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Matheunterricht in der Klasse 1a. Lehrerin Femine Said spricht Englisch mit den Kindern.  

Offenbach

1000 Anmeldungen, aber kein Platz

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Das dreisprachige Erasmus-Bildungshaus in Offenbach will auf dem nahegelegenen Polizei-Areal seine Kapazitäten mehr als verdoppeln und 20 Millionen Euro investieren.

Ich fühle mich hier wie zu Hause“, sagt der neunjährige Ilias. Ein größeres Kompliment kann ein Schüler seiner Schule wohl nicht machen. Ilias besucht die Erasmus-Grundschule im Offenbacher Westend. Der Neunjährige kennt die Einrichtung gut: Er war dort schon in der Krabbelgruppe und im Kindergarten. Diese Möglichkeit, neun Jahre lang bis zum Ende der Grundschulzeit in der vertrauten Umgebung bleiben zu können, aber auch die Dreisprachigkeit und der reformpädagogische Ansatz kommen bei Eltern sehr gut an.

Entsprechend groß ist die Nachfrage. Nach Angaben von Geschäftsführer Rolf Schmidt gibt es 1000 Anmeldungen, „die wir alle abweisen müssen“. Er fühlt sich durch das Interesse an einem Bildungsweg, der nicht durch ständige Wechsel zerrissen wird, auch in seiner Kritik an einem „Schulsystem wie aus dem 18. Jahrhundert“ bestätigt.

Die Erasmus Offenbach GmbH, die Träger der Einrichtung ist, will expandieren. An ihrem bisherigen Standort am Dreieichring ist das aber nicht möglich. Dort ist das Bildungshaus im ehemaligen Gesundheitsamt der Stadt untergebracht. Die unter Denkmalschutz stehende Villa und der in den 1970er Jahren errichtete Anbau waren zwar für die Schulzwecke umgebaut worden. Der Platz ist aber begrenzt, mehr als 210 Kinder können nicht betreut werden.

Das private Erasmus-Bildungshaus wurde im Herbst 2009 in Offenbach eröffnet. Aktuell werden dort 205 Kinder betreut und unterrichtet. Es gibt drei Krabbelgruppen mit jeweils zehn, drei Kita-Gruppen mit jeweils 25 und vier Klassen mit je 25 Kindern. 


Die Initiative war vom Elternverein O.K. Kids ausgegangen. Unterstützt wurde er von der damaligen Bürgermeisterin Birgit Simon (Grüne), die die Schirmherrschaft für das Projekt übernahm. Träger der Einrichtung ist die Erasmus Offenbach gGmbH.

Das Konzept beinhaltet Mehrsprachigkeit (Deutsch, Englisch, Spanisch), Reformpädagogik und eine Ganztagsbetreuung von 7.30 bis 18.30 Uhr.

Die Gebühren für Krippe, Kindergarten, Hort und Mittagessen sind dieselben wie in den städtischen Kitas. Die Schulgebühr beträgt 300 Euro. Etwa 15 Prozent der Kinder erhalten ein Voll- oder Teilstipendium.  ags

Der Umzug des nahe gelegenen Polizeipräsidiums Südosthessen in einen Neubau am Spessartring bietet dem Bildungsbetrieb die langersehnte Chance auf Erweiterung. Die Pläne sind schon sehr konkret. Der Haushaltsausschuss des Hessischen Landtags hat dem Verkauf des Grundstücks zugestimmt. Und Erasmus Offenbach hat bereits eine Anzahlung geleistet, der Restbetrag wird erst bei Übergabe der Liegenschaft fällig. Die Rede ist von einem Kaufpreis von 2,5 Millionen Euro.

Schmidt zufolge sieht die Planung vor, dass die Polizei im Mai 2021 aus ihrem bisherigen Domizil an der Geleitsstraße auszieht. Danach kann mit dem Abriss der schadstoffbelasteten Gebäude begonnen werden. Eine Bauvoranfrage wurde gestellt. Erasmus will die Nachbarschaft rechtzeitig in einer Versammlung über ihre Pläne informieren, da durch den Betrieb mit Lärm und zusätzlichem Autoverkehr zu rechnen ist.

Die Bauzeit für den ersten Bauabschnitt mit Kita und Grundschule schätzt der Geschäftsführer auf 12 bis 18 Monate. Es werden zusätzlich 272 Plätze geschaffen, die die rasant wachsende Stadt gut gebrauchen kann. Im zweiten Bauabschnitt sollen eine Sporthalle und eine weiterführende Schule entstehen.

Die Kosten für die Erweiterung gibt Schmidt mit rund 20 Millionen Euro an. Er hofft auf einen Zuschuss der Stadt zum Kitabau. Außerdem sei man in Verhandlungen mit dem Land, weil die Schadstoffbelastung und damit die Kosten für die Beseitigung höher als erwartet seien.


Schmidt sieht die Erasmus-Schule als Vorreiter einer Schulform der Zukunft. Mit der Mehrsprachigkeit, den fließenden Übergängen von Krabbelstube, Kindergarten und Schule, den langen Öffnungszeiten (55 Stunden pro Woche) und dem guten Personalschlüssel für die Betreuung und in der Schule sei sie ein „Modellprojekt für Deutschland“. Denn wo sonst könnten Kinder neun Jahre zusammen in einem Haus bleiben? Das sei frühkindliche Bildung „aus einem Guss“.

Dass die Eltern dieses Angebot zu schätzen wissen, zeigt auch die hohe Übertrittsquote vom Erasmus-Kindergarten in die Erasmus-Grundschule. Im vergangenen Jahr lag sie nach Angaben Schmidts bei 99 Prozent.

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