+
Streicheleinheit: Der Besuch von Emma und Sissi ist eine willkommene Abwechslung.

Therapiehunde in Rhein-Main im Einsatz

Der „Emma-Effekt“

  • schließen

Therapiehunde spenden Trost und bringen unheilbar kranke Menschen zum Lächeln.

Emma und Sissi werden sehnsüchtig erwartet. Es ist Mittwochvormittag, und die Patienten auf der Palliativstation des Sana-Klinikums in Offenbach freuen sich auf den tierischen Besuch. Die elf und vier Jahre alten Labradorhündinnen warten geduldig auf einer Decke im Flur, bis ihre Besitzerin Ivana Seger pfeift. Langsam nähern sie sich Thomas Schmidt, der im Rollstuhl in seinem Zimmer auf sie wartet. Ein Lächeln zieht über sein Gesicht, als er die Vierbeiner mit Apfelstückchen füttert. „Das schmeckt euch“, sagt er und streichelt Emma über das braune Fell.

Der 52-Jährige hat selbst zwei Hunde. Stolz zeigt er auf seinem Handy Fotos von ihnen. „Da sind wir am Bach.“ Die Sonne scheint durch die großen Fenster. In dem Augenblick scheint der schwerkranke Patient nichts zu spüren von Ängsten, Schmerzen und Trauer. „Wir lassen immer lächelnde Menschen zurück“, sagt Seger. Thomas Schmidt wurde inzwischen nach Hause entlassen, wo er von dem ambulanten Palliativteam betreut wird.

Lesen Sie dazu: Die Klinik-Odyssee eines Todkranken aus Offenbach

Segers Hündinnen sind ausgebildete Therapiebegleithunde, die sich auf die unterschiedlichsten Stimmungen der Menschen einstellen. Die examinierte Altenpflegerin, die eine Palliative-Care-Weiterbildung gemacht hat, ist mit Emma und Sissi in Hospizen in Niederreifenberg, Flörsheim und Oberursel sowie im Kinderhospiz „Bärenherz“ in Wiesbaden im Einsatz. Außerdem besucht das Trio Patienten in den Wiesbadener Horst-Schmidt-Kliniken und der Frankfurter Uniklinik.

Die beiden Hunde liebten das. Aber es sei kein Spielen, sondern harte Arbeit. Viele Regeln müssten beachtet werden, betont Seger. Sie bezeichnet sich und ihre Hunde als Team. Ihre Mission sei es, die Patienten abzulenken, ihnen zuzuhören, sie zu trösten und zu erfreuen. Auch Kuscheln mit den Vierbeinern auf dem Bett ist möglich.

Krankenkassen zahlen nicht

Die Leiterin der Palliativstation, Christiane Gog, ist von der positiven Wirkung der beiden Hundedamen überzeugt. Sie hat erlebt, dass Patienten mit Kontrakturen plötzlich ihre Hände wieder öffnen konnten, dass unzugängliche Menschen durch die Nähe zu den Hunden aus ihrer Isolation herausfanden oder sich entspannen konnten.

Obwohl die Erfahrungen mit den Hunden so positiv sind, zahlen die Krankenkassen die Therapie nicht. Finanziert wird der Besuch von Emma und Sissi über Spenden von Angehörigen, die sich von den Mitarbeitern der Palliativstation gut betreut fühlten. Seger und Gog haben eine Petition im Bundestag eingereicht, damit die Kosten für die tiergestützte Therapie in Hospizen und auf Palliativstationen als Regelleistung übernommen werden. Eine Entscheidung steht aus.

Lesen Sie hierzu: Die Offenbacher Palliativärztin Christiane Gog im FR-Interview

Die Palliativstation liegt im Erich-Rebentisch-Zentrum, einem alten Backsteinbau des früheren Krankenhauses, der mit seinen hohen Räumen, großen Fenstern und den Wandmalereien im Flur eine freundliche Atmosphäre ausstrahlt. Es gibt acht Einzel- und ein Doppelzimmer. Besuch ist jederzeit willkommen, Angehörige dürfen dort auch übernachten.

Neben dem Team aus Ärzten und Pflegekräften kümmern sich Physiotherapeuten, Psychoonkologen, Sozialarbeiter, Seelsorger und Kunsttherapeuten um das Wohlergehen der Patienten. Aktuell wird ein Sinnesraum eingerichtet, in dem die Schwerkranken bequem liegend oder sitzend und umgeben von leisen Klängen Lichteffekte betrachten können. Auch dieses Angebot wird über Spenden finanziert.

Mittelpunkt der Station sind das Besprechungszimmer, in das sich Angehörige zurückziehen können, und die große Küche mit bequemen Sitzgruppen und Klavier. Nicht nur bei Rauchern beliebt ist die Dachterrasse, wo sich zahme Eichhörnchen und Vögel beobachten lassen. Weil der Außenbereich nur über Treppen erreichbar ist, plant Gog ein weiteres Projekt: Eine Rampe soll allen Patienten den Zugang zu der Terrasse ermöglichen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare