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Polizeikommissar Thomas Antl vor dem Trockenraum, in dem Beweise gesichert werden.
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Polizeikommissar Thomas Antl vor dem Trockenraum, in dem Beweise gesichert werden.

Offenbach

Offenbach: Hightech für die Polizei

  • Timur Tinç
    VonTimur Tinç
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Das neue Polizeipräsidium Südosthessen verfügt über modernste Technik wie einen Trockenraum und eine Bedampfungshalle zur Spurensicherung. In der Leitstelle gibt es mehr Kapazitäten für Notrufe.

An den Geruch erinnert sich Thomas Antl nur ungern zurück. Der Erste Kriminalhauptkommissar leitetet seit 2017 den Erkennungsdienst bei der Polizei Südosthessen in Offenbach. Wenn im alten Präsidiumsgebäude in der Geleitsstraße Beweismittel bei Tötungsdelikten wie eine verfaulte Jeanshose von einer Leiche im Wald gelagert und untersucht werden mussten, stank es danach fürchterlich. „Wir haben früher ganz schlechte Bedingungen gehabt“, erzählt Antl. „Das war Elend. Deswegen haben wir das hier draußen gebaut damit dieser Geruch nirgendwo hin kann.“

Gemeint ist der sogenannte Trockenraum im Hof des neuen Polizeipräsidiums Südosthessen. Getrennt zwischen Opfer und Täter werden in diesen Räumen die Beweismittel luftdicht gelagert und selbst die Lüftungssysteme sind voneinander getrennt, um eine Kontaminierung zu vermeiden. Es gibt vier Schränke zur Lagerung, die nach den Wünschen der Polizei gebaut wurden.

Der NEUBAU

Der Neubau des Polizeipräsidiums Südosthessen am Spessartring hat 162 Millionen Euro gekostet. Finanziert hat die Summe das Unternehmen Goldbeck aus Bielefeld, das auch für die Unterhaltung zuständig ist. Das Land Hessen hat für die Immobilie einen Public Private Partnership (PPP) Vertrag über 30 Jahre unterschrieben.

Die Bruttogrundfläche beträgt 75 717 Quadratmeter, die Grundstücksfläche knapp 37 000 Quadratmeter. Das Gebäude ist 200 Meter lang, 100 Meter tief, hat sieben Geschosse und ist 22 Meter hoch. Planung und Bauzeit betrugen 41 Monate. tim

Es ist eine von ganz vielen Spezialanfertigungen im Neubau des Polizeipräsidium Südosthessen. Seit dem 1. August sitzen Polizistinnen und Polizisten aus Stadt und Kreis Offenbach, Hanau und dem Main-Kinzig-Kreis im 162 Millionen Euro teuren Neubau. Platz ist für 900 Bedienstete. Zu den Besonderheiten gehört auch eine Bedampfungshalle, bei der Sekundenkleber auf Fahrzeuge gesprüht wird, um Spuren zu sammeln. „Die gibt es in Deutschland genau drei Mal. Eine beim BKA in Wiesbaden, eine beim LKA in Kiel und die dritte ist hier“, sagt Michael Schäffler. Der Kriminaloberrat war seit 2004 verantwortlich für das Projekt Neubau. „Jetzt können wir endlich Techniken einsetzen, die wir seit Jahrzehnten herbeisehnen“, betont Schäffler. Weiterer Hightech im Labor mache einen „Zeitsprung in der Ermittlungsarbeit möglich“, ergänzt Antl.

Der Neubau hat sich insgesamt vier Jahre verzögert. Zum einen wegen der Weltwirtschaftkrise wurde zwei Jahre überlegt, ob so ein Projekt überhaupt zu stemmen sei. Zum anderen gab es einen fast zweijährigen Gerichtsstreit der beiden Ausschreibungsbewerber. Durchgesetzt hat sich die Bielefelder Firma Goldbeck.

„Wir haben bei weitem nicht all das, was wir gerne hätten“, sagt Schäffler. Eine Schießanlage, ein Einsatztrainingszentrum und ein Schwimmbad seien unter anderem abgelehnt worden. Das Gebäude umfasst zahlreiche Büro- und Besprechungsräume ebenso wie eine Gefangenensammelstelle. Sie hat hessenweit die einzige barrierefreie Gewahrsamszelle mit erhöhtem Schlafplatz. Außerdem gibt es noch eine Mehrzweckhalle und ein Dojo für Kampfsport.

Die neue Leitstelle nennen sie bei der Polizei Raumschiff Enterprise. Alle Anrufe aus dem Dienstgebiet Südosthessen laufen in Offenbach auf. Notruf-Engpässe wie am Tatabend des Anschlags von Hanau am 19. Februar 2020 sollen der Vergangenheit angehören. Dr 22-jährige Vili Viorel Paun hatte den Täter mit seinem Auto verfolgt und dabei mehrfach vergeblich den Notruf 110 gewählt. Kurz darauf war er von dem Attentäter in seinem Auto erschossen worden. „Mit der jetzigen Technik haben wir alle Voraussetzungen geschaffen, dass mehr Notrufe eingehen können“, sagt Polizeisprecher Thomas Leipold. Im Fall eines Überlaufs von Notrufen würden diese an das Polizeipräsidium nach Frankfurt weitergeleitet. „Es läuft kein Notruf ins Leere“, betonte Leipold. Man müsse nur in der Leitung bleiben.

Das Atrium des 162 Millionen Euro teuren Neubaus.

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