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Die Trauerhalle ist sanierungsbedürfrtig, die Außenrampe muss im Winter beheizt werden.

Hintergrund

Friedhofsgebühren werden steigen

Die Stadtverordneten in  Offenbach diskutieren über interne Pläne zum Abriss der Trauerhalle.

Sanierung oder Abriss und Neubau, darum geht es bei der Frage um die Zukunft der Trauerhalle auf dem Neuen Friedhof. Am Donnerstag hat aber schon der bisherige Umgang, - oder eher Nicht-Umgang - der Koalition zu dem Thema zu einem heftigen Streit in der Stadtverordnetenversammlung geführt.

Denn dass die 1968 errichteten Gebäude stark sanierungsbedürftig sind, dass Decken abgestützt werden müssen und Friedhofsmitarbeiter über unwürdige Zustände klagen, das dürfte vielen Bürgern schlicht unbekannt sein. Wer zu einer Trauerfeier in die Halle kommt, legt seinen Fokus wohl nicht primär auf Mängel am Gebäude.

Vor einigen Wochen ging die SPD mit der Meldung an die Öffentlichkeit, dass die Koalition einen Abriss der Trauerhalle und einen Neubau bevorzuge - da die Kosten hierfür auf die Nutzer umgelegt werden müssen, würde sich laut einem internen Papier der Betriebskommission des für den Friedhof zuständigen Eigenbetriebs ESO die Gebühren für die Nutzung der Trauerhalle von 194 Euro auf 250 Euro erhöhen - ohne den Zuschuss aus Gewinnen des Krematoriums auf 380 Euro.

Auf rund 3,3 Millionen Euro würden laut dem Schreiben der ESO Abriss und Neubau kosten, eine Sanierung der bestehenden Gebäude wäre aber mit drei Millionen Euro nur wenig günstiger.

Nun hatte die SPD einen Antrag eingebracht, nach dem die Planung für den Abriss zu stoppen sei. Allerdings schreibt sie im Nachsatz, dass für eine Sanierung der notwendigsten Teile des Gebäudes „eine Gebührenerhöhung ausgeschlossen sein“ müsse. Populismus wirft daraufhin die FDP den Sozialdemokraten vor, denn sie wüssten, dass eine Sanierung die Gebühren auf jeden Fall nach oben treiben werde. „Eine kostenneutrale Lösung bedeutet, mit einem Eimer Farbe drüberzugehen - das hilft aber nicht“, sagt Bürgermeister Peter Freier (CDU) als zuständiger Dezernent.

SPD befürchtet längst beschlossene Sache

Die SPD dagegen befürchtet, dass Abriss und Neubau längst beschlossene Sache seien und verweist auf das vom Eigenbetrieb herausgegebenes Papier. Zur Anfang Mai gestellten Anfrage der SPD ist darin von einem Bauantrag im August und von Beginn der Arbeiten im November die Rede – eine Diskussion durch die Stadtverordneten wird in dem Schreiben, das auch der FR vorliegt, nicht erwähnt. „Wenn es jetzt durch den öffentlichen Druck doch in der Stadtverordnetenversammlung behandelt wird, begrüßen wir das sehr“, sagt SPD-Fraktionschef Martin Wilhelm.

Dass da etwas im Hinterzimmer ausgehandelt worden sei, weist die Koalition weit von sich. Das fragliche Papier sei längst veraltet, die SPD hätte dies durch ihre Mitglieder in der Betriebskommission auch gewusst. Wilhelm bestreitet dies. Am Ende unterstützen nur Linke und AfD den SPD-Antrag, die übrigen Stadtverordneten lehnen ihn ab. Freier kündigt aber eine Begehung der Halle an, um auf die Mängel aufmerksam zu machen.

Die von dem Künstler Bernd Rosenheim gestalteten Fenster der Trauerhalle, die im Vorfeld oft genannt wurden, spielten am Donnerstag kaum eine Rolle. Sie seien äußerst sanierungsbedürftig und würden sich bei Hitze verbiegen, sagt Freier. Deren Sanierung sei nicht in der Schätzung über die drei Millionen Euro für die Halleninstandsetzung enthalten.

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