Offenbach

Grabschmuck auf muslimischen Kindergräbern in Offenbach abgeräumt

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Der Schmuck mehrerer muslimischer Kindergräber landete auf einem Offenbacher Friedhof im Müll. Die Frau, die das öffentlich gemacht hat, wird beschimpft.

Es fühlt sich an wie Messerstiche ins Herz“, sagt Jennifer Hammelmann. Als die Offenbacherin am Mittwoch das Kindergräberfeld im muslimischen Teil des Neuen Friedhofs an der Mühlheimer Straße besuchte, wo sie seit zwei Jahren ein Grab für eine Freundin pflegt, traute sie ihren Augen kaum: Der Grabschmuck, vor allem Kuscheltiere, aber auch Plastikblumen und Spielzeugautos – Erinnerungen an die verstorbenen Kinder – war nicht mehr auf den kleinen Gräbern zu finden, sondern in der nächsten Friedhofsmülltonne. Das erzählte Hammelmann der Frankfurter Rundschau auf Nachfrage, nachdem sie den Vorfall in einer beliebten Offenbacher Facebook-Gruppe mit Bildern veröffentlicht hatte. Auch eine türkische Flagge habe sie im Müll gefunden.

In der Facebook-Gruppe entspann sich daraufhin eine große Diskussion: Ob nicht einfach die Grabnutzungszeiten der Gräber abgelaufen seien, wollte ein Nutzer wissen. Ein anderer fragte, was denn eine Flagge auf dem Friedhof zu suchen habe. Viele brachten ihr Mitgefühl zum Ausdruck. Irgendwann schaltete der Moderator der Diskussionsgruppe die Kommentarfunktion ab.

Beschimpfungen im Netz

Vonseiten der Friedhofsverwaltung heißt es nur: Offiziell abgeräumt wurden die Gräber nicht. Der Offenbacher Polizei ist der Vorfall, da niemand Anzeige gestellt habe, nicht bekannt. Der Türkisch-Islamische Kulturverein in Offenbach gab am Freitag keine Stellungnahme ab.

Jennifer Hammelmann berichtet, dass sie in den letzten Tagen auf Facebook in privaten Nachrichten mehrfach beschimpft worden sei. Sie betreibe Hetze gegen Deutsche, habe ein Nutzer ihr sinngemäß vorgeworfen – und man könne sie dafür anzeigen. „Das war erschreckend“, sagt Hammelmann. Sie sei selbst Deutsche und habe einfach auf das Geschehene aufmerksam machen wollen: „Ich finde es schlimm, dass so etwas passiert, egal um welche Religion es sich handelt.“

2001 wurde auf dem Neuen Friedhof in Offenbach das erste muslimische Gräberfeld der Stadt eingeweiht. Wegen der großen Nachfrage wurde es im vergangenen Jahr um rund 1200 Quadratmeter erweitert.

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