Martina Weiss (l.) und Monika Jäger zeigen den neuen „Arbeitstisch“, an dem Besucher sich in Kalligrafie üben dürfen.

Offenbach

Mit der Bambusfeder zeichnen

Die erste Dauerausstellung des Offenbacher Klingspor-Museums darf am Sonntag beim Sommerfest schon einmal ausprobiert werden

Nicht anfassen“ hieß es früher immer in Museen. Natürlich dürfen Exponate auch heute nicht berührt werden, aber in viele Museen gibt es doch Konzepte, die auf Nähe oder Mitmach-Aktionen setzen. Im Ledermuseum etwa dürfen Besucher ertasten, wie sich Krokoleder anfühlt. Auch im Klingspor-Museum sollen die Besucher künftig selbst ausprobieren dürfen, wie beispielsweise mit Tusche und Bambusfeder Kalligrafie entsteht.

Bisher verfügte das Museum über keine Dauerausstellung, im November soll sich das ändern. Dann wird sich die neue Schau über das ganze Haus erstrecken, besonders oft nachgefragte Objekte werden dauerhaft zu sehen sein und an verschiedenen Stationen dürfen die Besucher sich selbst als Künstler betätigen. Sollte ursprünglich am 7. November die Dauerausstellung eröffnet werden, ist nun der 10. November angesetzt. Sogar die Uhrzeit steht schon fest, um 15 Uhr wird dann die neue Zeit im Museum beginnen.

„Es gibt kein zurück mehr, die Dauerausstellung wird kommen“, sagt Martina Weiß vom Museum. Die Terminverschiebung um drei Tage sei lediglich wegen anderer, zeitgleicher Termine vorgenommen worden. Ansonsten liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Wie weit diese gediehen sind und welches Konzept das Haus verfolgt, davon können sich die Besucher an diesem Sonntag ein Bild machen. Beim Sommerfest des Hauses werden unter anderem Mitmachstationen angeboten, die beispielhaft für die spätere Ausstellungskonzeption sind.

Etwa im Dachgeschoss: Dort wurden die Ausstellungsvitrinen so gekürzt, dass die ausgestellten Bücher bequem im Sitzen zu sehen sind. Zwischen den Vitrinen stehen Arbeitstische, hier können die Besucher versuchen, die in den Büchern dargestellten Motive oder Schriften selbst zu zeichnen. Bambusfedern, Tusche, japanischen Pinsel, Vogelfedern oder Filzstifte stehen zur Auswahl, auf dünnem japanischen Papier oder farbiger Pappe dürfen die nebenan gezeigten Kraniche oder Garnelen der Künstler Tanja Leonhardt und Chi Pai-Shih nachgeahmt werden.

„Wir möchten hier eine andere Art der Rezeption versuchen“, sagt Monika Jäger, die für die Dauerausstellungskonzeption verantwortlich ist. Den Besuchern solle mehr Zeit gegeben werden, die Objekte kennenzulernen und sich mit den unterschiedlichen Arbeitstechniken vertraut zu machen. „Und jeder darf eigene Andenken an seinen Besuch bei uns gestalten“, sagt sie.

Sieben Themenbereiche soll die Ausstellung umfassen. Im ersten Stockwerk des Hauses soll eine „Medienstation“ aufgestellt werden. An dieser werden ausgewählte Objekte der Sammlung gezeigt und können am Bildschirm nicht nur betrachtet, sondern auch digital bearbeitet werden. „So können sich Besucher eigene Postkarten mit ihren Lieblingsdrucken aus dem Haus gestalten“, sagt Jäger. Auch die umfangreiche Bildsammlung zur historischen Klingspor-Gießerei könne daran gezeigt werden.

Einen Haken hat das aber noch: Rund 50 000 Euro kostet die neue Dauerausstellung, bisher konnte ein Drittel der Summe durch Spenden gesammelt werden. Aber gerade für die Medienstation fehlt noch Geld. „Die Unternehmen Infotronic und Orange Medien stellen sie uns von November bis Jahresende als Leihgabe zur Verfügung, aber um sie auch im kommenden Jahr im Haus zu haben, müssten wir sie erstehen“, sagt Jäger. Im Museum hofft man daher auf die Spendenbereitschaft der Bürger, um die Sammlung eben so zeigen zu können, dass es heißt: „Anfassen erwünscht.“

Sommerfest

Das Klingspor-Museum , Herrnstraße 80, lädt für Sonntag, 30. Juni, zum Sommerfest ein. Das Haus ist in der Zeit von 11 bis 18 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet.
Von 14 bis 17 Uhr dürfen die Besucher bei Führungen die Beispielstationen der geplanten Dauerausstellung ausprobieren. Im Dachgeschoss werden Restbestände von Publikationen gegen eine Spende abgegeben. som
www.klingspormuseum.de

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