+
Der 39-Jährige war von der Palliativstation des Sana-Klinikums Offenbach entlassen worden.

Palliativmedizin

Klinik-Odyssee eines Todkranken aus Offenbach

  • schließen

Eine Familie klagt und ist verzweifelt: Der Mann durfte nicht in Würde und ohne Schmerzen sterben.

Athanasiou Ifigeneia war so verzweifelt, dass sie auf Facebook einen Hilferuf postete, nachdem ihr todkranker Schwiegersohn von der Palliativstation im Offenbacher Sana-Klinikum in ein Frankfurter Pflegeheim entlassen worden war. Dort verschlechterte sich der Zustand des 39-Jährigen, der an einem unheilbaren Hirntumor litt, rapide. Für ihn begann eine Odyssee.

Vom Heim wurde er in die Frankfurter Uniklinik verlegt, am selben Tag zurück ins Heim gebracht, nach Blasenentzündung in das Katharinen-Krankenhaus eingeliefert, nach mehreren Tagen Aufenthalt wieder ins Heim entlassen, wo er am selben Tag nach einem schweren epileptischen Anfall mit dem Rettungswagen ins Klinikum Frankfurt-Höchst gefahren wurde. Einen Tag später starb der Familienvater dort, ohne seine Ehefrau und seine vier Kinder noch einmal gesehen zu haben.

Ein Hospizplatz für den Hirntumor-Patienten fand sich nicht rechtzeitig.

„Warum musste er so leiden? Warum durfte er nicht in Würde und ohne Schmerzen sterben“, fragt Athanasiou Ifigeneia. Die Frau, die ihr Restaurant in Neustadt an der Weinstraße tagelang geschlossen hatte, um ihrer Tochter in Offenbach beizustehen, hätte ihrem Schwiegersohn die vielen Verlegungen am Lebensende gerne erspart. Doch ihre Bemühungen und auch die der Ehefrau, die Palliativabteilung des Sana-Klinikums möge den Todkranken wieder aufnehmen, waren vergeblich.

Auch ein Hospizplatz fand sich nicht. Zumindest nicht rechtzeitig. Ausgerechnet am Tag der Beerdigung meldete sich die Krankenkasse des Mannes, ein Hospizplatz stehe zur Verfügung.

Lesen Sie dazu: Die Offenbacher Palliativärztin Christiane Gog im FR-Interview

Auf der Offenbacher Facebookseite der Frankfurter Rundschau hatte Athanasiou Ifigeneia einen Tag vor dem Tod ihres Schwiegersohnes geschrieben: „Heute Morgen lag er im Katharinen-Krankenhaus, jetzt liegt er in der Uniklinik Höchst. Er muss nach Offenbach. Da sind seine Kinder und seine Frau.“ Und weiter: „Wir können nicht verstehen, dass ein todkranker Mann nicht in die Palliativstation aufgenommen wird, um dort in Ruhe gehen zu dürfen. Wir bitten um Hilfe.“ Bevor es zum vereinbarten Termin mit der FR-Redakteurin kam, erreichte die Familie der Anruf vom Tod des Mannes.

Sana-Klinikum: Palliativstation hat nur zehn Betten 

Anne Stach, Pressesprecherin des Sana-Klinikums in Offenbach, zeigt zwar Verständnis für die „schwierige Situation“ der Familie. Sie sagt, das Krankenhaus habe der Witwe ein Gespräch mit der Leiterin der Palliativabteilung angeboten. Wegen des Datenschutzes könne sie keine Auskünfte zu dem konkreten Patientenfall geben. Die Ehefrau hatte das Klinikum zwar von der Schweigepflicht befreit, doch die Erklärung sei formaljuristisch nicht haltbar, hieß es.

Lesen Sie dazu: Therapiehunde spenden Todkranken Trost

Es ist deshalb unklar, ob der Mann auf Wunsch der Familie verlegt oder von der Klinik entlassen worden war, weil sich sein Gesundheitszustand stabilisiert hatte. Denn im Gegensatz zu einem Hospiz ist die Verweildauer der Patienten auf einer Palliativstation in der Regel begrenzt. Die Abteilung dort verfügt über zehn Betten. „Es kann vorkommen, dass Patienten nicht aufgenommen werden können, wenn die Kapazitäten ausgeschöpft sind“, sagt Stach.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare