Offenbach

Offenbacher Frauenbeauftragte kritisiert Kollegah-Auftritt in städtischer Halle

  • schließen

Offenbachs Frauenbeauftragte kritisiert, dass der Gangsta-Rapper in der kommunalen Stadthalle auftreten darf. Sie fordert die Politik zum Handeln auf.

Die Frauenbeauftragte und Leiterin des Offenbacher Frauenbüros, Karin Dörr, hat das für heute Abend geplante Konzert des Rappers Kollegah in der kommunalen Stadthalle heftig kritisiert. „Ich positioniere mich dagegen, dass einem Rapper mit frauen- und schwulenfeindlichen sowie antisemitischen Liedtexten eine Bühne in Offenbach geboten wird“, teilte sie mit. Durch den Auftritt des umstrittenen Musikers auf einer städtischen Bühne werde die Anti-Gewalt-Arbeit in Offenbach „konterkariert“.

Dörr weist darauf hin, dass Vereine wie „Frauen helfen Frauen“, Pro Familia oder die Caritas seit vielen Jahren gemeinsam daran arbeiteten, die Gewalt im Geschlechterverhältnis gesellschaftlich zu ächten und mit strafrechtlichen Mitteln zu ahnden und zurückzudrängen. Nach Dörrs Angaben befürchteten viele kritisch denkenden Bürgerinnen und Bürger, die Arbeit zur Gewaltprävention an Schulen, das Eintreten gegen Antisemitismus, gegen Frauenverachtung und Gewalt an Frauen und Mädchen werde aufs Spiel gesetzt, wenn Kollegah die Möglichkeit für einen Auftritt in Offenbach erhalte. „ I ch sehe es deshalb als erforderlich an, dass die Politik Einfluss nimmt, solche Auftritte für die Zukunft mit geeigneten Regularien in den Vergabekriterien der Stadthalle auszuschließen“, fordert Dörr.

Kommunen haben Kollegah wieder ausgeladen

Verantwortliche im Rathaus und den zuständigen städtischen Gesellschaften hatten, wie in der FR berichtet, auf die Rechtsprechung zur künstlerischen Freiheit verwiesen und die Vermietung der Halle auch damit gerechtfertigt, eine öffentliche, kommunal finanzierte Kultureinrichtung wie die Stadthalle dürfe keine einzelnen Verbote aussprechen. „Solange keine strafrechtlichen relevanten Dinge vorliegen, muss vieles ausgehalten werden. Auch und gerade von staatlichen Institutionen“, hatte Bürgermeister Peter Freier (CDU) erklärt. Denn sonst wäre schnell von Zensur die Rede.

Es gibt aber Kommunen, die Kollegah wieder ausgeladen haben. Dazu gehört die Stadt Rastatt, die das für den 9. November (Jahrestag der Judenpogrome) geplante Kollegah-Konzert abgesagt hat. In Rüsselsheim war 2017 eine Rap-Night mit Kollegah und Farid Bang als Topact des Hessentags angekündigt gewesen. Nachdem die Kritik zu groß geworden war und auch der Zentralrat der Juden in Deutschland eine Absage gefordert hatte, zog die Kommune die Notbremse. Kollegah und andere Gangsta-Rapper waren auf dem Landesfest nicht mehr willkommen.

Offenbach: Kollegah darf trotz Kritik auftreten

Dass auch Offenbach unerwünschte Auftritte in seiner Stadthalle verhindern kann, hat sie schon bewiesen. 2013 verfügte die Gemeinnützige Baugesellschaft Offenbach, die für die Stadthalle zuständig ist, ein Auftrittsverbot für politische Parteien. Damit sollten Veranstaltungen rechtsextremer Parteien verhindert werden. Der Bann traf 2017 auch den SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz.

Das Kollegah-Konzert war von den Offenbacher Grünen, der SPD, der Jüdischen Gemeinde Offenbach und dem hessischen Antisemitismus-Beauftragten Uwe Becker (CDU) kritisiert worden. Ein Auftrittsverbot hatten sie aber nicht gefordert. Becker hatte jedoch darauf hingewiesen, dass die künstlerische Freiheit dort ende, wo die Würde des Menschen vorsätzlich verletzt werde.

Von Agnes Schönberger

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare