Offenbach

Furcht vor neuem sozialen Brennpunkt

Der Arbeitskreis Waldhof zeigt sich über die geplante Wohnbebauungsdichte in Offenbach besorgt.

Als Waldhof II war das Gebiet südlich der B448 zwischen Bieberer Friedhof und Waldhof lange bekannt, nun soll es unter dem Namen Waldhof-West entwickelt werden. Ein Ideenwettbewerb für Architekten wurde ausgeschrieben. Dass dabei der größte Teil der Fläche als Naturgebiet erhalten bleiben soll, freut auch im Waldhof viele Anwohner. Auf weniger Freude stößt aber die kürzlich vorgestellte geplante Wohnungsdichte: Auf dem zehn Hektar umfassenden Gebiet sind 600 Wohnungen geplant - sehr viel mehr als in anderen Offenbacher Baugebieten.

Beim Arbeitskreis Waldhof, der sich seit rund 30 Jahren um den sozialen Frieden in dem einst problematischen Gebiet kümmert, stoßen diese Zahlen auf Widerstand. Bei einer vom Arbeitskreis im vergangenen Jahr organisierten Informationsveranstaltung hatte die Stadt nämlich noch ganz andere, deutlich niedrigere Zahlen parat: Statt von 600 Wohneinheiten für das Gebiet war da nur von 370 die Rede. Dass die Planung wohl schon zum damaligen Zeitpunkt fortgeschritten war, verdeutlicht die Aufschlüsselung auf je 22 Einzel- und Doppelhäuser sowie 71 Reihenhäuser und 255 Wohnungen in Mehrfamilienhäuser in Geschossbauweise.

Des starken Zuzugs wegen sei die Stadt der Empfehlung des Regionalverbandes Frankfurt-Rhein-Main nach 60 Wohneinheiten pro Hektar gefolgt, sagte Stadtrat Paul-Gerhard Weiß (FDP) bei der Präsentation der Pläne vor knapp drei Wochen. „Wir haben hier über Jahrzehnte die Probleme einer so hohen Verdichtung am eigenen Leib erfahren“, sagt Peter Janat, Sprecher des Arbeitskreises. Daher sei es unverständlich, dass die Stadt nun dichter als zuvor bauen möchte.

Denn Waldhof galt lange als sozialer Brennpunkt, nur mit viel Mühe sei es gelungen, das Gebiet zu befrieden. „Heute ist es hier ruhiger als in Bieber, das bestätigt auch die Polizei“, sagt Janat. Der Arbeitskreis befürchtet, dass durch die verdichtete Bebauung die alten Probleme zurückkehren. Was die Stadt nun durch Fördergeld vom Land jetzt bei der Planung spare, müsse dann um ein vielfaches höher wieder für Sozialmaßnahmen ausgegeben werden, fürchtet der Arbeitskreis.

Dass das Gebiet bebaut werden soll, sei unstrittig, sagt Janat. „Wir brauchen mehr Wohnungen in Offenbach, aber doch in einem sozialverträglichen Maß.“ Gegen die 370 Wohneinheiten hätte sich kein Widerstand geregt, bei 600 Wohneinheiten aber sei die Gründung einer Bürgerinitiative im Gebiet gegen das Projekt sicher.

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