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Am Freitag unterhielten schon erste Künstler ihr kleines und großes Publikum im Center.

Offenbach

Offenbach: Händler-Warteliste statt Leerstand

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Das Ring-Center in Offenbach feiert am Wochenende sein 20-jähriges Jubiläum. Das Fachmarktzentrum ist aus mehreren Gründen äußerst erfolgreich.

Am Wochenende wird groß gefeiert: Das Ring-Center am Odenwaldring in Offenbach wird 20 Jahre alt. Was vor zwei Jahrzehnten mit einem Aufschrei der Empörung und mit Protesten der Innenstadt-Händler begann, hat eine Erfolgsgeschichte geschrieben. Durchschnittlich 55 000 bis 60 000 Kunden pro Woche kauften in den 37 Geschäften des Centers ein, sagt Gernot Falk, Geschäftsführer der Münchner ILG Centermanagement GmbH. Damit liegt das Fachmarktzentrum auf Platz fünf unter den 47 Centern, die das Unternehmen deutschlandweit verwaltet. An der vierspurigen Durchgangsstraße boomt also das Geschäft, während das Komm-Center in der Innenstadt mit Leerständen zu kämpfen hat.

„Das Ring-Center und das Komm-Center kann man nicht miteinander vergleichen“, sagt Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD). „Die sprechen unterschiedliche Einkaufsanlässe an.“

Zum Ring-Center mit seinen 1200 kostenlosen Parkplätzen fahre man mit dem Auto, um seinen Wocheneinkauf zu erledigen. „Da sitzt vom Umsatz her der viertgrößte Rewe-Markt in Deutschland“, sagt Schwenke. Das Komm-Einkaufscenter in der Innenstadt dagegen stehe mit seinem Sortiment in massiver Konkurrenz zum Onlinehandel, habe deshalb „im Moment ein Stück weit zu kämpfen“.

Das Ring-Center sei einst auf dem ehemaligen Gelände von Stahlbau Lavis gebaut worden, um eine Versorgungslücke zu schließen, die es in der Stadt gab. Offenbach habe seinerzeit noch nicht einmal 80 Prozent seiner Kaufkraft binden können.

Bis einschließlich morgen, Sonntag, wird im Ring-Center gefeiert.

Im Außenbereich bereiten rund 25 Street-Food-Artists Köstlichkeiten aus aller Welt zu.

Im Inneren gibt es zahlreiche kostenlose Mitmach-Aktionen vom Glücksrad bis hin zur Kletterwand. Der Ring-Center-Bär verteilt Einkaufsgutscheine und Couponhefte an die Besucher.

Am heutigen Samstag verwandelt sich das Center nach Geschäftsschluss um 22 Uhr zu einem Partytempel mit zwei Tanzflächen, DJ’s, Gogo-Show-Tänzern und Live-Acts. Bis 4 Uhr morgens kann getanzt werden. Höhepunkt ist der Auftritt der 90er-Jahre-Band „Culture Beat“. Der Eintritt kostet 12 Euro im Vorverkauf an der ReWe-Information im Center und 15 Euro an der Abendkasse.

Am morgigen Sonntag ist das Center von 11 bis 20 Uhr geöffnet. Um 14 Uhr geben die Offenbacher Kickers eine Autogrammstunde auf der Bühne. ann

Innenstadt-Händler sahen mit dem Bau des Fachmarktzentrums ihre Felle davonschwimmen und protestierten beim Oberbürgermeister dagegen. Deshalb versuchte die Rathausspitze, durch einen Bebauungsplan mit entsprechenden Regularien innenstadtrelevante Sortimente von dort fernzuhalten. „Der Bauherr musste seinerzeit jeden Millimeter Fläche mit der Stadt absprechen“, sagt Schwenke. Heute ist er froh, dass dieser Plan aufgegangen ist. „Im Ring-Center werden nach wie vor vorwiegend Produkte angeboten, die der Innenstadt nicht bedrohlich werden.“ So gebe es beispielsweise die Begrenzung, dass kein Textilanbieter von der Größe eines Kaufhofs dort ansässig werden dürfe, „sonst können wir die Innenstadt zumachen“.

Das geplante Rathaus-Plaza, das zweite Einkaufszentrum mitten in Offenbach, brauche man trotzdem, so Schwenke, um „weitere innenstadtrelevante Angebote machen zu können“. Dort würden kleinere Einkaufsflächen für die Nahversorgung entstehen, aber auch Co-Working-Spaces und Gewerbeflächen.

ILG-Geschäftsführer Falk sieht mehrere Gründe für den Erfolg „seines“ Ring-Centers. Während viele Innenstädte autofrei gemacht wurden, könne das Fachmarktzentrum ausreichend Parkplätze kostenlos vor den Geschäften zur Verfügung stellen. Außerdem diene das Ring-Center nicht nur als Nahversorger, sondern sei eine überregionale Größe im Einzugsbereich. Rewe sei ein Ankermieter, der durch seine Handelsflächengröße, seine Sortimentsbreite und -tiefe eine überregionale Bedeutung habe. Und es gebe im Center „viele Marken, die von Kunden präferiert werden“.

Das Ring-Center sei eines der wenigen Zentren in Deutschland, in dem es seit Jahren keinen Leerstand gebe. Im Gegenteil: Es existiere sogar eine Warteliste von Händlern, die sich gerne ansiedeln würden – falls mal eine Ladenfläche frei werden sollte.

Vier Millionen Besucher frequentieren das Zentrum pro Jahr. Für die Größe mit knapp 30 000 Quadratmetern Verkaufsfläche und für den Standort sei das ein sehr guter Wert, liege deutschlandweit deutlich über dem Mittelfeld. Das geplante Rathaus-Plaza in der Innenstadt sieht Falk positiv. „Das führt zu einer Stärkung des Einzugsgebiets“, meint er. „Eine Agglomeration des Einzelhandels lockt Kunden an.“

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