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Wollen den Design-Standort stärken: Lina Djouiai und Frank Zebner in der Hochschule für Gestaltung.

Stadtentwicklung

Die klugen Köpfe sollen in Offenbach bleiben

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Die Stadt und die Hochschule für Gestaltung wollen mit einem Forschungsprojekt den Designstandort stärken.

Wenn es viele schlaue Köpfe von einem Ort zu einem anderen zieht, spricht man gemeinhin von einem „Brain Drain“. Der Offenbacher Designprofessor Frank Zebner spricht mit Blick auf die Anziehungskraft großer Metropolen wie Berlin von einem „Design Drain“. Die hippe Hauptstadt ziehe gute Designerinnen und Designer an wie ein Magnet – mit dem Ergebnis, dass den Unternehmen in Offenbach und im Rhein-Main-Gebiet gut ausgebildete Leute fehlten. Selbst in Frankfurt habe man ein Problem, gut zu rekrutieren, sagt Zebner, der selbst international als Designer tätig ist. „Noch krasser“ sei die Situation im Umland.

Um diesem Trend ein Stück weit entgegenzuwirken und neue Impulse in Stadt und Region zu setzen, hat Zebner an der Hochschule für Gestaltung (HfG) in Offenbach das Projekt „Designpark“ ins Leben gerufen – zusammen mit der örtlichen Industrie- und Handelskammer (IHK), der kommunalen Wirtschaftsförderung sowie mit Unterstützung der „Hessen Trade & Invest GmbH“ (HTAI) des Landes. „Ziel ist es, durch wissenschaftliche Forschung einen sichtbaren Beitrag zur Diskussion des Themas Design zu leisten, Design-Projekte nach Offenbach zu holen, Partner aus der Wirtschaft für den Standort zu gewinnen, aber auch hier zu halten“, erklärt Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD), warum die Stadt das Projekt unterstützt. Mirjam Schwan von der IHK Offenbach drückt es so aus: „Es soll ein Raum für kreatives, branchenübergreifendes Forschen, Entwickeln und Zusammenarbeiten entstehen, in dem der Faktor Design eine entscheidende Rolle spielt.“ IHK, Stadt und HTAI fördern das Projekt gemeinsam über drei Jahre mit je mindestens 65 000 Euro. Forschungsbudgets und private Drittmittel sollen den Etat für den Designpark weiter vergrößern.

Ein solcher „Park“ kann ein Gelände oder Gebäude sein (oder beides), in dem Designerinnen und Designer arbeiten, sich mit der Industrie vernetzen und neue Start-ups gründen. Ein solches Zentrum käme der Idee eines zweiten Gründerzentrums sehr nahe, das sich die Stadt schon lange wünscht, um die lokale Kreativ- und Designszene zu unterstützen und zu halten. Doch bis ein solches Zentrum eingerichtet ist, dürfte es noch lange dauern.

„Wir können nicht warten, bis irgendwann einmal ein Haus steht“, sagt Zebner deshalb. Er sieht den Designpark auch „nicht notwendigerweise als etwas, was nur an einem Ort stattfindet“. Ein Gelände oder einen Gebäudekomplex zu finden, sei deshalb nur ein möglicher Bestandteil des Forschungsprojekts, das mindestens bis 2021 bestehen soll. Was aber kann ein Designpark sein, wenn – nicht nur – ein Ort? „Wir haben sehr viele Ideen und nicht zu allem eine Antwort“, beschreibt Zebner den offenen Prozess. Er nennt ein Beispiel: So gebe es entlang des Mains vom Frankfurter Museumsufer über den Osthafen und Fechenheim, das Offenbacher Nordend bis hin zur HfG und zu dem künftigen Entwicklungsareal auf der Fläche eines alten Chemiewerks im Offenbacher Osten eine ganze Menge „Hotspots“ der Designbranche. Diese Aneinanderreihung sei „ziemlich faszinierend“, sagt Zebner – viele haben sie aber wohl nicht in dieser Intensität auf dem Schirm. Beim Designpark geht es folglich also auch darum, das Bestehende sichtbarer zu machen, besser zu vernetzen und auszubauen. Einige große Unternehmen hätten bereits Interesse an dem Projekt bekundet – unter anderem aus China.

Zebner leitet gemeinsam mit Designerin und HfG-Absolventin Lina Djouiai die Kreativ- und Strategiedirektion im Designpark, auch studentische Hilfskräfte arbeiten an Konzepten mit. Ideelle Unterstützung hat das Forschungsprojekt unter anderem in Person des Fraktionsvorsitzenden der Offenbacher FDP, Oliver Stirböck, der auch im neuen Landtag sitzt, gefunden: Er fordert einen erleichterten Zugang von Gründern zu Risikokapital, etwa über die Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen oder aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung.

Zebner hofft, von der HfG aus eine Entwicklung „mitmoderieren“ zu können und eine Diskussion darüber anzustoßen und zu begleiten, was die Designbranche künftig braucht, um die Talente in der Region zu halten und sie „noch näher zur Industrie zu platzieren“, wie er es formuliert. Und er betont in diesem Zusammenhang auch die wachsende Bedeutung, die viele Kreative der Nähe zwischen ihrem Arbeitsplatz und ihrem Wohnort beimessen. Man wünsche sich „urbanes Leben“, und das gebe es eben eher in einem städtischen Quartier als in einem suburbanen Areal, wo sich Lagerhallen und Supermärkte mit öden Bürocentern und Parkplätzen abwechseln: Stichwort „Fabrik in der Stadt“. Hier können das Rhein-Main-Gebiet und Offenbach punkten, glaubt Zebner – denn die Wege hier sind oft kurz. Oft deutlich kürzer als in Berlin.

Designprojekt in Offenbach im Überblick

Das Projekt „Designpark Offenbach“ wurde von Frank Zebner gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer Offenbach, der städtischen Wirtschaftsförderung und der Hessen Trade & Invest GmbH konzipiert.

Es startete offiziell im März und ist zunächst bis Ende 2021 ausgelegt.

Frank Zebner (56) lebt und arbeitet in Offenbach und München. Als Designer ist er international tätig und berät bekannte Marken. Seit 1997 ist er Professor für Design, seit 2008 an der Hochschule für Gestaltung (HfG) Offenbach. Er hat(te) weltweit mehrere Gast- und Honorarprofessuren inne. Von 2010 bis 2016 war er Dekan des Fachbereichs Design an der HfG. Zusammen mit dem Beijing Institute of Technology, der Universitäten Sydney und Melbourne, initiiert er derzeit das Design- und Kulturprojekt „Time Zone East“.

Am Design Institute of Technology – das Institut des Lehrgebietes für Technische Produkte und Produktsysteme von Prof. Zebner – wird Designforschung und -entwicklung für mittlere und große Unternehmen durchgeführt, etwa für Audi, Lamy oder Lufthansa. Das Lehrgebiet unterhält wissenschaftliche Kontakte und strategische Partnerschaften zu Forschungseinrichtungen auf allen fünf Erdteilen. Ein internationales Netzwerk für Austausch und Zusammenarbeit im Bereich der wissenschaftlichen Designforschung und Designentwicklung befindet sich im Aufbau. fab

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