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Lernbuddie Chi Le hilft der Grundschülerin Lina* seit drei Monaten bei den Hausaufgaben.
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Lernbuddie Chi Le hilft der Grundschülerin Lina* seit drei Monaten bei den Hausaufgaben.

Offenbach

Offenbach: Lernbuddies helfen Kindern aus der dritten und vierten Klasse

  • Timur Tinç
    VonTimur Tinç
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Das Projekt der Volkshochschule Offenbach soll coronabedingte Lerndefizite verringern und Spaß am Lernen vermitteln. Die VHS sucht bereits Tandems fürs kommende Schuljahr.

In einem Raum im vierten Stock der Volkshochschule Offenbach sitzen sich Chi Le und Lina* (Name von der Redaktion geändert) gegenüber. Während die neunjährige Lina ein Bild für den Kunstunterricht malt, schaut ihr die 24-Jährige Le zu. Zusammen bilden die beiden ein Lerntandem im Rahmen des Projekts Lernbuddies von der Volkshochschule (VHS), das sich speziell an Schülerinnen und Schüler der dritten und vierten Klasse richtet.

Erst seit einer Woche treffen sich Le und Lina persönlich. Drei Monate lang sahen sie sich nur online am Bildschirm. „Am Computer war es okay, aber in echt ist besser“, findet Lina. Le, die Psychologie studiert, sagt: „Wir haben uns von Anfang an gut verstanden und Lina ist eine super fleißige Schülerin.“

Eltern geraten an die Grenze

20 Lernbuddies, Schüler:innen und Studierende im Alter zwischen 16 und 26, betreuen derzeit 23 Kinder. „Es ist keine Nachhilfe, sondern eine Begleitung, die die Kinder befähigen soll, Spaß am Lernen zu erfahren“, erklärt Elisa Campregher-Nass, die das Projekt seit Februar koordiniert. Finanziert wird es in diesem Jahr von der Commerzbank-Stiftung mit 20 000 Euro. Eines der Ziele ist, die Lerndefizite während der Pandemie zu verringern.

Die Idee für Lernbuddies hatte Beatrice Ploch, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Fachstelle Bildung bei der VHS. Inspiriert von der Online-Plattform Corona-School wollte sie vor allem etwas für kleinere Kinder schaffen – aber nicht online, sondern analog. „Kinder lernen in Beziehungen, in Interaktionen“, sagt Ploch, die im Mai vor einem Jahr mit der Konzeption begann. Im Sommer begann dann die Suche nach Lernbuddies, die eine pro Termin eine Aufwandsentschädigung von fünf Euro erhalten. Das verlief anfangs noch etwas schleppend.

Ganz wichtig war von Anfang an, dass es sich um ein freiwilliges Angebot handelt. Die Eltern müssen sich aktiv an die VHS wenden. Gerade nach dem zweiten Lockdown im Oktober ist die Nachfrage „explodiert, und wir mussten die Warteliste im November schließen“, berichtet Ploch. Bereits im September waren da die ersten Lerntandems schon gestartet. Eine ehemalige Grundschuldirektorin hat die Lernbuddies geschult und ihnen klargemacht, was beim Lernen mit Acht- bis Zehnjährigen wichtig ist. Für jedes einzelne Tandem hat die VHS ein Kennenlerntreffen zwischen Eltern, Kind und Lernbuddie online organisiert.

„Anfangs haben sich die meisten Tandems in der Kinderbibliothek getroffen. Da konnte man auch mal ein Spiel ausleihen, wenn das Kind eine Konzentrationsschwäche hat“, erzählt Ploch. Im Dezember mussten die Tandems dann alle auf Videokonferenzplattformen ausweichen – eigentlich genau das, was Ploch nicht wollte. Eine andere Alternative gab es aber nicht.

Durch den Distanzunterricht im zweiten Lockdown sind viele Kinder in Schwierigkeiten gekommen. „Ohne festen Unterricht das Lernen zu strukturieren ist nicht einfach. Viele Eltern geraten da an ihre Grenzen“, sagt Campregher-Nass. Neben der Sprachbarrieren kommt hinzu, dass viele berufstätig sind. „Indem sie sich an uns wenden, unterstützen sie ihre Kinder so“, betont Campregher-Nass. So war es auch bei Lina.

„Mir haben meine älteren Geschwister geholfen“, erzählt die Neunjährige, die sich ein Zimmer mit zwei älteren Brüdern teilt und noch ein kleines Geschwisterchen hat. In der Zeit des Distanzunterrichts hat sie von ihren Lehrer:innen Aufgabenblätter zugeschickt bekommen, die sie dann zusammen mit Chi Le gemacht hat. „In der Regel haben wir eine Stunde, zwei Mal die Woche gemacht“, berichtet Le, die neben dem Studium in einer Schule arbeitet und daher weiß, wie Kinder ticken.

Im Nebenraum des vierten Stocks in der vhs sitzt Omera Gharwal mit zwei Mädchen, die die dritte Klasse besuchen. „Wir haben uns zuletzt auch mal draußen im Park getroffen und auf die Wiese gesetzt“, sagt die 18-Jährige. Jetzt sind alle wieder froh, einen festen Lernort in den Räumen der vhs zu haben und endlich wieder in die Schule gehen zu können.

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