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Fußballprofi Gerrit Gohlke gratuliert Margarete Spitzfaden zum 100. Geburtstag. Als Geschenk gab’s ein OFC-Trikot.

Runder Geburtstag

Offenbach: Mit 100 noch Kickers-Fan

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Margarete Spitzfaden hält dem OFC seit mehr als 60 Jahren die Treue. Zum runden Geburtstag gab’s ein Trikot. Die Seniorin ist jetzt die Nummer 100 bei den Kickers.

Sie ist wohl der älteste Kickers-Fan. Margarete Spitzfaden, die am vergangenen Freitag 100 wurde, besuchte 1956 gemeinsam mit ihrem Mann Bodo zum ersten Mal das Stadion am Bieberer Berg. Und verpasste in den folgenden Jahrzehnten kaum ein Heimspiel. Was beweist: Sie ist nicht nur treu, sondern offensichtlich auch leidensfähig. Denn der Verein erlebte zwar tolle Erfolge (schon länger her), aber auch herbe Enttäuschungen. Und einen erschütternden Manipulationsskandal.

Doch Marga, wie Freunde sie nennen, blieb leidenschaftliche OFC-Anhängerin. Zum runden Geburtstag gratulierten Fußballprofi Gerrit Gohlke und Pressesprecher Lars Kissner der immer noch rüstigen Seniorin. Als Geschenk gab’s ein OFC-Trikot mit der Rückennummer 100 und ihrem Namenszug. „Sie können sehr stolz sein. 100 Jahre schaffen nicht viele“, bemerkte Gohlke.

Obendrein versprach ein OFC-Sponsor der „Kickers-Oma“ eine Stadtrundfahrt. Im Luxusauto wird Taxi-Chef Addy Wehner persönlich die Jubilarin durch Offenbach fahren. Selbstverständlich mit einem Abstecher zum Bieberer Berg.

Über das Ehepaar Spitzfaden heißt es, es habe sogar den Tag seiner Silbernen Hochzeit lieber mit Tausenden Zuschauern im Stadion als in trauter Zweisamkeit verbracht. Die Atmosphäre hat beiden wohl gefallen. Auch herbe Sprüche und Flüche störten sie nicht. Das gehöre doch zum Fußball dazu, findet Spitzfaden.

2013 ist ihr Mann gestorben. Die Seniorin lebt inzwischen in einem Pflegeheim im Offenbacher Westend. Ihr Zimmer ist leicht zu finden. An der Tür hängt ein Poster mit der Kickers-Mannschaft und am Griff des Rollators ein rot-weißes Minitrikot.

Im Sommer soll die 99-Jährige noch auf der Tribüne gesessen haben. „Ich habe Freunde, die nehmen mich mit“, sagt sie. Im Winter ist es ihr im Stadion aber zu kalt. Im Seniorenheim teilt kaum jemand ihre Leidenschaft. Der Einzige, mit dem sie über Fußball fachsimpeln könnte, ist Eintracht-Fan. Der ärgere sie manchmal. Und dann gebe es Knatsch im Heim, weiß Kissner.

Der Kickers-Sprecher erinnert daran, dass der Rivale von der anderen Mainseite erst 1920 aus der Fusion der Kickers Frankfurt mit Victoria hervorgegangen sei. Da gab’s den OFC schon 19 Jahre. „Das ist ja wunderbar“, freut sich die Seniorin. Und verschweigt, dass ihr Mann und sie vor ihrem Umzug von Sachsenhausen nach Offenbach auch Eintracht-Fans waren. Kissners Kommentar: „Jeder kann sich weiterentwickeln.“

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