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Die Stadt wollte, dass der Damm vor dem Schloss verschwindet. Das Regierungspräsidium war aus Sicherheitsgründen dagegen. Jetzt soll nur der Durchgang verbreitert werden. 

Offenbach

Die Deichsanierung in Offenbach könnte 2021 beginnen

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Die Stadt hofft auf eine Genehmigung der überarbeiteten Pläne. Sie sehen statt einer großzügigen Öffnung zum Main hin nur noch ein breiteres Deichtor vor.

Bereits 2006 hatte das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt die Sanierung des maroden Maindeichs angemahnt, weil er nicht mehr standfest und auch nicht hoch genug für ein sogenanntes 200-jähriges Hochwasser sei. Das klang bedrohlich. Trotzdem hat sich bis heute nichts getan. Doch jetzt ist die Stadt optimistisch, dass das RP die überarbeiteten Pläne für den 2,6 Kilometer langen Deichabschnitt genehmigen wird. Baubeginn soll im Frühjahr 2021 sein, es wird mit drei Jahren Bauzeit gerechnet.

Die Verzögerung, die auch einer intensiven Bürgerbeteiligung und einer Ablehnung der ursprünglichen Pläne durch das RP geschuldet ist, hat Folgen für die Kosten und für die Gestaltung des Damms: Das Projekt hat sich seit dem ersten Stadtverordnetenbeschluss zur Deichsanierung vor neun Jahren um 6,7 Millionen Euro auf fast 19 Millionen Euro verteuert. Und das, obwohl die neue, abgespeckte Variante an sich günstiger ist.

Die höheren Sanierungskosten lägen vor allem an gestiegenen Baupreisen sowie Neben- und Deponiekosten, erläutert Sigrid Pietzsch, die stellvertretende Stadtplanungsamtsleiterin. Nach ihren Angaben werden heute 80 Prozent der förderfähigen Kosten bezuschusst, nicht nur 40 Prozent wie 2012, so dass der städtische Anteil an der Investition nur geringfügig von 8,6 auf 8,7 Millionen Euro steige.

Gravierend, zumindest für das Stadtbild, ist die durch die Ablehnung des RP notwendig gewordene Umplanung. Die alten Pläne hatten eine 90 Meter lange Absenkung des Deichs vorgesehen, um die Stadt zum Main zu öffnen und einen Blick auf das Schloss beziehungsweise den Fluss zu ermöglichen. Diese Dammöffnung ist vom Tisch, das RP hat sie nicht genehmigt. Denn wenn beim 200-jährigen Hochwasser auch noch Starkregen auftrete, würde die Mainstraße überschwemmt werden. Dies würde den Aufbau einer mobilen Schutzwand verhindern.

Maindamm

Die Stadt Offenbachist für einen 2,6 Kilometer langen Abschnitt des Maindamms zuständig. 2006 hatte das Re- gierungspräsidium (RP) die Sanierung des maroden Bauwerks angemahnt. Nach intensiver Bürgerbeteiligung beschlossen die Stadtverordneten 2011 Pläne, die eine Absenkung des Deichs auf 90 Metern Länge in Höhe des Renaissanceschlosses vorsahen. Das RP war dagegen.

Eine Verkehrsberuhigungder Mainstraße, einer Hauptverkehrsachse, die am Damm entlangführt, war ebenfalls Teil des damaligen Beschlusses. Der Magistrat war einmütig dafür gewesen.

Nach dem zweiten Erörterungsterminzum Planfeststellungsverfahren im Oktober 2017 erhielt die Stadt im April 2018 den ablehnenden Bescheid vom Regierungspräsidium. 

Eine freie Sicht von der Stadt auf den Main, wie es sich die Offenbacher gewünscht hatten, wird es zumindest an dieser Stelle auch in Zukunft nicht geben. Stattdessen ist vorgesehen, das neue Deichtor an der Schlossstraße von 5,50 auf 15 Meter zu verbreitern und von 2,20 auf 2,50 Meter zu erhöhen. Der Zugang zur Deichpromenade, der derzeit nur über zwei Treppen möglich ist, kann künftig auf einer Seite auch über eine barrierefreie Rampe erfolgen. Bei Hochwasser soll eine mobile Staumauer vor dem Durchgang aufgebaut werden.

Die geänderte Planung sieht auch eine neue Lösung für den Mainzugang auf Höhe der Herrnstraße vor. Dort soll eine steile Treppe einer barrierefreien Lösung aus Treppe und Rampe weichen. An dieser Stelle ist ebenfalls ein mobiler Dammschutz vorgesehen.

Nach der ersten Planung von 2011 sollte mehr als die Hälfte der Bäume auf dem Deich erhalten werden. Jetzt heißt es, dass von 250 Bäumen gut 140 gefällt werden; 135 sollen nachgepflanzt werden.

„Was lange währt, wird endlich gut“, hatte sich Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) bei der Vorstellung der neuen Projektplanung im vergangenen Herbst optimistisch geäußert, die Sanierung endlich in Angriff nehmen zu können. Er rechnete mit einer Zustimmung bis Jahresende.

Das sah auch Pietzsch so. Die Pläne seien mit dem RP abgestimmt, und ihr sei signalisiert worden, es gehe alles klar. Deshalb bereite man auch schon die Ausschreibung vor, sagte sie. Die Behörde hat sich aber noch nicht gemeldet.

RP-Sprecher Guido Martin meinte auf FR-Anfrage, der Bescheid zur Anhörung werde nächste Woche an die Stadt geschickt. Wie die Entscheidung ausgefallen ist, verriet er nicht.

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