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Koloss zwischen Kleingärten: 900 Personen sollen ab 2021 im Neubau des Polizeipräsidiums Südosthessen in Offenbach arbeiten.

Offenbach

Offenbach: Kritik an hoher Arbeitsbelastung bei Polizei

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Die Diskussion um die personelle Besetzung der Offenbacher Reviere geht weiter. Die SPD-Landtagsabgeordnete Gersberg und der Personalrat fordern neue Stellen.

Braucht eine rasant wachsende Stadt trotz konstant sinkender Kriminalitätsrate mehr Polizei? Diese Frage steht im Kern einer Diskussion, die derzeit in Offenbach geführt wird und die in den letzten Tagen an Intensität zugenommen hat.

Die Offenbacher SPD-Landtagsabgeordnete Nadine Gersberg hatte die Debatte im April losgetreten, nachdem sie von Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) Antworten auf eine Kleine Anfrage zum Thema erhalten hatte. Gersberg warf Beuth vor, die Offenbacher Polizeireviere bei der Stellenbesetzung „sträflich im Stich zu lassen“. Der Fraktionsvorsitzende der CDU im Offenbacher Stadtparlament, Roland Walter, hält Gersberg nun fehlende Kenntnisse vor: Wer „neue Arbeits- und Ermittlungsformen“ außer Acht lasse und einfach Stellen fordere, dem fehle „schlicht das Verständnis für die Zusammenhänge von Personal- und Organisationsentwicklung“ bei der Polizei, so Walters Kritik. Zudem müsse man bedenken, dass 2019 in Offenbach unter Beteiligung der Polizei ein neues Haus des Jugendrechts entstanden ist.

Weniger Straftaten in Offenbach

Das Polizeipräsidium Südosthessen mit Sitz in Offenbach ist für den Main-Kinzig-Kreis sowie für Landkreis und die Stadt Offenbach zuständig.

Die Kriminalstatistik weist für die Stadt Offenbach 9 927 registrierte Straftaten in 2019 auf – 603 weniger als in 2018. Das ist der niedrigste Wert seit Bestehen des Präsidiums in 2001.

Detaillierte Zahlen gibt es hier: k.polizei.hessen.de/997218285. fab

Das Innenministerium erklärt die von Walter erwähnten neuen Ermittlungsformen so: Man habe zur Entlastung der Reviere zum Beispiel eine regionale Ermittlungsgruppe eingerichtet. Zudem seien Kriminalkommissariate wie der Staatsschutz verstärkt worden. Beides sorge für eine „spürbare Entlastung der Kolleginnen und Kollegen“ in Offenbach. Denn bestimmte Arbeiten fielen seitdem nicht mehr in den Revieren an, sondern im Präsidium. Zudem sei es wie in ganz Hessen auch in Offenbach „erklärtes Ziel, den Wach- und Wechseldienst im Rahmen von zusätzlichen Stellenzuweisungen zu verstärken“.

Deutliche Veränderungen hatte es bei den Offenbacher Revieren zuletzt Anfang der 2000er Jahre gegeben, als CDU und FDP das Land regierten: Damals wurde das 3. Revier geschlossen und die Zahl der Beamten im Wachdienst von 128 auf 120 reduziert. In den letzten zehn Jahren hat sich dann nicht mehr viel getan: Im 1. Revier im Mathildenviertel gibt es 65 Stellen – wie 2010. Im 2. Revier in der Berliner Straße sind es heute 54 Stellen und somit drei mehr als damals. Gleichzeitig ist die Zahl der registrierten Kriminalfälle in Offenbach aber auf den niedrigsten Wert seit Einrichtung des Präsidiums im Jahr 2001 gefallen.

Aus der Statistik sei „der Personaldruck aber nicht abzulesen“, kritisiert nun wiederum Gersberg. Sie wisse aus Gesprächen, dass die Polizistinnen und Polizisten der Offenbacher Reviere viele Überstunden leisteten. Das bestätigt der Personalrat des Polizeipräsidiums Südosthessen, Stefan Wagner. Das Präsidium in Offenbach – das auch für den Kreis und für Main-Kinzig zuständig ist – sei landesweit eines der wenigen Präsidien, wo man mit vier anstatt fünf Dienstgruppen für den Schichtbetrieb arbeite. Eine zusätzliche Gruppe könne Wagner zufolge den Arbeitsalltag entlasten – etwa, weil dann längere Ruhepausen nach Nachtschichten möglich seien. So ließe sich die Arbeitszufriedenheit steigern. Und auch neues Personal ließe sich so wohl besser finden – das Land hat Schwierigkeiten, neue Stellen bei der Polizei zu besetzen.

2021 ziehen die Offenbacher Reviere in den Präsidiumsneubau am Spessartring und in der City entsteht eine gemeinsame Wache mit der Stadtpolizei. Wagner begrüßt diese Veränderungen sehr. Die Reviere seien marode, ein Umzug „zwingend notwendig“.

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