+
Brettschneiders Buch ist auch eine Liebeserklärung an Offenbach. 

Offenbach

Kinomacher Brettschneider hat ein Buch geschrieben

  • schließen

Daniel Brettschneider holte vor Jahren wieder Programmkino nach Offenbach – jetzt hat er ein Buch geschrieben. 

Tief im Offenbacher Westen, etwas versteckt in einer von Baumkronen umringten Wohnung steht Daniel Brettschneider vor einem mit DVDs gefüllten Regal und hält ein Bündel loser Seiten in den Händen. Es ist die Vorabversion des Buchs, an dem er die vergangenen beiden Jahre gearbeitet hat und das diese Woche erscheint: „Kino Kulinarisch – Filme nach meinem Geschmack“.

Brettschneider ist in Offenbach so etwas wie der große Kinomacher: Vor knapp zehn Jahren hat der heute 38-Jährige mit dem Kino im „Hafen 2“ nach jahrelangem Großkino-Einerlei wieder Programmkino in die Stadt geholt. Es folgte unter anderem eine Serie mit Filmen übers Radfahren in einem Radladen, das Freiluftkino Frankfurt und die Reihe „Kino Kulinarisch“ im Ledermuseum, auf die sich der Buchtitel bezieht: Abende, an denen etliche Menschen an langen Tafeln sitzen, sich unterhalten und einen Film gezeigt und passendes Essen serviert bekommen. Heute läuft die Reihe in der Alten Schlosserei. Und das Hafenkino zieht – mittlerweile ohne Brettschneider – Filmfans aus ganz Rhein-Main an.

Hören, Sehen, Essen
Die erste Lesung aus „Kino Kulinarisch“ gibt Brettschneider am Samstag, 21. September, 19:30 Uhr im Radladen Artefakt, Starkenburgring 4. Eintritt 15 Euro – Wein und Snacks inklusive, Vorverkauf im Laden. In kleiner Runde präsentiert er das Buch schon heute ab 19 Uhr im Trattodino, Taunusstr. 19 .

Der nächste Abend der Reihe „Kino Kulinarisch“ am 27. September in der Alten Schlosserei , Andréstr. 71, ist fast ausverkauft. Karten gibt es noch für den 25. Oktober: Gezeigt wird der Film „Astrid“ – dazu gibt es Köttbullar. Eintritt 9 Euro. Vorverkauf im Infocenter, Salzgäßchen 1.  

„Es war schon Skepsis da, ob so was überhaupt geht in der Stadt“, erinnert sich Brettschneider an den Beginn des Hafenkinos 2010. Er hatte gerade sein Studium in Erziehungswissenschaften, Soziologie und Psychologie abgeschlossen und konnte sich ganz der Leidenschaft Kino widmen. „Es ging damals um nichts anderes als darum, unsere Lieblingsfilme zu zeigen“, erzählt er. Es war eine „Zeit des Aufbruchs“. Fast aufgeregt berichtet er von den Anfängen von „Kino Kulinarisch“, vom 3. März 2012, als 230 Gäste im Foyer des Ledermuseums zu Fatih Akins Film „Solino“ Ragù alla Bolognese serviert bekamen – ein Gericht, das sein Freund Stefan mit seiner Familie vor Ort zubereitete. Er erzählt vom Szenenapplaus, vom gemeinsamen Lachen und Weinen, vom „Volksfestcharakter“ an jenem Abend. „Diese Stimmung geht über normales Kinoerleben hinaus“, sagt Brettschneider.

Damals habe er beschlossen, den Schwerpunkt seines Schaffens auf die Kombination Kino und Essen zu legen. Oder, wie er in seinem Buch schreibt: „Ich empfand dies als eine Art der Befreiung von herkömmlichen Kinostrukturen, als Möglichkeit eines kleinen Cinema Paradiso in Offenbach.“ Heute sind die monatlichen Vorstellungen von „Kino Kulinarisch“, bei denen stets auch vegetarisches Essen angeboten wird, immer ausverkauft.

Das Buch ist eine Mixtur aus Kochbuch, Filmempfehlungen und Autobiografie geworden, gestaltet von Jan Münz. Die von Jan Buchczik gezeichneten, oft ganzseitigen Illustrationen geben dem Buch einen melancholischen, träumerischen Touch. Und ein klein wenig ist das Ganze auch eine Liebeserklärung an Brettschneiders Heimatstadt Offenbach geworden, in die es ihn nach einem Zwischenstopp in Berlin (die er im Kapitel zum Film „Oh Boy“ beschreibt) wieder zog.

Dabei gibt es auch kritische Töne. Etwa, wenn er von der Chamäleon-Bar erzählt, in der er im „Broken Dreams Club“ Filme über das Scheitern zeigte. Dass seine Stammkneipe nach über 25 Jahren dichtgemacht hat, erzähle womöglich „mehr über Offenbach als sämtliche Masterpläne, Marketingmärchen und Presseartikel zusammen“. Doch hätten „die Geschichten vom kreativen Aufschwung des ‚coolen Brooklyn‘ am Main“ im Chamäleon eh nie wirklich jemanden interessiert. Die Dreams-Reihe wurde ausnahmsweise kein krasser Erfolg. Wie Brettschneider schreibt, hat sich dadurch langsam die „ernüchternde wie befreiende Erkenntnis“ durchgesetzt, dass Offenbach eben „doch nicht Berlin“ ist: „Enge Freunde kamen, das Bier schmeckte, die gewohnten Schlangen blieben aus.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare