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Die ehemalige DSDS-Kandidatin Susan Albers bei der Castingshow.

Offenbach

Castingshow im Offenbacher Einkaufszentrum

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Castingshow im Offenbacher Einkaufszentrum: Der UFA-Talentscout schlägt eine 15-Jährige für DSDS vor.

Möglicherweise war es die Nervosität. Lena Diekmann, verkabelt mit Mikro und Kopfhörer, stand im Scheinwerferlicht. Und hatte den Text von Adeles Song „When we were young“ vergessen. Erst summte die 15-Jährige beim einzigen UFA-Casting in Hessen am Samstag im Offenbacher Einkaufszentrum Komm vor sich hin. Dann verblüffte sie mit ihrer Reaktion auf den Aussetzer: „Ich bin total aufgeregt. Ich kann den Text nicht. Was mache ich jetzt?“, improvisierte sie, bis ihr wieder einige Textzeilen einfielen.

Geschadet hat der „Blackout“ der Schwalbacherin nicht. Otto Nitschke, Talentsucher der Filmproduktionsfirma UFA, war begeistert von ihrem Auftritt. Dabei hatte er sie zunächst kritisiert. Sie müsse laut und deutlicher singen. Sie könne kein zweites Lied vortragen? Das sei unprofessionell.

Lena behielt die Nerven und beeindruckte Nitschke, der nach 19 Jahren im Geschäft einen Riecher für Talente hat. „Du bist eine tolle Sängerin und Schauspielerin“, bescheinigt er ihr, nachdem sie in einem harten Zwiegespräch mit ihm auch Schlagfertigkeit und Ausdrucksstärke bewiesen hatte. Er schlug sie als Kandidatin für „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) vor.

Dass Lena unter den über 200 Teilnehmern, die sich Hoffnung auf eine Karriere in Film, Fernsehen oder Musikcharts machten, eine Einladung zu DSDS erhielt, war kein Zufall. Die Schülerin hat ihr Talent bereits in der Oper Frankfurt als Titelheldin in dem Jugendstück „Mina“ bewiesen.

Der Vorschlag zur Teilnahme am Casting in Offenbach war von der Mutter gekommen. Am Samstagmorgen. Eine gründliche Vorbereitung war also nicht möglich. Vor ihrem Auftritt war Lena entspannt und hatte gemeint, sie habe keine großen Erwartungen. Sie wolle einfach nur Erfahrungen sammeln. Sie äußerte sich skeptisch über DSDS. Eine Castingshow sei vielleicht nicht das Beste, „wenn man berühmt werden möchte“. Sie hat die Bewerbung aber dann doch ausgefüllt.

Lena Diekmann beim Fotoshooting.

Der Andrang bei der UFA-Talentbase war groß. Und die Aufregung auch. „Ihr müsst aber keine Angst haben. Hier wird niemand lächerlich gemacht“, versprach Nitschke. Er wird gewusst haben, warum er das sagte. Schließlich ist DSDS-Juror Dieter Bohlen dafür bekannt, dass er gnadenlos kritisiert und beleidigt.

Dennoch glaubten auch im Komm-Center viele Bewerber, die Show könne ihnen zum Durchbruch verhelfen. Eventmanagerin Babea, 37, aus der Nähe von Mainz, träumte von einer Sprechrolle in einer TV-Serie. Doch Nitschke war mit ihrem Auftritt nicht zufrieden. Ihm fehlte die Leidenschaft. „Du bist free style“, sagte er. Es sollte ein Lob sein.

Die zehnjährige Lara Luana aus Frankfurt war mit großer Schwester und Vater zum Casting gekommen. Sie möchte Schauspielerin werden. Auf Kommando schenkte sie dem Fotografen ein strahlendes Lächeln. Hubert Netz (67) aus Hanau beteiligte sich „nur aus Spaß“ am Casting. Der Sänger wusste, dass er im Gegensatz zu den 14 „Auserwählten“, die Nitschke am Samstag für DSDS und das Supertalent empfohlen hatte, chancenlos war. Er war schon zweimal bei Bohlen.

Wie es bei DSDS zugeht, weiß Susan Albers, die 2013 den vierten Platz erreichte und seitdem als freischaffende Künstlerin lebt. Am Samstag war sie beim Casting dabei. Bohlen hatte die Musikerin mit der großartigen Stimme 2013 zunächst in den höchsten Tönen gelobt. Später meinte er: „Du berührst mich nicht.“

Aus dem Sieg wurde nichts, weil es in der Show eher um Drama als um Talent geht. Albers war einfach zu professionell. Das bewies sie auch in Offenbach. Wie Bohlen so sei, wollte Nitschke wissen. „Er ist das Ehrlichste an der ganzen Sendung.“ Seine Bemerkungen dürfe man ihm nicht übelnehmen. „Es ist eine Show.“

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