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Vorsichtig säubert Katja M. Schneider vom Haus der Stadtgeschichte einen alten Schädel.  

Offenbach

Offenbach: Das Kulturkarree ist kein Geheimtipp mehr

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Das Klingspor-Museum und das Haus der Stadtgeschichte im Offenbacher Kulturkarree verzeichnen Besucherzuwächse. Zu Corona-Zeiten gibt es neue digitale Angebote.

Nur wenige Hundert Meter vom Kern des Offenbacher Stadtzentrums entfernt fristet ein Ensemble von Kulturinstitutionen seit Jahren ein Nischendasein: das Kulturkarree zwischen Büsingpark und Mainstraße. Doch aus der Nische wird ein immer beliebterer Kulturort: Wie aus einer statistischen Veröffentlichung der Stadt hervorgeht, verzeichnete sowohl das Klingspor-Museum für Schriftkunst als auch das Offenbacher Haus der Stadtgeschichte im vergangenen Jahr satte Zuwächse bei den Besucherzahlen.

Jürgen Eichenauer leitet das Haus der Stadtgeschichte. Er hat eine Erklärung dafür parat, warum sich immer mehr Menschen für die Angebote der Einrichtung, die in dem Backsteinbau einer alten Zigarrenfabrik residiert, interessieren: So habe ein in den letzten Jahren verjüngtes Team das Museum in pädagogischer Hinsicht neu aufgestellt. „Wir gehen auf die Kinder und Jugendlichen in der Stadt zu“, sagt Eichenauer. Zu den neuen Formaten, die eingeführt wurden, zählen etwa interaktive Stadtführungen: Im Rahmen derer werden bedeutsame Offenbacher Orte besucht und auf einem anfangs leeren Stadtplan mit historischen und aktuellen Fotografien versehen. So sollen die Kinder der Geschichte des ehemaligen Fischerdorfs und der alten Industriestadt näherkommen. Auch sei man mittlerweile „mit Herzblut“ auf diversen Kanälen im Internet unterwegs, so Eichenauer.

Offenbacher Kultur im Netz

Digitale Kulturangebote präsentiert die Stadt Offenbach seit Beginn der Coronakrise auf offenbach.de/kultur- und-tourismus/kultur-online.php.

Auch ein digitaler Rundgang durch die aktuelle Ausstellung des Klingspor-Museums findet sich dort. Mehr zur Ausstellung auf vimeo.com/401634615.

Mehr Informationen unter klingspor-museum.de sowie unter haus-der-stadtgeschichte.de. fab

Beim Klingspor-Museum erkläre die schrittweise Erweiterung des Angebots den Zuwachs, vermutet Museumsleiter Stefan Soltek. Das städtische Museum im Büsing-Palais, das nach dem Offenbacher Schriftgießereibesitzer Karl Klingspor benannt ist und dessen Besitz 1953 den Grundstock für die Museumssammlung bildete, hat seit 2019 mit „Klingspor permanent“ eine Dauerausstellung bekommen. Darin gibt es auch interaktive Elemente zu erleben, etwa einen Computertisch, mit dem man Schriftkunst zusammenfügen und als Postkarte ausdrucken kann. Auch kooperiert das Museum im Bereich Schriftgeschichte mit der Hochschule für Gestaltung (HfG), was vermehrt junge Menschen ins Haus bringe.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 14 818 Menschen haben 2019 das Klingspor-Museum besucht – eine Steigerung um mehr als zwanzig Prozent gegenüber 2015. Ähnlich sieht die Entwicklung im Haus der Stadtgeschichte aus, das im letzten Jahr 11 522 Menschen besuchten – das entspricht gegenüber 2015 einem Plus von fast 30 Prozent. Dabei ist klar, dass Offenbach aber weiter in einer ganz anderen Liga spielt als Frankfurt, dessen neues Historisches Museum im Jahr 2018 mehr als 156 000 Menschen anzog.

Die Offenbacher Politik will die Attraktivität des Kulturkarrees in den kommenden Jahren weiter steigern – durch die Einrichtung einer Druckwerkstatt und den Bau eines neuen direkten Zugangs zum Main auf Höhe der Herrnstraße, wo das Haus der Stadtgeschichte liegt. Doch so ganz klar ist die Strategie zur Stärkung des Karrees nicht: So soll die Stadtbibliothek, die wie das Klingspor-Museum im Büsing-Palais ihren Sitz hat, in die Fußgängerzone verlegt werden – und künftig dort als Frequenzbringer fungieren.

Dass die Besucherzahlen im laufenden Jahr aufgrund der Corona-Krise einbrechen werden, ist logisch. Eigentlich wollte das Haus der Stadtgeschichte in 2020 mehrere Ausstellungen zur Druckgeschichte Offenbachs zeigen. Doch jetzt ist das Haus erst einmal zu: Kuratorin Katja M. Schneider nutzt die Zeit zum Sortieren der Bestände und zum Reinigen der Vitrinen. Sie sollen in neuem Glanz erstrahlen, wenn die Krise überstanden ist und wieder Menschen in das Museum dürfen.

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