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Der Stadtplan um 1750 zeigt den Siedlungskern (ovaler Grundriss mit Schloß am Main) zwischen Sand- und Glockengasse.

Historischer Stadtkern

Große Pläne für Offenbach - Altstadt soll umgestaltet werden

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Die CDU spricht von einem Paradigmenwechsel. Häuser sollen rekonstruiert und alte Wegeverbindungen wiederhergestellt werden.

Offenbach - Die Koalition aus CDU, Grünen, FDP und Freien Wählern hat einen Antrag für die Stadtverordnetensitzung am 29. August eingebracht, bei dem offen ist, ob er zu lebhaften Diskussionen führen oder sich als Flop erweisen wird. Wohl beflügelt durch den Erfolg der neuen Frankfurter Altstadt will das Bündnis den historischen Stadtkern aufwerten. Dazu soll der Magistrat ein Entwicklungskonzept erarbeiten. Gerechnet wird mit Kosten von 100.000 bis 150.000 Euro. Es sollen Fördermöglichkeiten und die Schaffung einer Stelle geprüft werden.

Hinter dem Antrag steht die CDU und vor allem ihr stellvertretender Fraktionsvorsitzender Dominik Mangelmann. Der Bauingenieur hat sich im Zusammenhang mit der Frankfurter Altstadt und als Verfechter von Rekonstruktionen einen Namen gemacht. Als historische Mitte Offenbachs wird in dem Antrag das Areal zwischen Mainstraße und Berliner Straße sowie der Herrnstraße und dem Großen Biergrund definiert.

Areal zwischen Mainstraße und Berliner Straße in Offenbach betroffen

In dem Gebiet befinden sich die Hochschule für Gestaltung (HfG) mit dem Isenburger Schloss, die Rudolf-Koch-Schule, die Gewerblich-Technischen Schulen, das Jugendzentrum, Altbauten, nach dem Krieg errichtete Mietshäuser, und entlang der Herrnstraße viele Neubauten. Es existiert noch ein Fachwerkhaus an der Sandgasse. Es steht nicht unter Denkmalschutz.

Die Koalition sieht aus zwei Gründen „dringenden Handlungsbedarf“. Zum einen gebe es nach Abriss des Toys“R“Us-Gebäudes an der Berliner Straße mit dem von Christoph Mäckler entworfenen Neubauten wieder einen Durchgang zur historischen Sandgasse. Damit bestehe die Pflicht und die Chance, den eigentlichen Kern Offenbachs um das Isenburger Schloss langfristig wieder mit der stadtplanerischen Sorgfalt zu betrachten, die ihm historisch gebühre.

Umfeld soll wieder zum Identifikationspunkt für die Stadt werden

Zudem biete der geplante Umzug der HfG und der schlechte Zustand der Turnhalle der Technikerschulen an der Mainstraße die Möglichkeit, auf politischer Ebene die Richtung festzulegen, wie sich das „lang vernachlässigte Umfeld“ entwickeln und für die Stadt wieder zum Identifikationspunkt herausbilden könne, heißt es in der Antragsbegründung.

Tatsächlich war die Offenbacher Altstadt im Zweiten Weltkrieg, verglichen mit den immensen Schäden in Frankfurt, weniger zerstört worden. Aber schon in der Gründerzeit des 19. Jahrhunderts wurden viele ältere Häuser, insbesondere in der Schloss- und Herrnstraße, durch Gebäude im historistischen Stil ersetzt. Als dann die autogerechte Stadt nicht nur propagiert, sondern auch brutal mit der Berliner Straße umgesetzt wurde, mussten weitere alte Häuser weichen.

Koalition schwebt Großes vor

Der Koalition schwebt Großes vor: Die Offenbacher Altstadt soll zu einem urbanen Standort mit hoher Aufenthaltsqualität werden, in dem auch die historischen Anknüpfungspunkte und das Isenburger Schloss wieder zur Geltung kommen. Primär schwebt den Antragstellern eine planerische Neuordnung des Gebiets mit Orientierung an „historischen Merkmalen und Wegeverbindungen“ vor.

CDU-Fraktionschef Roland Walter sieht in dem Antrag einen „Startpunkt“ für einen Paradigmenwechsel. Er dankte den Koalitionspartnern, die offen und „begeistert von der Idee“ seien.

Ausdrücklich wird die Rekonstruktion von Häusern erwähnt. Der Magistrat wird aufgefordert, Ansätze zu entwickeln, historische Gebäude, zu denen Pläne vorhanden sind oder aufgrund von Akten erstellt werden könnten, zu rekonstruieren. Dies soll mit Hilfe kommunaler Gesellschaften auf städtischen Liegenschaften geschehen. Für Privateigentümer sollen Anreize geschaffen werden. Die Sandgasse soll langfristig zum Main hin geöffnet werden. Dort, wo die Verbindung möglich wäre, befinden sich heute Parkplätze der Technikerschulen. 

von Agnes Schönberger 

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