Musik und Politik

Bekannte Fälle: Musiker in der Kritik

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Kollegah wird trotz der Kritik in Offenbach stattfinden. Er ist nicht der einzige Musiker, dem vorgeworfen wird, in seinen Liedern extremistische Positionen zu vertreten.

Zahlreichen Musikern wird vorgeworfen, in ihren Liedern und Auftritten extremistische Positionen zu vertreten. Die Folgen sind unterschiedlich: Manchmal kommt es zu Konzertabsagen, meist erzeugt die Aufregung vor allem eins: willkommene Öffentlichkeit.

Deutschrapper

Vor Kollegah und Haftbefehl provozierten schon andere Deutschrapper mit sexistischen und nationalistischen Songtexten. In den Nullerjahren etwa die Rapper Bushido und Fler. Ersterer mit Zeilen wie „Salutiert, steht stramm, ich bin Leader wie A.“. In Interviews wies Bushido aber jegliche rechtsextreme Gesinnung von sich. Fler rappte auf seinem Album „Neue Deutsche Welle“ im Jahr 2005: „Das ist Schwarz-Rot-Gold, hart und stolz.“ Als 2014 die NPD Wahlwerbung mit seinem Namen machte, distanzierte er sich öffentlich in den sozialen Medien und leitete rechtliche Schritte ein.

Böhse Onkelz

Ihre ersten Konzerte spielten sie Anfang der Achtziger in Bockenheim und der Batschkapp. Ihr Ruf als Rechtsrocker geht auf ebendiese Anfangszeit zurück. Das erste Demo-Tape veröffentlichten sie mit Liedern wie „Türken raus“ und „Deutschland den Deutschen“. Ihr Debütalbum „Der nette Mann“, das die Band 1984 herausbrachte, wurde 1986 indiziert wegen Stellen wie „Ja, wir seh’n uns in jedem Fall im Sommer ’84 beim Frankreichüberfall!“. Später distanzierte sich die Band zunehmend von der Skinhead-Szene. 2020 wollen die Frankfurter Rocker zum 40-jährigen Bestehen erneut zurückkehren.

Feine Sahne Fischfilet

Bundesweite Schlagzeilen machte im Oktober 2018 eine Konzertabsage rund um das Bauhaus-Jubiläum. Die linksgerichtete Punkband aus Mecklenburg-Vorpommern sollte im November in Dessau auftreten und dabei vom ZDF aufgezeichnet werden – doch die Stiftung Bauhaus untersagte als Hausherrin den Auftritt. Die Begründung: „Politisch extreme Positionen, ob von rechts, links oder andere, finden am Bauhaus Dessau keine Plattform, da diese die demokratische Gesellschaft […] spalten und damit gefährden.“ Das Konzert und dessen Aufzeichnung wurden in die „Alte Brauerei“ in Dessau verlegt.

Xavier Naidoo

Wegen zweifelhafter Aussagen, Auftritte und Songtexte gilt der Mannheimer als öffentliche Reizfigur. 2011 sagte er im ARD-Morgenmagazin: „Wir sind nicht frei. Wir sind immer noch ein besetztes Land.“ 2014 trat er bei einer Veranstaltung der „Reichsbürger-Bewegung“ auf. 2017 stellte eine Referentin der Amadeu-Antonio-Stiftung die These auf, in Liedern wie „Marionette“ sei Antisemitismus „strukturell nachweisbar“. Naidoo wies dies zurück und klagte. Im Oktober erhielt er vom Oberlandesgericht Nürnberg recht: Er darf nicht Antisemit genannt werden.

Andreas Gabalier

Als die Münchner Faschingsgesellschaft dem selbst ernannten „Volks-Rock’n’Roller“ aus Österreich im Februar den Karl-Valentin-Orden verlieh, hagelte es Kritik. Wegen patriotischer Texte und Zeilen wie „Italiener, Deutsche und Japaner grüßen tun wir uns“ wird der Grazer oft mit rechtem Gedankengut in Verbindung gebracht. Seine gebückte Körperhaltung auf einem Albumcover von 2011 interpretierten Kritiker als Nachahmung eines Hakenkreuzes. Gabalier beteuert, weder politisch zu sein, noch sich von Rechten vereinnahmen zu lassen.

Frei.Wild

Ebenfalls aus dem Alpenraum stammt die Bozener Deutschrock-Band. 2015 sammelte eine Online-Petition mehr als 9000 Unterschriften, die forderte: „Keine Bühne für Nationalisten in Hamburg – Frei.Wild-Konzert absagen!“ Grund dafür: Frei.Wild nehme es billigend in Kauf, dass ihre unpolitischen Liedtexte als Anstiftung zur Gewalt und für rechte Parolen verstanden würden. Die Band äußerte sich zwar in ihren Texten nicht offen rechts, propagiere aber Patriotismus und erzkonservative Heimatliebe. Nach der Kritik positionierten sich die Musiker öffentlich klar gegen Fremdenhass und bestritten wiederholt extremistische Tendenzen.

Egotronic

Im Juni dieses Jahres trat die Berliner Elektropunk-Band bei einem Festival gegen rechts im niedersächsischen Weyhe auf. Wegen ihrer Texte wird sie oft mit der antideutschen Szene in Verbindung gebracht. Nach einem Ortsverband der AfD protestierte auch die Bremer Junge Union (JU) gegen die Band und die Veranstalter: „Solche extrem deutschlandfeindlichen Äußerungen haben nichts mehr mit künstlerischer Freiheit zu tun“, so der stellvertretende Landesvorsitzende der JU Bremen, Lukas Dietzel. jjm

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