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Im Wohngebiet An den Eichen in Offenbach sorgen extrem unterschiedliche Energiepreise für Verdruss bei jenen Anwohnern, die teure EVO-Nahwärme beziehen müssen. 

Offenbach

Die Energieversorgung Offenbach senkt den Grundpreis

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Hausbesitzer im Wohngebiet An den Eichen kritisieren weiter hohe Kosten für die umweltfreundliche Nahwärme. Freie Wahl gab es nicht, es bestand Anschlusszwang ans EVO-Netz.

Die Energieversorgung Offenbach (EVO) hat im nördlichen Teil des Wohngebiets An den Eichen den Grundpreis für Nahwärme um acht Prozent reduziert, und zwar rückwirkend ab dem Zeitpunkt des Anschlusses. EVO-Sprecher Harald Hofmann betonte gegenüber der FR, die Senkung habe „nichts mit dem Protest der Anwohner“ zu tun, die das Unternehmen wegen „exorbitant hoher Wärmepreise“ kritisiert und ihm vorgeworfen hatten, seine Monopolstellung auszunutzen.

Rund 60 Bewohner hatten sich vergangenes Jahr in einer Initiative zusammengeschlossen, weil sie trotz hoher Investitionen in gute Energiestandards „Energiepreise von unrenovierten Altbauten“ hatten. Sie gingen an die Öffentlichkeit, baten Politiker um Hilfe und drohten, die Kartellbehörde und die Verbraucherzentrale einzuschalten. Auch Klagen schlossen sie nicht aus.

Die EVO lehnte Verhandlungen über einen günstigeren Tarif ab. Es gab zwar ein langes Gespräch mit Oberbürgermeister und Bürgermeister, auch die Anwälte beider Seiten redeten miteinander. Bei den EVO-Kritikern entstand der Eindruck, es könnte einen Kompromiss geben.

Historie

Vom Problem- zum Vorzeigeviertel: Unter dem Namen Lohwald war das Gebiet im Osten Offenbachs einst ein berüchtigter sozialer Brennpunkt. Er wurde Ende der 1990er Jahre aufgelöst, die Häuser wurden abgerissen. 2003 zogen die letzten Familien weg. Heute heißt das Quartier „An den Eichen“, es ist eine bürgerliche Wohngegend geworden.

16 Hektarumfasst das Neubaugebiet, das zum Vorzeigeprojekt für energetisches Bauen werden sollte. In zwei Bauabschnitten entstand seit 2009 Wohnraum für 1000 Menschen. Nach zunächst schleppendem Beginn ist das Areal inzwischen nahezu komplett bebaut. 

Doch die Hoffnung trog. Kurz vor Weihnachten kündigte die EVO in einem Brief an, den Netto-Grundpreis von 175 auf 161 Euro je Kilowatt pro Jahr zu senken. Bei einem Jahresverbrauch von 7800 Kilowattstunden sind nun 1645 Euro brutto und damit 47 Euro weniger als bisher fällig, da der Arbeitspreis angehoben wurde.

Die Bewohner kritisieren weiter die großen Preisunterschiede in Offenbach und innerhalb des Baugebiets An den Eichen. Dort verlange ein privater Anbieter für dieselbe Leistung nur 864 Euro. Auch die EVO kann es günstiger: Für Ökogas muss man laut der Initiative bei gleichem Verbrauch 572 Euro zahlen. Eine freie Wahl hatten die Häuslebauer nicht. Im nördlichen Teil des Baugebiets bestand ein Anschlusszwang ans EVO-Wärmenetz mit Pellets.

Das Unternehmen begründet die unterschiedliche Preisgestaltung damit, dass es sich beim zweiten Bauabschnitt An den Eichen um ein kleines Baugebiet mit 180 Wohneinheiten handele. Die Kosten für den Aufbau des Netzes und der Pelletanlage verteilten sich deshalb auf relativ wenige Verbraucher. Die Kostenreduzierung war laut dem EVO-Sprecher möglich, weil weniger Passivhäuser gebaut wurden und deshalb mehr Häuser als geplant mit Nahwärme versorgt würden.

Hausbesitzer Rafael Sartowski hat eine andere Theorie: Die EVO habe den Grundpreis gesenkt, um das von der Bundesnetzagentur festgelegte Zinsniveau einzuhalten. Es beträgt bis 2023 für neue Anlagen 6,91 Prozent, für alte 5,12 Prozent. Bisher habe die EVO eine höhere Rendite erzielt, die bei einer Klage vom Gericht wohl beanstandet worden wäre, sagt er. Jetzt liege sie bei 6,91 Prozent. Kein Zufall, glaubt Sartowski. Der EVO-Anwalt habe die Klageschrift wohl genau studiert. Wegen der Tarifsenkung sei das Unternehmen rechtlich weniger angreifbar.

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