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Die Gleise sind schon weg, die Güterhalle aber bleibt: Die künftige Nutzung ist noch ungewiss. 

Offenbach

Offenbach: Leben und Arbeiten neben den Gleisen

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Der Projektentwickler Aurelis hat seine Pläne für Güterbahnhof-Areal im Osten Offenbachs konkretisiert: Enstehen soll ein stark durchmischtes urbanes Quartier.

In Offenbach steht ein Großprojekt in den Startlöchern: Auf dem knapp neun Hektar großen Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs nördlich der S-Bahn-Station Offenbach-Ost entsteht ab Frühjahr bis 2024 das „Quartier 4.0“: ein durchmischtes Viertel mit Wohnungen, Büros, Park und Gymnasium sowie Flächen für „urbane Produktion“, also emissionsarme Industrienutzungen.

Konkret sieht die Planung so aus: Eine u-förmige Straße erschließt von der Unteren Grenzstraße aus das rechteckige Areal. Ganz im Westen ist als Blickfang ein siebenstöckiges Gebäude mit Einzelhandel geplant, in das etwa ein Hotel einziehen könnte. Daneben entsteht ein Parkhaus. Am nördlichen Rand des Geländes, wo neben einem Gewerbegebiet in den letzten Jahren ein kleiner Wald gewachsen ist, sind fünf dreigeschossige Gewerbebauten geplant. Die Idee: Hallenhohe Decken sollen in den Erdgeschossen fabrikartige Nutzungen ermöglichen. Darüber finden Büros Platz.

„Wir wissen, dass Spin-offs der Hochschule für Gestaltung Nachfrage nach solchen Bürotypen haben“, erklärt Elmar Schütz von der Immobilienfirma Aurelis, die das Areal samt Infrastruktur entwickelt, von Altlasten befreit und danach an Projektentwickler verkauft. Aurelis hat Erfahrung mit der Konversion von Bahnflächen: In Mainz realisiert die Firma auf fünf Hektar ein ähnliches Projekt, in Frankfurt hat Aurelis die Entwicklung des Europaviertels betreut, und auch in Darmstadts Westen ist auf zwölf Hektar eine solche Umwandlung geplant.

Auffällig in Offenbach ist die Mischung: So entstehen möglichst lärmgeschützt im Innern des Areals in vier- bis fünfgeschossigen Bauten auch rund 300 Wohnungen – plus Läden und Kita. 20 Prozent der Wohnungen werden gefördert. Dass es nicht wie geplant 30 Prozent geworden sind, liege an dem sechszügigen Gymnasium, das die Stadt im Osten des Areals bauen will und zwischenzeitlich noch bei Aurelis angemeldet hat, erklärt Offenbachs Baudezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP). 50 Millionen Euro soll die Schule kosten, die die Stadt dringend benötigt. So dringend, dass Offenbach eine Sondergenehmigung beim Regierungspräsidium (RP) beantragt hat – denn das Grundstück liegt in einer Fluglärm-Schutzzone, wo Schulneubauten nicht erlaubt sind. „Standorte außerhalb der Zone konnten nachweisbar nicht gefunden werden“, heißt es bei der Stadt. Das RP hat die Genehmigung in Aussicht gestellt.

Neben der Schule entsteht ein Park mit Spiel- und Bolzplatz. Stehen bleiben laut Aurelis ein bewohnter Verwaltungsbau und die Güterhalle an den Gleisen. Ob dort „urbane Produktion“ einzieht oder etwa – wie in Mainz – bloß ein Fitnessstudio, ist offen. Fest steht, dass daneben ein Platz entsteht. Den Bebauungsplanentwurf für das Quartier hat der Magistrat gebilligt, die Stadtverordneten sollen das nächste Woche tun. Baurecht wolle man bis zum Frühjahr schaffen, sagt Weiß: „Dann kann losgelegt werden.“

Mehr Informationenhier: bit.ly/36AeVZc

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