Fevziye Özmen zeigte Nadine Gersberg (re.) ihre Arbeit.

Offenbach

Alltag in einem Offenbacher Bus

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Die SPD-Landtagsabgeordnete Nadine Gersberg hat eine Busfahrerin während ihrer Schicht begleitet und sagt, jetzt fahre sie anders Bus.

Frau Gersberg, sind Sie heute schon mit dem Bus unterwegs gewesen?

Nadine Gersberg:Ja, im Winter fahre ich fast täglich, heute morgen zum Beispiel von Bürgel an die S-Bahn nach Wiesbaden zur Fraktionssitzung im Landtag.

Sie haben kürzlich die Offenbacher Busfahrerin Fevziye Özmen einen ganzen Tag lang auf ihrer Schicht begleitet, die um 4 Uhr früh begann. Fahren Sie jetzt anders Bus?

Auf jeden Fall! Da bin ich jetzt viel aufmerksamer. Natürlich schaue ich jetzt erst mal, ob ich Frau Özmen sehe, denn wir haben uns wirklich gut verstanden. Sie behält immer die Ruhe, ist immer freundlich und hat viel Humor. Das muss man erst mal können. Sie hat mich beeindruckt. Und sie wurde auch mehrfach von Fahrgästen für ihre gute Fahrweise gelobt.

Ist es ein harter Job?

Ich hatte nach den sieben Stunden Schicht richtig Rückenschmerzen bei all den Offenbacher Schlaglöchern. Zudem ist die Arbeitszeit geteilt in erst drei Stunden, dann gibt es eine dreistündige Pause, und dann geht es nochmals vier Stunden weiter. Für Fahrer, die nicht in Offenbach wohnen, ist es schwierig, diese Pause beim geteilten Dienst zu überbrücken. Ein Problem sind auch die Toiletten. Da gibt es zwar Dixiklos, aber die werden oft aufgebrochen. Es gibt auch Kooperationen mit Gaststätten oder Vereinen, etwa auf der Rosenhöhe. Aber da hätte ich morgens um 4 Uhr Angst, auf die Toilette zu gehen, wenn da weit und breit niemand ist.

Wer ist denn morgens um 4 Uhr schon mit dem Bus unterwegs?

Klar, erst mal ist es ruhig, aber bald merkt man, wie es losgeht. Ich glaube, viele Leute wollten zur Arbeit an den Flughafen, irgendwann kommen dann die Schüler und schließlich die Leute, die ins Büro wollen.

Wie kamen Sie denn auf die Idee, sich mal die Arbeit der Busfahrerinnen und -fahrer genauer anzuschauen?

Ich war bei einer Streikwache, und da meinte eine Busfahrerin, ich solle mal eine ganze Schicht mitfahren, dann wüsste ich, wie herausfordernd der Job ist. Der Betriebsratsvorsitzende hat mir das dann vermittelt. Ich versuche, öfter so etwas zu machen, ich habe auch schon im Pflegeheim gearbeitet und einen Tag lang einen Förster begleitet.

Interview: Andreas Hartmann

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