+
Jana Bleckmann und Stefan Beck vor dem denkmalgeschützten Stellwerk.

Offenbach

Offenbach: Neue Nutzung für altes Stellwerk

  • schließen

Ideenaustausch bei Grillfest.

Offene Räume, in denen sich Initiativen, Vereine oder Nachbarn treffen und Ideen verwirklichen können, sind auch in Offenbach inzwischen rar. Das ehemalige Stellwerk neben dem Hauptbahnhof könnte ein solcher Ort werden. Das schwebt zumindest Jana Bleckmann und Stefan Beck vor, die an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach beziehungsweise an der Frankfurter Goethe-Universität studieren.

Sie treiben das Projekt seit kurzem mit Gleichgesinnten voran. Bei einem Grillfest am Sonntag, 25. August, ab 15 Uhr sind Anwohner und Interessierte in den Hof des denkmalgeschützten Gebäudes an der Bismarckstraße 118 (an der Unterführung zur Marienstraße) eingeladen, sich in ungezwungener Atmosphäre zu informieren und auszutauschen.

Die beiden Studierenden betonen, es handle sich nicht um ein „abgeschottetes Studienprojekt“. Vielmehr solle ein hierarchiefreier, solidarischer Raum von und für alle Offenbacher entstehen. Es gebe noch kein klares Konzept, sagt Beck. Die Gruppe von etwa 25 Interessierten sei „total offen“.

Man wolle keine „fancy Kunstideen“ verwirklichen, sondern flexibel und wandelbar sein, sagt Bleckmann, die ebenso wie Beck in Offenbach lebt. Beide sind überzeugt, dass eine neue Nutzung des historischen Gebäudes unter Einbeziehung der Nachbarschaft in Offenbach gut funktionieren kann, „ weil die Menschen sehr kommunikativ sind“, so Beck.

Beide sehen aber auch die Gefahr der Aufwertung des 1000 Meter großen, bislang unwirtlichen Areals an der Bahnunterführung, das die Stadt vor einem Jahr gekauft hatte. Die Kommune will am Fußweg Richtung Marienstraße eine kleine Grünfläche schaffen und vor der heutigen Brandwand einen Neubau errichten. Dort könnte ein gemeinschaftliches Wohnprojekt ähnlich dem Mehrgenerationenhaus an der Weikertsblochstraße entstehen. Alternativ ist auch die Entwicklung des Geländes durch die Gemeinnützige Baugesellschaft Offenbach im Gespräch.

Kein HfG-Projekt mehr

Auch das Stellwerk gehört der Stadt. Sie war an Heiner Blum, HfG-Professor für Experimentelle Raumkonzepte, herangetreten, der mit Studierenden Ideen für verschiedene Plätze und Gebäude im Senefelder Quartier entwickeln sollte. Schließlich hatte sich die Zusammenarbeit in der Vergangenheit bei Projekten wie dem Robert Johnson Club, dem Waggon am Kulturgleis oder dem Institut für Klangforschung in den Zollamtsstudios bewährt.

Inzwischen ist das Stellwerk-Projekt nicht mehr bei der HfG angesiedelt, sondern unabhängig. Bleckmann nennt als Vorbild das Centro in Alt-Rödelheim, das von einem Kollektiv ohne kommerzielle Interessen betrieben wird.

Ende Juli war bei einem ersten Treffen über die künftige Nutzung des alten Stellwerks, das auf einem Sockel aus rotem Sandstein und einem Obergeschoss aus Holz besteht, diskutiert worden. Als Referenten waren Vertreter der Hamburger „Planbude“ eingeladen, die aus den Protesten um den geplanten Abriss der Esso-Häuser entstanden war. Gemeinsam wurde überlegt, wie es gelingen kann, auch die Nachbarschaft einzubeziehen.

Wer sich mit Vorschlägen zur künftigen Nutzung des Stellwerks einbringen möchte, kann zu der Gruppe Kontakt aufnehmen unter stellwerk@systemli.org.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare