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Über 300 Jahre alt: der Turm der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Schlosskirche in Offenbach. 

Offenbach

Interessenten für Wohnen im alten Offenbacher Kirchturm

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Die evangelische Kirche in Offenbach denkt über ihren Gebäudebestand nach, CDU sieht Chance für historischen Ortskern.  

Der denkmalgeschützte Glockenturm der 1943 zerstörten barocken Schlosskirche in der Offenbacher Innenstadt verfällt zusehends. Dabei gibt es Interessenten, die das Gebäude für einen symbolischen Euro kaufen würden, um darin eine Wohnung einzurichten. Pfarrer Ralf Bräuer, für die Öffentlichkeitsarbeit in der evangelischen Kirche Frankfurt und Offenbach zuständig, bestätigte, dass es zwei Anfragen gebe.

Er betonte allerdings, dass der Regionalverband momentan Vor- überlegungen für den künftigen Gebäudebestand der Kirchengemeinden in Offenbach anstelle. Deshalb habe man den beiden Interessenten mitgeteilt, man werde zu gegebener Zeit das Gespräch mit ihnen suchen.

Dem Vernehmen nach will der Verband nicht nur den massigen Turm der Schlosskirche loswerden, sondern möglicherweise das gesamte Areal zwischen Kirchgasse und Ludo-Mayer-Straße. Das Grundstück befindet sich im alten Ortskern, für das auf Initiative der CDU hin jüngst ein Entwicklungskonzept zur Aufwertung von Teilen der Altstadt beschlossen wurde.

Dominik Mangelmann, stellvertretender CDU-Fraktionsvorsitzender, erklärte auf Anfrage, die Pläne seien ihm bekannt. Es sei nun im Interesse der Stadt, bei einem möglichen Verkauf des Areals zum Zuge zu kommen, damit nicht nur der alte Kirchturm als Mahnmal seine Würde behalte. Auch die Frage, wie dort gebaut werden solle, sei wichtig für die alte Ortssilhouette. Die 1703 eröffnete Schlosskirche, die an der Stelle einer 1270 urkundlich erwähnten Pfarrkirche entstand, gehörte einst zum Stadtbild wie das Isenburger Schloss.

Bei einem Bombenangriff im Dezember 1943 war das Gotteshaus zerstört worden. Die Turmruine wurde später vereinfacht, ohne den charakteristischen Glockenaufbau, wieder errichtet. Erst 1971 wurde in einiger Entfernung die neue Schlosskirche an der Arthur-Zitscher-Straße eingeweiht.

Der Wasserturm des Anfang des 20. Jahrhunderts errichteten Offenbacher Schlachthofs überragt noch heute als Wahrzeichen die übrigen Gebäude. 

Der Turm fand jahrzehntelang keine Beachtung. 1991 nutzten ihn Studierende der benachbarten Hochschule für Gestaltung für eine Kunstinstallation und im selben Jahr durfte ihn die Öffentlichkeit beim Mainuferfest betreten. 2001 wollte ein Arzt das Gebäude kaufen und eine Luxuswohnung mit futuristisch anmutender Spitze einrichten. Die Pläne zerschlugen sich.

2009 schien der Turm seine Bestimmung gefunden zu haben. Damals eröffnete das Dekanat eine Fotoausstellung „70 Jahre Kriegsbeginn“ mit Begleitprogramm. Weitere Ausstellungen sollten folgen. „Heute denkt der evangelische Gemeindeverband nicht mehr an einen Verkauf“, hieß es vor zehn Jahren in dieser Zeitung.

Der für Denkmalschutz und Bauaufsicht in Offenbach zuständige Amts-Vize Jürgen Lehmann begrüßte zwar die Überlegungen für einen Wohnturm, „weil bei einer Nutzung der Erhalt gesichert ist“. Er sprach aber auch von einer „großen Herausforderung“, weil mindestens ein Viertel der Grundfläche für die vertikale Erschließung des Turm draufginge. Vom Grundriss von sieben mal sieben Metern bleibe auch wegen der dicken Wände nicht viel übrig. Nach seinen Angaben gab es schon viele Anfragen. Am Denkmalschutz seien die Pläne aber nie gescheitert. „Wir haben immer signalisiert, dass man eine Lösung finden kann.“

Stadtsprecher Fabian El-Cheikh teilte mit, aus planungsrechtlicher Sicht sei eine Wohnnutzung grundsätzlich zulässig. In der Bestandsimmobilie wären aber viele Detailfragen zu klären. Ein positives Beispiel einer Turmnutzung ist der Wasserturm auf dem alten Offenbacher Schlachthofgelände, der sich bis heute als Wahrzeichen über dem Hauptgebäude erhebt. Das Industriedenkmal mit seiner Fassade aus verschiedenfarbigen Klinkern dient als Wellnessoase für ein Hotel. In dem Turm sind laut Lehmann Saunen, Fitnessräume und auf dem Dach eine Freiterrasse für die Saunagänger untergebracht.

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