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Martin Wilhelm möchte künftig im Offenbacher Rathaus arbeiten.
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Martin Wilhelm möchte künftig im Offenbacher Rathaus arbeiten.

Offenbach

Offenbach: Martin Wilhelm (SPD) will Kämmerer werden

  • Timur Tinç
    VonTimur Tinç
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Der bisherige SPD-Fraktionschef Martin Wilhelm soll zum Kämmerer in Offenbach gewählt werden. Auch wenn er sparen muss, will er kein Kämmerer der reinen Zahlen sein.

An den Arbeitszeiten wird sich für Martin Wilhelm nicht viel ändern. „Ich habe von 8 bis 17.30 Uhr gearbeitet und dann ging es bis 22 Uhr oder später politisch weiter“, sagt der noch amtierende SPD-Fraktionsvorsitzende in der Offenbacher Stadtverordnetenversammlung. Am Donnerstag soll der 35-Jährige mit den Stimmen der Ampelkoalition zum neuen Kämmerer gewählt werden. Eine herausfordernde, spannende Aufgabe, vor der er sehr großen Respekt habe. „Aber ich freue mich riesig darauf, – wenn die Wahl klappt – am Freitag zu starten.“

Sparen ist angesagt

Der gebürtige Offenbacher wird sich sofort in die Arbeit stürzen und dann mindestens zwölf bis 14 Stunden arbeiten müssen. Seit Anfang Juni hat der noch amtierende Kämmerer Peter Freier (CDU) seinem designierten Nachfolger den Zugang zur Kämmerei ermöglicht, um auf den Stand gebracht zu werden. „Da bin ich Herrn Freier auch sehr dankbar für“, sagt Wilhelm. Angesichts der großen Liquiditätslücken in der mittelfristigen Finanzplanung wird es Wilhelms erste Aufgabe sein, mit allen Ämtern Einsparungen vorzunehmen. „Wir gehen den schweren Weg, wir schauen uns alles an“, sagt er. Denn sein oberstes Ziel sei es, eine Grundsteuererhöhung zu vermeiden.

Martin Wilhelm möchte nicht nur ein Kämmerer der reinen Zahlen sein. Das gehöre zwar auch dazu, aber man müsse begreifen: Was lösen die Zahlen aus? Was ist möglich? Was ist nicht möglich? Deswegen war es der SPD ein wichtiges Anliegen, für das Sozialamt und den Eigenbetrieb Kommunales Jobcenter Mainarbeit zuständig zu sein. Auch der Eigenbetrieb Stadt Offenbach (ESO) mit seinen kommunalen Dienstleistungen, das Bürgerbüro sowie die Gemeinnützige Baugesellschaft (GBO) werden künftig Wilhelm unterstehen. „So kriegt man ein besseres Gefühl dafür, wenn man weiß, hinter den Zahlen ist etwas, was unangenehm werden kann“, sagt er.

Mit Zahlen hat er auch in seinem Beruf viel zu tun gehabt. Der studierte Wirtschaftsinformatiker war zuletzt Projektleiter bei der Deutschen Bahn in der DB Netz AG und verantwortlich für 30 Mitarbeiter. Mit einem Budget zwischen zehn und 15 Millionen Euro wurden Anwendungssysteme für die DB-Netze unter seiner Führung entwickelt. „Ich hatte zwei sehr agile Teams, die sehr selbstständig gearbeitet haben. Der Unterschied mit den Ämtern wird, da Offenbach nicht Frankfurt ist, nicht so groß sein“, glaubt Wilhelm.

Politisiert durch Irakkrieg

In die SPD ist er mit 17 Jahren eingetreten. Besonders politisiert hat ihn der zweite Irakkrieg im Jahr 2003. Das Nein des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder (SPD) zur deutschen Beteiligung am völkerrechtswidrigen Einmarsch der USA in den Irak hat er unterstützt. „Ich fand es gut, dass Deutschland klare Kante gezeigt hat“, sagt Wilhelm, der von 2006 bis 2013 Chef der Offenbacher Jusos war. 2011 wurde er ins Stadtparlament gewählt und erlebte fünf Jahre als einfacher Stadtverordneter in Regierungsverantwortung. Als die SPD 2016 in die Opposition musste, wurde Wilhelm im Oktober 2017 Fraktionschef seiner Partei. „Die harten Auseinandersetzung, die man im Politischen führt, formen einen“, findet er.

Der Sozialdemokrat will sich beim Thema Wohnen für mehr bezahlbaren Wohnraum in der wachsenden Stadt einsetzen. „Da müssen wir vorankommen“, sagt Wilhelm. Die GBO müsse mehr geförderte Wohnungen bauen. Er will auch weiterhin ein offenes Ohr für alle Bürgerinnen und Bürger haben. „Das Schlimmste, was man machen kann, ist, sich im Rathaus zu verbarrikadieren.“

Zum Ausgleich zu seiner Arbeit will er, wie bisher auch schon, morgens eine Stunde im Wald laufen. „Es gibt kein Wetter, bei dem ich nicht laufe. Außer es gibt einen Orkan“, sagt Wilhelm schmunzelnd.

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