Nachhaltigkeit

Offenbach: Kleidung, fair produziert

  • vonKathrin Becker
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Die Schneiderinnen von „Passepartout“ setzen auf Handwerk und Nachhaltigkeit

Mode ist ein schnelllebiges Geschäft. Jedes Vierteljahr bringen große Modehäuser neue Kollektionen auf den Markt, die meist unter fragwürdigen Umständen hergestellt werden. Clara Maldener und Evalotte Dronka wollten es anders machen. Gemeinsam besitzen die 23-Jährigen einen eigenen kleinen Laden im Senefelder Quartier in Offenbach. Dort verkaufen die gelernten Maßschneiderinnen fair produzierte Kleidung und fertigen passgenaue Einzelstücke an. Dabei soll alles stets so nachhaltig wie möglich sein.

Das Geschäft in der Senefelderstraße ist klein, aber hell und stilvoll eingerichtet. Statt Klamotten im Überfluss gibt es nur eine Kleiderstange, an der einige Entwürfe hängen. Im Schaufenster präsentieren Puppen Teile aus der aktuellen Kollektion. Zu sehen sind Oberteile und Hosen in zurückhaltenden Farben wie ockergelb und cremeweiß. Rechts von der Eingangstür hängen weitere Kleidungsstücke in einem Regal. Darüber steht in großen Buchstaben „Passepartout“, der Name des Labels. „Unsere Kleidung soll die Kundinnen unterstützend einrahmen“, erklärt Maldener. Und aus dem Namen höre man schon raus: „Das passt auf jeden Fall“.

Das sei auch das Besondere am Maßschneidern, so Maldeners Kollegin Dronka. Die Passform und das Aussehen könnten exakt auf die Wünsche der Kundinnen zugeschnitten werden. Bei Passepartout sind es meist Frauen mittleren Alters, die sich vor allem gut sitzende und alltagstaugliche Kleidung wünschen. „Viele haben sich schon lange in Konfektionen ausprobiert und wollen sich dann zum Beispiel eine Hose machen lassen, die gut passt“, so die Schneiderin. Zu ihren Aufgaben gehöre es aber auch, die Kundinnen zu beraten. Oft werden sie gefragt, was gut zu einer bestimmten Körperform oder Haarfarbe passe. In diesen Fällen machen die Schneiderinnen eigene Vorschläge. Auch wenn Maldener dann manchmal gerne sagen würde: „Ist doch egal. Hauptsache, du fühlst dich wohl.“

Auch bei der Kollektionsware legen sie viel Wert darauf, dass die Kleidung möglichst vielen Menschen unabhängig der Körperform steht. Dafür bauen sie in ihre Schnitte oft einstellbare Gummizüge oder Wickeltechniken ein. Denn das macht die Kleidung immer wieder anpassbar. So wollen sie außerdem nicht-nachhaltige Rücksendungen von Online-Bestellungen vermeiden.

Kennengelernt haben sich die Schneiderinnen während ihrer Ausbildung in Offenbach. „Ich wollte etwas machen, womit andere etwas anfangen können“, erinnert sich Dronka. Maßschneiderei habe auch etwas mit Kunst zu tun, ergänzt Maldener. „Das zu bewahren, auch wenn es mittlerweile ganz andere Techniken gibt, ist auch etwas Schönes und Wertvolles.“ Vor zwei Jahren entschieden sie sich dazu, ein eigenes Label mit Fokus auf Nachhaltigkeit zu gründen. Am Anfang arbeiteten sie noch aus kleinen Ateliers zur Untermiete. Ihren Beruf, das Maßschneidern, konnten sie so aber nicht ausüben.

Der Laden war daher ein echter Glücksgriff. Noch im Februar beherbergte er eine Änderungsschneiderei. Durch einen Zufall fiel er dann in die Hände der jungen Gründerinnen, die unverzüglich Ärmel hochkrempelten und die Räumlichkeiten innerhalb kurzer Zeit nach ihren eigenen Vorstellungen umgestalteten. Nun haben sie genug Platz, um ihre Kunden zu bedienen und ihre Kreationen in die Realität umzusetzen.

Zwei Nähmaschinen und ein großer Arbeitstisch vor einer dunkelblauen Wand, dazu freigelegter Backstein und Holzböden. Hier findet der Großteil ihrer Arbeit statt. Alles wird in Handarbeit vor Ort produziert. Die Stoffe beziehen sie entweder aus Restposten anderer Firmen oder sie kaufen Stoffe, die mit dem Global Organic Textile Standard (GOTS) ausgezeichnet sind. „Das heißt, dass in allen Verarbeitungsschritten fair gehandelt wird“, erklärt Maldener. Auch Änderungen und Nähkurse gehören zum Tagesgeschäft.

Aufgrund ihres Alters könnten manche Kunden gar nicht glauben, dass Dronka und Maldener tatsächlich die Inhaberinnen des Geschäfts sind. Einmal, da war Clara Maldener gerade alleine im Laden, habe eine Gruppe von Leuten vor der Tür gestanden und gefragt, ob denn der Chef auch da sei. „Hier ist die Chefin“, sagte sie daraufhin. „Die Leute, die uns gesehen haben, wie wir beim Renovieren grau vom Staub waren, die nehmen uns schon ab, dass wir das selber machen“, sagt Dronka. Bei der Erinnerung müssen beide lachen.

Natürlich koste es auch Arbeitszeit, alles von Hand zu produzieren. Manchmal müssen die Schneiderinnen dann erklären, wie sich der Preis eines Kleidungsstückes zusammensetzt. Eine Bluse aus der aktuellen Kollektion kostet zum Beispiel 140 Euro. Dronka findet: „Das ist auch Teil von unserer Arbeit. Die Leute darüber aufzuklären, wie Preise eigentlich sein müssten und warum.“

Insgesamt kommt ihr Konzept gut an. Die Sommerkollektion sei die Beste bisher, sagt Dronka stolz. Zum ersten Mal haben sie auch ein Herrenhemd im Angebot. Auch jetzt, in Zeiten der Corona-Pandemie, sei der Laden oft voll gewesen. „Wir haben in der Zeit super viele Masken genäht“, sagt Maldener. Die sind natürlich wiederverwendbar und nachhaltig. (Von Kathrin Becker)

Passepartout , Senefelderstraße 47, 63069 Offenbach, geöffnet montags bis freitags von 11 bis 18 Uhr, Termine für Maßanfertigungen nach Vereinbarung, www.passepartout.fashion.de

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