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Das erste Gebäude neuen Typs: Holzhybridhaus in der Offenbacher Taunusstraße.

Offenbach

„Der Haustyp heißt sogar Offenbach“

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Die Chefin der städtischen Baugesellschaft spricht über Holzbauweise und Flächen für Neubauten.

Die Offenbacher Baugesellschaft GBO setzt bei Bauprojekten vermehrt auf Holz. Geschäftsführerin Annette Schroe-der-Rupp über schnelles Bauen mit dem „oft unterschätzten“ Material und weitere Kitas und Schulen in Modulbauweise.

Wie viele Wohnungen gibt es inzwischen in Holzhäusern?
Wir haben 28 Wohnungen im Holzhybridhaus in der Taunusstraße und 28 in zwei Holzhybridhäusern in der Brandenburger Straße. Für 2019/20 planen wir eine Nachverdichtung in der Franz-Liszt-Straße mit insgesamt 19 Wohnungen in zwei drei- bis viergeschossigen Objekten. Ebenfalls in der Holzhybridbauweise.

Das klingt im Vergleich mit den insgesamt 5000 Wohnungen iN GBO-Besitz bescheiden.
Nun, das Holzhybridhaus wurde immerhin von der GBO zusammen mit der B&O Wohnungswirtschaft 2014/2015 entwickelt und ist noch nicht so lange auf dem Markt, dass es bereits einen deutlichen Anteil an unserem Bestand haben könnte. Das in der Taunusstraße war Hessens erstes Holzhybridhaus mit fünf Stockwerken. Inzwischen stehen solche Häuser etwa auch in Frankfurt und Hanau. Der Haustyp heißt sogar „Offenbach“.

Dieser Haustyp ist nach der Stadt benannt? Und bekommt Offenbach so etwas wie Provision oder Tantiemen dafür?
Nein, Geld gibt es für keines für uns. Vielleicht, wenn der Name geschützt wäre. (lacht)

Was ist der Vorteil von Holz als Baustoff?
Holz wird oft maßlos unterschätzt. Durch die Modulbauweise lassen sich Objekte schneller fertigstellen.

Bei Holz denkt man auch an Brandgefahr...
Das werden wir von Mietern gar nicht gefragt. Generell würde es sehr lange dauern, bis das Holz in Brand gerät. Da ist zudem eine mineralische Dämmung drauf, die ist sehr viel feuerbeständiger als die herkömmliche mit Styropor. Allerdings ist die Baugenehmigung für Holzbauten aufwendiger.

Inwiefern?
In der Größenordnung, in der wir bauen, schreibt die Hessische Bauverordnung vor, dass nichtbrennbares Material genutzt werden muss. Wir brauchen also für jedes Objekt eine gesonderte Befreiung von der Bauverordnung.

Bei Kitas oder Schulerweiterung setzt die Stadt stark auf Holzmodulbauweise.
Kitas sind sehr unproblematisch, die Holzmodule lassen sich rasch errichten.

Die neue Fröbelschule soll laut Kämmerer in Holzbauweise durch die GBO entstehen...
Wir wollen versuchen, sie in Holzbauweise zu errichten. Aber wir müssen schauen, wie weit sich individualisierte Bauweise und Module vertragen. Das geplante Schulschwimmbad ist mit Holz nicht zu machen. Die Fassade der Schule wird wohl teils aus Holz, teils aus Klinker gebaut.

Wie steht es um die Haltbarkeit? In der ganzen Region sind viele Kitas oder Schulen aus den vergangenen 30, 40 Jahren in problematischem Zustand.
Das ist eine Frage der Instandhaltung. Natürlich ist eine Holzfassade wohl etwas pflegeintensiver als die typisch weiß verputzte Fassade. Holz verzeiht weniger bauphysikalische Fehler als andere Baustoffe, daher braucht es Unternehmen, die sich mit dem Stoff auskennen. Aber warum soll Holz nicht haltbar sein? Es gibt genug historische Holzhäuser, die heute noch stehen und in sehr gutem Zustand sind.

Stichwort Nachverdichtung: Was ist da noch geplant von der GBO? Wird der Holzhybrid eine Rolle spielen?
Zuerst einmal wollen wir sensibel in unserem Bestand nachverdichten, wir müssen eine lebenswerte Aufenthaltsqualität für unsere Mieter erhalten. Wenn wir alles zubauen, fühlt sich niemand mehr wohl. Ganz abgesehen von den Rahmenbedingungen.

Welche meinen Sie?
Zum einen hat Offenbach keine 50 Millionen Euro im Rucksack, um sich sämtliche Grundstücke zu sichern. Dann sind bestimmte Flächen von vornherein ausgeschlossen: Natürlich ist auf dem Buchhügel Platz – aber der Buchhügel ist die einzige Kaltluftschneise für die Stadt, die können wir nicht zubauen. Und dann muss man auch an Faktoren wie Abwasser oder Stromversorgung denken. Nachverdichtung und mehr Bewohner bedeuten auch mehr Abwasser. Und damit haben wir jetzt schon ein erhebliches Problem in der Stadt. In den vergangenen Jahren wurde extrem viel gebaut, die Kanäle sind am Limit. Allerdings sind die Kollegen aus der Abteilung Entwässerung aus dem Geschäftsfeld Stadtservice schon seit mehreren Jahren dabei, das Kanalsystem zu erweitern. Aktuell sehen wir das in der Kettelerstraße und in den Straßen rund um das Senefelder Quartier.

Würde die Entsiegelung von Flächen helfen?
Nur bedingt. Wir haben in der Stadt viel Rupeltonboden, teils ist die Schicht 25 Meter dick. Da kommt kein Wasser durch. Bei Starkregenereignissen ist das immer wieder zu spüren. Einfach alles zubauen und dafür ein paar Quadratmeter entsiegeln, das wird nicht funktionieren.

Interview: Frank Sommer

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