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Dominik Mangelmann (2. v. l.) möchte Offenbachs alten Kern wieder erkennbar machen.

Stadtplanung

Offenbach: Keine neue Altstadt wie in Frankfurt

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Die CDU erläutert bei Führung, wie sie sich die Aufwertung des ursprünglichen Ortskerns vorstellt.

Mit Rundgängen durch die Offenbacher Altstadt will die CDU-Fraktion für das auf ihre Initiative hin beschlossene, aber umstrittene Entwicklungskonzept zur Aufwertung des historischen Ortskerns werben. Die Bürger scheint das Thema, was im Herzen ihrer Stadt städtebaulich geschehen soll, aber kaum zu bewegen. Zur ersten Führung mit Dominik Mangelmann, Verfechter von Rekonstruktionen und stellvertretender CDU-Fraktionsvorsitzender, kamen jüngst acht Leute. Inklusive Fraktionschef Roland Walter und -geschäftsführerin Anja Fröhlich.

Das Interesse an den Plänen für den ursprünglichen Stadtkern dürfte aber schlagartig steigen, wenn den Offenbachern bewusst wird, dass damit nicht nur Rekonstruktionen verbunden sind, sondern Straßen verkehrsberuhigt werden und Grundstücke nicht so dicht bebaut werden dürfen.

Das findet Mangelmann aber nicht schlimm. Denn das herausragend bedeutende Gebiet (gemeint ist die Altstadt) dürfe nicht „Nutzacker für Wohnbauprofite“ werden. Stattdessen solle den Bürgern die Altstadt eine höhere (Aufenthalts-)Qualität wert sein, sagt er und stellt sogar infrage, dass Offenbach mit seinen knapp 140 000 Einwohnern noch mehr Zuzug brauche.

Ein Punkt ist dem Bauingenieur besonders wichtig. Die CDU wolle keine neue Altstadt à la Frankfurt. „Jetzt habe ich es begriffen“, sagt ein älterer Mann am Ende der Führung. Die übrigen Teilnehmer nicken zustimmend.

Tatsächlich betont Mangelmann immer wieder, dass es der CDU mit dem von ihr initiierten Antrag darum gehe, ein lange vernachlässigtes Gebiet zwischen Main und Berliner Straße wieder an die heutige Innenstadt anzubinden und Vorgaben zu entwickeln, wie frühere Wegeverbindungen oder auch Häuser nach historischem Vorbild wiederhergestellt werden könnten.

Offenbach sei einst ein kleines Fischerdorf gewesen. Trotz des mächtigen Renaissanceschlosses, um das herum sich die Häuser ausgerichtet hätten. Darin sieht er ein Alleinstellungsmerkmal Offenbachs gegenüber den umliegenden Gemeinden.

Diesen historischen Kern, der kaum noch sichtbar ist, will die CDU wiederbeleben und zu einem urbanen Standort mit hoher Aufenthaltsqualität machen. Mangelmann räumt ein, es brauche schon ein bisschen Fantasie, um sich das vorzustellen.

Besonders gilt dies für die Sandgasse, die mit ihren Brachen, schlichten Häusern und Parkflächen keinen schönen Anblick bietet. Ginge es nach Mangelmann, könnten in der Sandgasse Gebäude rekonstruiert werden. Er zeigt auf ein angeblich sanierungsbedürftiges Wohnhaus neben einer Brache, das schräg gegenüber dem einzigen Fachwerkhaus in der Sandgasse liegt. Er stellt klar, die CDU habe nichts gegen den geplanten Neubau der Moschee. Schließlich habe sich dort früher ein evangelisches Schwesternhaus mit neuneinhalb Meter hohem Gemeindesaal befunden. Ein Moscheeneubau entspreche also in Maß und Nutzung der historischen Bebauung.

Dennoch hatte Mangelmann der Mevlana-Gemeinde wegen der schon heute existierenden Verkehrsprobleme in der engen Einbahnstraße einen Grundstückstausch vorgeschlagen. Der Vorstand habe das aber abgelehnt.

Bei allem Engagement macht die Führung deutlich, dass es sich bislang um Wunschvorstellungen handelt. Die meisten Grundstücke befinden sich in Privatbesitz. Die CDU spricht zwar von Anreizen für Bauherren, um die gewünschten Ziele zu erreichen. Welche das sein könnten, sagt sie aber nicht. Ob es je einen Bebauungsplan für das Gebiet geben wird, ist ebenfalls unsicher. Im Antrag heißt es dazu schwammig, ein solcher „könne“ erarbeitet werden.

Die CDU hofft bei der Umsetzung ihrer Pläne auf den Fleiß und die Kreativität der Verwaltung. Der zuständige Dezernent hat jedoch schon erkennen lassen, dass er andere städtebaulichen Aufgaben für dringlicher hält.

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