Vertreter der Ahmadiyya Muslim Jamaat-Gemeinde in Offenbach: Vorstandsvorsitzender Shazad Latif (Mitte), Talal Bin Khalil, für interreligiösen Dialog zuständig (rechts), und Imam Arbab Ahmad.  
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Vertreter der Ahmadiyya Muslim Jamaat-Gemeinde in Offenbach: Vorstandsvorsitzender Shazad Latif (Mitte), Talal Bin Khalil, für interreligiösen Dialog zuständig (rechts), und Imam Arbab Ahmad.  

Offenbach

Ahmadiyya Offenbach: „Wir sind ein Teil von Deutschland“

  • Agnes Schönberger
    vonAgnes Schönberger
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Die Ahmadiyya-Gemeinde Offenbach sagt, Hass und Gewalt hätten zugenommen. Das Klima werde rauer. Sie will aufklären und für ein gemeinsames Leben in Frieden werben.

In jüngster Zeit hätten Hass und Gewalt zugenommen. „Das Klima wird rauer“, sagt Arbab Ahmad. Er ist der Imam der Ahmadiyya Muslim Jamaat-Reformgemeinde. Besonders seit den Mordanschlägen von Hanau sei die Atmosphäre vergiftet. Es ist mal wieder an der Zeit, Missverständnisse auszuräumen und Vorurteile abzubauen, findet er.

„Wir sind ein Teil dieses Landes, auch wenn wir verschiedene Nationalitäten haben“, sagt der Imam. Und: „Wir haben eine gemeinsame Verantwortung.“ Deshalb suche die Ahmadiyya-Gemeinde den offenen Dialog. Es sei wichtig zu kommunizieren, um sich gegenseitig zu verstehen. Denn nur so könne eine Gesellschaft funktionieren.

Ahmad weiß, welches Bild viele Menschen in Deutschland vom Islam haben. Er glaubt, sie seien nicht richtig informiert. Die Offenbacher Gemeinde hat deshalb eine Plakataktion zur Islam-Aufklärung gestartet. Die Plakate hängen im gesamten Stadtgebiet. Auch Infostände und das Verteilen von Flugblättern in der Fußgängerzone waren geplant.

Ziel war es, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, sagt Shazad Latif, der Vorsitzende der Offenbacher Ahmadiyya-Gemeinde. Doch wegen des Coronavirus musste dieser Plan aufgegeben werden. Dafür sei man jetzt in den sozialen Medien sehr aktiv.

Reformgemeinde

Das Ahmadiyya Muslim Jamaat ist eine islamische Reformbewegung. Sie wurde 1889 in Indien gegründet und baut auf Spiritualität auf. Politik und Macht stehe nicht auf der Agenda, heißt es. Man trete für Menschenrechte sowie die Trennung von Staat und Religion ein. Die Ahmadiyya ist die meistverfolgte muslimische Gemein- de. In Deutschland hat sie nach eigenen Angaben 40 000 Mitglieder.

In Offenbach besteht die Gemeinde seit 1974. Sie hat (inklusive der Stadt Mühlheim) 950 Mitglieder. Die Bait-ul-Jame-Moschee, Boschweg 7, wurde 2007 fertiggestellt. ags

Auf ihrer Facebook-Seite haben sie ganz oben ein Bild gepostet, auf dem neben erhobenen Händen mit Deutschlandfahnen folgender Satz steht: „Wir sind Deutschland.“ Der Imam beschwört den Zusammenhalt der Gesellschaft. Es gelte, Gewalt, Hass, Rassismus und Antisemitismus zu bekämpfen. Ahmadiyya stehe für ein Mit- und ein Füreinander unterschiedlicher Religionsgemeinschaften und Nationalitäten. „Das wollen wir nach außen tragen“, sagt Ahmad und betont, die Bait-ul-Jame-Moschee (Boschweg 7) stehe allen offen.

Die Offenbacher Ahmadiyya-Gemeinde nimmt für sich in Anspruch, den friedlichen Islam zu vertreten. Ahmad verweist auf das jetzige Religionsoberhaupt. Dieses plädiere für den gegenseitigen Respekt der Religionen. Denn nur so könne Frieden in den Gesellschaften geschaffen werden. Diese Botschaft wollen auch die Offenbacher verbreiten.

Einfach ist das nicht. Denn die Ressentiments gegenüber den Muslimen und dem Islam sind groß. Das wissen Ahmad und Latif aus eigener Erfahrung. „Ja, das bekommen wir mit“, sagen sie. Beide sind dennoch optimistisch, etwas bewegen zu können. Wenn sie erst einmal mit Menschen ins Gespräch kämen, erlebten sie immer wieder, dass sich deren Meinung und Denken ändern könne.

Die Ahmadiyya predigen nicht nur Gemeinsamkeit, sondern tun auch etwa dafür. In Offenbach ist die Gemeinde sozial engagiert. Sie beteiligt sich an Blutspende- und Putzaktionen, an Diskussionsveranstaltungen und öffentlichen Festen.

Aktuell hat sie wegen der Corona-Krise eine Nachbarschaftshilfe gestartet, in der ehrenamtliche Helfer Einkäufe erledigen oder Fahrten zum Arzt anbieten. Das Angebot richtet sich insbesondere an Ältere und Hilfsbedürftige „unabhängig von Glaube, Ideologie oder Herkunft“, wie die Gemeinde betont. Ansprechpartner sind Talal Bin Khalih (0179 / 571 68 14) und Abrar Javaid (0157 / 83 04 99 21).

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