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Lange mussten die Schüler daheim lernen. 

Schulöffnung

Corona-Infektion am Offenbacher Albert-Schweitzer-Gymnasium

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28 Kontaktpersonen des Offenbacher Schülers müssen in Quarantäne. Eltern sind besorgt, der Infizierte könne mehr Leute angesteckt haben. Der Abstand sei nicht eingehalten worden.

Ein Oberstufenschüler am Albert-Schweitzer-Gymnasium ist bereits wenige Tage nach Wiederaufnahme des Unterrichts an Corona erkrankt. 23 Schülerinnen und Schüler sowie fünf Lehrkräfte wurden daraufhin am 5. Mai in Quarantäne geschickt. Am gestrigen Montag sollten sie alle in Frankfurt auf das Virus getestet werden.

Eltern sind besorgt. Und sehen sich in ihrer Meinung bestätigt, die Schulöffnung sei voreilig erfolgt, weil Abstandsregelungen nicht oder nur mangelhaft eingehalten würden. Sie kritisieren, dass nicht die ganze Schule vorübergehend geschlossen wurde. Denn nicht nur im Klassenraum, sondern auch in den Pausen habe es Kontakte zu dem infizierten Schüler gegeben.

Die Stadt versucht, die Betroffenen zu beruhigen und „Irritationen durch falsche Informationen“ auszuräumen. Aufgrund der eingehaltenen Abstände zu dem symptomfreien, positiv getesteten Schüler sowie den getragenen Masken sei eine Ansteckung „nicht wahrscheinlich“, sagt der Leiter des Gesundheitsamtes, Bernhard Bornhofen.

Dennoch habe man die Quarantäne „vorsorglich“ angeordnet und die Tests in Frankfurt organisiert, da Offenbach über kein Testzentrum verfüge. Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) kritisiert in diesem Zusammenhang den weiter bestehenden Mangel an Tests, „während die Profifußballer trotzdem getestet werden“.

Weiterer Fall in Niedernhausen

Der erste Corona-Fall an einer hessischen Schule - einen zweiten gibt es in Niedernhausen - hat erheblichen Wirbel verursacht. Eltern äußern Ängste und schildern Situationen, dass Schüler in den Pausen in Gruppen ohne Mundschutz zusammenstünden. Die Diskussion dürfte in anderen Städten ähnlich verlaufen, wo es ebenfalls Kritik an Schulöffnungen gibt.

Stadt und Gesundheitsamt weisen darauf hin, dass sie alles Notwendige getan und nur mit „Beharrlichkeit“ erreicht hätten, dass die Kontaktpersonen überhaupt getestet wurden. Man habe sich auch bemüht, das in Frankfurt stationierte Corona-Mobil für die Tests direkt an die Schule zu bekommen, um den Betroffenen den Weg in die Nachbarstadt zu ersparen. Das sei aber nicht gelungen.

Stephen Aranha, ein Vater, hatte in einem offenen Brief an Verantwortliche in Stadt und Land am 6. Mai und später auf Facebook die Infektion öffentlich gemacht. Seine Kinder gehen momentan nicht zur Schule. Für die Tochter hat der Unterricht noch nicht begonnen. Der Sohn ist befreit, da sein Vater einer Risikogruppe angehört.

Infizierter Schüler war vier Tage in Schule

Nach Angaben des Stadtsprechers Fabian El Cheik hatte das Gymnasium am Sonntag, 3. Mai, erfahren, dass die Eltern des Schülers positiv auf Covid-19 getestet worden waren. Er blieb am Montag zu Hause und wurde getestet. Am 5. Mai erfuhr die Schulleitung das Ergebnis. Noch am selben Tag wurden die Kontaktpersonen ermittelt und in Quarantäne geschickt. Der infizierte Schüler war also vier Tage – vom 27. bis 30. April – in der Schule. Der 1. Mai, ein Feiertag, war schulfrei.

Nicole Merget-Rieth, Mutter eines Oberstufenschülers, kritisierte ebenfalls in einem offenen Brief, dass die Kontaktpersonen erst am Dienstagmittag in Quarantäne geschickt wurden. „Sie waren noch zwei Tage in der Schule und haben in dieser Zeit vermutlich andere unwissentlich angesteckt.“ El Cheik sagte dazu: Als Kontaktperson gelte, wer mit einem Infizierten zusammen gewesen sei. Das habe man sicher erst am Dienstag gewusst.

Stephen Aranha hatte bereits am 20. April eine Mail an das Schulamt und Bildungsdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) sowie Minister Alexander Lorz (CDU) geschickt. Darin wies er darauf hin, das Albert-Schweitzer-Gymnasium habe schon am 17. April angekündigt, die Einhaltung insbesondere der Abstandsregel nicht gewährleisten zu können. Er sah deshalb dringenden Handlungsbedarf. Aranhas Kritik, er habe nie Antwort bekommen, wies Weiß zurück. Man habe alle Mails überprüft. „Da war beim besten Willen nichts zu finden.“

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