein „stringentes Controlling“ beschlossen. Um die Kosten niedrig zu halten, soll dieser aus der Unternehmensgruppe kommen und den Posten als Zusatzaufgabe übernehmen. Groß sprach mit Blick auf MMO-und OVB-Chefin Anja Georgi von Überlastung. Darauf hätte man früher reagieren müssen.

Offenbach will in den kommenden Jahren rund 35 Millionen Euro ins Geschäftsfeld Mobilität investieren und schrittweise seine Busflotte auf Elektroantrieb umstellen. Die ersten sieben E-Busse sollen Ende dieses Jahres fahren. Bis 2023 sollen 27 von insgesamt 88 Fahrzeugen elektrifiziert sein.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare